Verblüffende Zählung

Immer weniger Berliner strampeln sich ab. Oder?

Mehr Regen und mehr Baustellen als vor einem Jahr beeinträchtigen die Statistik.

Peter Neumann
Lesezeit 2 Min
Auf der Oberbaumbrücke wird wegen der Bauarbeiten weniger geradelt als vor einem Jahr.

Auf der Oberbaumbrücke wird wegen der Bauarbeiten weniger geradelt als vor einem Jahr.

© imago/Jochen Tack

In der Monumentenstraße in Schöneberg scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Dort löste die Zählstelle des Senats 2019 bislang mehr als 864.000 Mal aus – im Vergleich zum gleichen Vorjahres-Zeitraum ist das ein Plus von über neun Prozent. Das entspricht der bisherigen Berliner Entwicklung.

Die Ergebnisse weiterer Dauerzählstellen zeigen, dass 2019 auch auf anderen Straßen in Berlin mehr Radfahrer unterwegs waren als 2018, wie die Grafik zeigt. Ein Sonderfall ist die Frankfurter Allee, die mit einem Plus von 23 Prozent die Statistik anführt. Doch das geht auf einen besonderen Effekt zurück: Dort wurde von Juni bis Oktober 2018 gebaut, darum sind die Ausgangszahlen niedrig. Zwölf der 17 Zählstellen registrierten weniger Radfahrer als im selben Zeitraum des Vorjahres. Selbst am Paul-und-Paula-Ufer, das im Radfahrbezirk Friedrichshain-Kreuzberg an der Rummelsburger Bucht entlangführt, ging der Radverkehr um zehn Prozent zurück.

In der von der grünen Senatorin Regine Günther geleiteten Verkehrsverwaltung geht man „von saisonalen und witterungsbedingten Schwankungen der Verkehrsstärken“ aus. Die Abweichungen seien nicht ungewöhnlich. Der warme April und der kalte Mai hätten bei den Daten Spuren hinterlassen, meint Tilmann Heuser vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

Ferien und Regen beeinflussen Zählung

Ähnlich sieht es der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). „2019 gab es mehr Regentage, da lassen einige das Fahrrad auch mal stehen“, erklärte Sprecher Nikolas Linck. „Auch die Ferien könnten eine Rolle spielen, wenn die Stadt leerer und verkehrsärmer ist: Die lagen 2019 innerhalb des untersuchten Zeitraums, 2018 endeten sie später.“

Generell gelte, dass die Zählstellen den Radverkehr „nur punktuell erfassen“, so Linck. „Verlagerungen auf andere Routen bilden sie nicht ab.“ Das gelte offensichtlich auch für die drei Straßen, in denen die größten Rückgänge registriert wurden – Baustellen ließen die Radler andere Wege suchen.

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