Versetzung akut gefährdet

Keine guten Noten für Berlins Schulreform

Noch immer zu viele Risikoschüler und Abbrecher.

Martin Klesmann
Lesezeit 2 Min
Die Abschaffung der Hauptschule hat nicht viel gebracht.

Die Abschaffung der Hauptschule hat nicht viel gebracht.

© dpa

Zustände wie an der Rütli-Hauptschule sollten es nie wieder geben! Dort hatten die Lehrer große Angst vor den vielen respektlosen Schülern. Einige gingen nur noch mit dem Handy in eine Klasse, um im Notfall schnell Hilfe zu holen. Weil sie damals nicht mehr weiter wussten, schrieben die Lehrer schließlich einen „Brandbrief“. Darin waren die ganzen Missstände an der Rüpel-Schule aufgeführt. Das sorgte weltweit für Aufsehen.

Damals ein Problemfall: Die einstige Rütli-Hauptschule in Neukölln.

Damals ein Problemfall: Die einstige Rütli-Hauptschule in Neukölln.

© Sabeth Stickforth

Nicht zuletzt deshalb schaffte Berlin vor sieben Jahren die Hauptschule ab. Die neuen Sekundarschulen sollten das Berliner Schulsystem endlich besser machen. Haupt- und Realschulen und Gesamtschulen wurden zu Sekundarschulen. Viele fusionierten, einige Schulen wurden ganz geschlossen. Große Ziele verfolgte der Senat mit seiner Riesen-Schulreform. Die guten Schüler sollten die schlechten mitziehen.

Doch die Ergebnisse sind bisher„Ich bin doch ein bisschen enttäuscht“, sagte der bekannte Bildungsforscher Jürgen Baumert. Die Zusammensetzung der Schülerschaft sei oft gleich geblieben. Die Kritikpunkte der Studie: Die Zahl der Risikoschüler mit besonders schlechten Leistungen hat bisher kaum positiv verändert. Noch immer brechen sehr viele Schüler die Schule ohne Abschluss ab. An Sekundarschulen ohne eigene Oberstufe sind die Leistungen der Schüler sogar schlechter geworden.

Ganztagsangebote, Praktisches Lernen

In Deutsch oder Naturwissenschaften ganz besonders. Auch die Ganztagsangebote haben noch nicht die gewünschte Wirkung. Und noch immer bestimmt der familiäre Hintergrund darüber, wer welche Schule besucht.

Deshalb fordern die Bildungsforscher: Die Kurse für leistungsstärkere Sekundarschüler müssen gestärkt werden. Mehr Schulen sollen zusammen eine eigene Oberstufen anbieten. Die Ganztagsangebote und auch das Praktische Lernen müssen noch besser werden. Und wer das Probejahr am Gymnasium nicht besteht, soll nicht gleich an eine besonders unbeliebte Sekundarschule wechseln müssen. Viele Hausaufgaben also für Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD)!

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