Seit Januar stoppt der Poller in der Mitte der Straße den kompletten Durchgangsverkehr in der Altstadt. Die Stadtverordnetenversammlung hat das so entschieden, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Doch die Händler und ein Teil der Strausberger wehren sich gegen die Zufahrtssperre. Sie fürchten Umsatzeinbußen oder sind genervt vom Verkehrschaos in der Altstadt.
„Der Poller macht uns Händlern das Leben schwer“, sagt Jutta Philipp in der Fleischerei. „Überall feiern sie den Mauerfall und hier bauen sie neue Mauern auf“, ärgert sie sich. Zur Mittagszeit ist der Laden dennoch voll. Wer Klopse will, muss eben laufen oder außenrum fahren. Bis zum Pollerbau war die Große Straße eine beliebte Abkürzungsstrecke. Die Umfahrung der Altstadt dauerte wegen der vielen Ampeln vielen Kunden zu lange. Die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Großen Straße (20 km/h) wurde oft nicht eingehalten. „Aber deswegen kann man doch nicht gleich die ganze Straße dichtmachen“, sagt Jutta Philipp.
Gitta Leims Kunden sind vom Verkehrschaos der Stadt genervt.
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Auch Gitta Leim von schräg gegenüber hat im Schaufenster ihrer Boutique „Laufsteg“ gelbe Plakate aufgehängt. „Poller weg, sonst Kunden weg, dann wir weg“, steht da. Der „Laufsteg“ liegt am Nordende der Straße. Wer mit dem Auto von Süden kommt, dreht vor dem Poller um, ohne eine neue Bluse gekauft zu haben. „Einige Politiker träumen von einer Fußgängerzone in Strausberg, vergleichen uns mit Wernigerode“, sagt Gitta Leim.
Doch die Menge an Flaneuren und Touristen ist, zumindest jetzt im Februar, überschaubar. „Unsere Kunden sagen ganz bewusst, dass sie nun lieber woanders hinfahren, das Verkehrschaos in der Altstadt nervt sie.“
Und tatsächlich ist der Poller nirgendwo ausgeschildert. Im Minutentakt wenden Autos auf der Straße. Die Einzelhändler haben Angst, dass es ihnen geht wie Kollegen in Wriezen.
25 Kilometer nordöstlich liegt das mahnende Beispiel. „Wriezen ist tot“, ist in den Geschäften oft zu hören. Trotz oder gerade wegen der Fußgängerzone stünden dort 80 Prozent der Geschäfte leer. Für die Einzelhändler an der Großen Straße macht der Vorsitzende des Gewerbevereins, Optiker und Bürgermeisterkandidat Thomas Frenzel, schon jetzt Umsatzeinbußen von mindestens 10 bis 30 Prozent aus.
Goldschmied Dirk Schliebs hat ironische Frust-Flyer entworfen.
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Der Poller ist ein Kompromiss. Ausgearbeitet von einer Stadtverordnetenversammlung, die einen zeitweiligen Ausschuss einsetzte. „In einem ersten Schritt wurden Blumenkübel aufgestellt, um den Verkehr zu bremsen“, sagt Caroline Haitsch, die Sprecherin der Bürgermeisterin. Doch auf die nette Tour beruhigte man den Verkehr nicht. Eine Zählung ergab für das Südende der Straße, dass ohne Blumenhindernisse 4200 Pkw in 24 Stunden durchfuhren.
Mit Kübelschikane waren es noch 3700. Für das Nordende waren es vorher 3000 Pkw, nachher 3100. Das Ziel, den Verkehr um 75 Prozent zu reduzieren, wurde verfehlt. Nun soll es der Poller richten. „Für Anwohner ist das eine Verbesserung“, sagt Caroline Haitsch. Doch bei einer nichtrepräsentativen Befragung durch die Händler sprach sich eine Mehrheit gegen den Poller aus.
Auch der Vorsitzende des Ausschusses, Daniel Krebs, ist mit der Lösung nicht zufrieden. Noch vor der anstehenden Bürgermeisterwahl soll der Ausschuss noch einmal zusammenkommen. Dann könnte der Poller kassiert werden. Am 25. Februar wird in Strausberg ein neuer Bürgermeister gewählt. „Die Polemik kocht so kurz vor der Wahl noch mal richtig hoch“, sagt Goldschmied Dirk Schliebs. „Als hätten wir nicht genug andere Probleme.“
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