Vive la France! Vive l’ Europe!

Vive Berlin!

In der Hauptstadt lebende Franzosen haben ihre Stimme abgegeben und gefeiert

Juliane Meißner
Lesezeit 3 Min
In Berlin lebende Franzosen haben ihre Stimme abgegeben und gefeiert.

In Berlin lebende Franzosen haben ihre Stimme abgegeben und gefeiert.

© dpa

Zu diesem Wahl-Public-Viewing hatten die beiden Organisationen European Alternatives und Euro Topics eingeladen. Auch in anderen Kneipen und Kultureinrichtungen wie dem Centre Français de Berlin gab es Wahlpartys. Neben der Leinwand hing eine große Europa-Flagge. Es war also nicht zu übersehen, wem die Sympathie der Veranstalter und auch vieler Besucher des „Marie Antoinette“ galt.

„Ich bin sehr erleichtert über das Ergebnis – und stolz auf mein Land“, sagt Elen Schofield. Die 22-Jährige lebt seit drei Jahren in Berlin. „Macron war zwar nicht von Anfang mein Favorit, aber er ist pro Europa und das ist das Wichtigste für mich.“ Wenige Augenblicke später buhten die Besucher, denn Marine Le Pen war wieder auf der Leinwand zu sehen. Sie hielt eine kurze Rede, in der sie ihre Niederlage eingestand. Als Le Pen fertig war, buhten die Gäste in Mitte gleich noch einmal. Als könnte das ihren Abgang von der Bühne noch beschleunigen.

Wie wenig die in Berlin lebenden Franzosen von der Rechtspopulistin Le Pen halten, wurde bereits vor gut zwei Wochen deutlich. Denn zum ersten Wahldurchgang hatten die 11 877 Franzosen und Deutsch-Franzosen , die in Berlin leben und wahlberechtigt sind, kaum Stimmen für sie abgegeben. Le Pen landete auf Platz fünf in der Wählergunst. Die große Mehrheit erhielt Macron.

„Damit haben die Franzosen, die in Berlin leben, ganz anders gewählt als die Menschen in Frankreich“, sagt Florian Fangmann vom Centre français de Berlin mit Sitz in Wedding. Das liege unter anderem daran, dass viele in Deutschland lebende Franzosen in internationalen Projekten, wie zum Beispiel dem Jugend- und Kulturaustausch, arbeiten. Ihre Jobs wären mit einer Präsidentin Marine Le Pen wohl nicht mehr existent gewesen.

Am gestrigen Sonntag wurden die Wahllokale zum zweiten Wahldurchgang wieder im Institut français am Kurfürstendamm und in der Französischen Botschaft am Pariser Platz eingerichtet. Am Nachmittag ging es an der Botschaft eher gemächlich zu, obwohl die Vertretung mit einem großen Andrang gerechnet hatte. Konkrete Zahlen zur Beteiligung sollen aber erst nach Auszählung der Stimmen veröffentlicht werden.

Sebastian Blanchard, der am Sonntag seine Stimme abgegeben hat, hat den Wahlkampf als aggressiv empfunden. Der Franzose lebt seit 2005 in Berlin. Für ihn war klar, wen er wählt: „Keiner der beiden Kandidaten war mein Favorit, aber ich will, dass die Rechtspopulisten so wenige Stimmen wie möglich bekommen.“

Ähnlich äußert sich Laure Duflos, die seit zwei Jahren in Berlin lebt: „Völlig überzeugt hat mich beide Kandidaten nicht. Mir war es jetzt nur wichtig meine Stimme abzugeben, um Marine Le Pen zu verhindern.“

Über die Präsidentenwahl hätten viele Franzosen in Berlin mit Freunden und Familie in der Heimat diskutiert, erzählt Fangmann vom Centre francais. „Zum Beispiel, wenn in der eigenen Familie früher eher links gewählt wurde – aber heute für den Front National votiert wird. Da haben die hier lebenden Franzosen versucht, dagegen zu argumentieren.“ Diskussionen hat auch Anna Marin mit ihrer Familie geführt. Sie hat ihre Stimme in Berlin abgegeben, weil sie einfach von ihrem Wahlrecht gebrauchen machen wollte.

Aber sie fand weder Le Pen noch Macron überzeugend. Ähnlich ging es auch Thomas Tatry, der mit seinem kleinen Sohn zum Wahllokal in der Botschaft gekommen war. Große Veränderungen erwartete er von keinem der beiden Kandidaten, sagt er.  

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