Wunderbare, verkehrte Boxwelt. Jack Culcay verlor seinen WBA-WM-Gürtel im Halbmittelgewicht an den Amerikaner Demetrius Andrade. Zwei Kampfrichter gaben 116:112 Punkte für den US-Boy, einer wertete 115:114 für Culcay. Normalerweise regiert da im Verliererlager Frust. Diesmal ist alles anders, alle sind glücklich. Selbst Trainer Ulli Wegner, der nun keinen Weltmeister im Stall hat.
„Mein Trainer ist zufrieden, meine Familie auch. Das ist, was zählt“, fasste Culcay ganz kurz zusammen. Von bösen Worten an die Ringrichter war Jack weit entfernt. „Ich muss damit leben“, sagte er und genoss das Lob von Trainer Wegner: „Mit welcher Moral er gekämpft hat! Den Jungen muss man einfach gern haben.“
„Ich will jetzt größere Kämpfe haben“
Ging der Gegenseite nicht anders. „Jack hat eine grandiose Leistung gezeigt. Das haben wir so nicht erwartet“, meinte der erstaunte Andrade-Vater und -Trainer Paul. Das hinderte seinen Sohn aber nicht, groß aufzusprechen. „Ich war nicht in Bestform. Mein Bestes heute hat aber gereicht“, erklärte der in 24 Kämpfen unbesiegte 29-Jährige. „Ich bin in einer anderen Liga. Ich will jetzt größere Kämpfe haben.“
Demetrius Andrade wird zum Sieger erklärt.
© dpa/Christoph Schmidt
Culcay will jetzt maximal zwei Wochen Pause einlegen. „Dann fange ich wieder mit dem Training an. Ich muss einfach weiter trainieren, damit ich wieder den Titel hole.“ Und ergänzte: „Morgen gehe ich laufen.“
Gute Angebote? Da sieht der Andrade-Clan keine Probleme. Promoter Art Pelullo: „Die Boxwelt nimmt nach dem Kampf endlich Notiz von Jack. Wenn er jetzt keine großen Kämpfe kriegt ...“ Hört Wegner gern. Er will schnell wieder einen Weltmeister haben.
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