Verlockendes Hellersdorf

Die Schönheit des Bezirks in Bildern

Ein Friseur ist genervt von Klischees und will den Blickwinkel auf die Gegend ändern.

BK
Lesezeit 3 Min
Diese Schwanenfamilie fotografierte Hilger auf dem Kaulsdorfer Baggersee.

Diese Schwanenfamilie fotografierte Hilger auf dem Kaulsdorfer Baggersee.

© Enrico Hilger

Auch ein einfacher Mittelstreifen auf der Straße kann ein gutes Fotomotiv sein – wenn der Fotograf den richtigen Blick hat. 

Auch ein einfacher Mittelstreifen auf der Straße kann ein gutes Fotomotiv sein – wenn der Fotograf den richtigen Blick hat. 

© Enrico Hilger

„Und aus mir ist was geworden, obwohl ich von hier komme“

„Enrico von Hellersdorf“ heißt seine Seite im sozialen Netzwerk Facebook, auf der Hilger regelmäßig Bilder aus seinem Bezirk veröffentlicht. Schon der Titel ist eine Hommage an seinen Kiez – denn auf den ist der Hobby-Fotograf stolz. Er wurde in Mitte geboren, zog 1989 mit seiner Mutter in den Bezirk – in einen Plattenbau, ganz klassisch. Als er sich später für den Friseur-Beruf entschied, zog er nach Zehlendorf, um in einem Salon seine Ausbildung zu absolvieren. Doch nach Jahren kehrte er zurück – „und heute wohne ich wieder im Plattenbau“, sagt Hilger.

Enrico Hilger hat die Kamera bei Spaziergängen immer dabei, sucht nach passenden Motiven.

Enrico Hilger hat die Kamera bei Spaziergängen immer dabei, sucht nach passenden Motiven.

© Volkmar Otto

Gerade während der Zeit in Zehlendorf wurde er immer wieder mit den Vorurteilen konfrontiert, die andere über seinen geliebten Kiez haben. „Viele hören immer nur von den Sozialbauten, von Armut und Arbeitslosigkeit und den Problemen, die es gibt“, sagt er. „Das verletzt mich, weil es einfach nicht so ist.“ Hellersdorf habe so viel mehr zu bieten: Hilger lobt das Grün, die Weitläufigkeit. „Und aus mir ist was geworden, obwohl ich von hier komme“, sagt er.

Das Projekt funktioniert

Um anderen Leuten zu zeigen, wie schön Hellersdorf ist, nutzt er sein Hobby – vor zehn Jahren entdeckte er die Fotografie für sich. „Ich legte damals mit meinem Papa zusammen, wir kauften uns eine Spiegelreflexkamera, als das gerade ein Trend wurde“, sagt er. Das Knipsen faszinierte ihn von Anfang an. „Man nimmt, wenn man nach Motiven sucht, viele Dinge völlig anders wahr. Ich liebe es, kleine Details festzuhalten, zu hoffen, dass das Bild wirklich etwas wird und es später an andere weiterzugeben – denn die meisten Leute gehen mit Scheuklappen durchs Leben, sehen viele schöne Details leider gar nicht mehr“, sagt er. 

Die Marzahner Bockwindmühle ist ein beliebtes Foto-Motiv – auch Enrico Hilger knipste sie. 

Die Marzahner Bockwindmühle ist ein beliebtes Foto-Motiv – auch Enrico Hilger knipste sie. 

© Enrico Hilger

Heute geht er oft spazieren, schießt Fotos, legt sich manchmal auch lange auf die Lauer, um das richtige Motiv zu erwischen – bei der Schwanen-Familie, die er auf dem ablichtete, dauerte es beispielsweise etwas, bis das richtige Motiv im Kasten war. Die fertigen Fotos veröffentlicht er auf seiner Facebook-Seite „Enrico von Hellersdorf“. Und: Es funktioniert. „Ich bekomme oft Feedback von Leuten, die sagen, dass sie den Bezirk so noch nie gesehen haben“, sagt er.

Mehr Bilder im Netz: www.facebook.com/enricovonhellersdorf

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