Eine Patientin (13) fing am Freitagmittag an, in der Kindernotfallambulanz auszurasten. Die Polizei war mit mehreren Beamten im Einsatz. Der Fall zeigt, dass in Berliner Kliniken Situationen fast täglich aus dem Ruder laufen. Auch noch nach Victorias Geschichte. Victorias Vater, Klaus-Jürgen Ulmann (73), möchte mit seiner Anzeige vor allem eins bewirken: Dass es für Mädchen und Jungen nicht zu gefährlichen oder schwierigen Situationen in den Rettungsstellen kommt, egal aus welchem Grund.
"Einen Anwalt brauchen wir nicht"
Seine Tochter hatte am 8. und 9. November nach einem Handgelenksbruch 30 Stunden auf eine Operation warten müssen. Die Eltern wurden nach eigenen Angaben kaum informiert, bekamen nicht mal einen Ambulanzbogen wie sonst üblich. Victoria durfte an beiden Tagen über zehn Stunden nichts essen, da man vor solchen OPs nichts im Magen haben darf. Inzwischen geht es Victoria wieder besser: Der Gips ist ab. In der Schule schreibt sie mit einem Laptop, um keinen Unterricht zu versäumen. Schmerzen hat sie kaum.
Der Vater hofft aber, dass seine Anzeige schnell bearbeitet wird. „Einen Anwalt brauchen wir nicht“, so Klaus-Jürgen Ulmann mutig. Chirurg und Politiker Wolfgang Albers (Linke) findet es richtig, dass die Eltern vor Gericht ziehen wollen, drückt aber auf die Bremse: „Sie sollen klagen und klären, ob hier ein Organisationsverschulden vorliegt. Das nachzuweisen wird aber schwierig.“
Die Charité, zu der das Virchow-Klinikum gehört, hatte Dienstag mitgeteilt: „Wir bedauern sehr, dass die elfjährige Patientin an den beiden genannten Tagen über mehrere Stunden nüchtern bleiben musste. Das ist insbesondere für Kinder eine sehr unangenehme Situation und für die Eltern oft schwer nachvollziehbar. Allerdings gab es an diesen beiden Tagen kinderchirurgische Notfälle, die bei der OP-Planung Vorrang haben müssen.“ Als das Kind in die Klinik kam, sei es erstversorgt und kein Notfall gewesen.
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