Woran ist Fritz gestorben?
An akutem Multiorganversagen, das sich sehr rasch binnen 24 Stunden entwickelt hat. Vor allem die Leber des kleinen Eisbären war stark entzündet und vergrößert. Was diese Entzündung, auch Hepatitis genannt, ausgelöst hat, ist zurzeit noch unklar. Vermutet wird derzeit eine Virusinfektion der Leber. Grundsätzlich können außer Viren auch Bakterien, Giftstoffe sowie Autoimmunerkrankungen die Leber krankmachen. Forscher des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung untersuchen nun das Gewebe der Organe genauer, um die Ursache zu finden. Bis eine Diagnose feststeht kann es jedoch noch dauern, vielleicht sogar einige Wochen.
Was geschieht im Körper bei einer Leberentzündung?
Durch die Entzündung, mit der der Körper zum Beispiel ein eingedrungenes Virus abzuwehren versucht, werden Zellen der Leber geschädigt und können ihre normale Funktion nicht mehr erfüllen. Die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan und zum Beispiel bei der Versorgung des Körpers mit Kohlenhydraten und Eiweiß wichtig. Entsprechend lebensbedrohlich wird es, wenn sie versagt.
Wie kann sich Fritz infiziert haben?
Darüber lässt sich nur spekulieren. Falls es ein Virus war, könnte der Krankheitserreger durch Menschen eingeschleppt worden sein, aber auch durch Tiere. Mäuse zum Beispiel können über ihren Urin Viren oder Bakterien übertragen, ohne selbst zu erkranken. Auch Hunde kommen als Überträger infrage.
Hätte man früher eingreifen müssen?
Bereits am Sonntagmorgen war Fritz nach Angaben des Tierparks deutlich ruhiger als sonst. Der Tierarzt verabreichte ihm daraufhin vorsorglich ein Antibiotikum und ein Mittel gegen Parasiten. Am Sonntagabend hatte sich sein Zustand zwischenzeitlich wieder verbessert, sodass erst am Montag wieder Anlass zum Handeln bestand. „Grundsätzlich ist es richtig, Jungtiere und ihre Mutter so viel wie möglich in Ruhe zu lassen“, bestätigt Heike Kück, Direktorin des Zoo am Meer in Bremerhaven, dem vor zwei und vor vier Jahren die Aufzucht von jungen Eisbären geglückt ist. Bei Wildtieren sei es ohnehin schwierig, Krankheiten früh zu erkennen. „Das hat mit dem Überlebensinstinkt in der Natur zu tun. Die Tiere zeigen erst sehr spät, dass sie krank sind, um ihre Feinde nicht auf den Plan zu rufen“, sagt die Biologin Kück.
Sind Zootiere anfälliger für Krankheiten?
Eigentlich sind sie sogar gesünder. „Das sieht man schon daran, dass Zootiere viel älter werden als ihre Artgenossen in der Wildbahn“, sagt die Bremerhavener Zoo-Direktorin Kück. Schließlich müssen Zootiere nicht um Futter oder Paarungspartner kämpfen. Sie werden ständig medizinisch überwacht, optimal gefüttert und erhalten Schutzimpfungen. Auch Jungtiere haben demzufolge gute Startbedingungen. „Es ist nun mal so, dass Jungtiere sterben können. Das will man nur nicht wahrhaben. Vor allem, wenn es um eine süßes Eisbärjunges geht“, sagt Heike Kück.
Spielt der eingeschränkte Genpool eine Rolle für die Gesundheit der Tiere?
Gerade bei Eisbären ist die Zucht in Zoos gut geregelt – und zwar im Rahmen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Eisbären. Koordiniert wird es vom Amsterdamer Zoo. Die Experten helfen bei Entscheidungen darüber, welche Eisbären verpaart werden sollen. Auf diese Weise wird Inzucht vermieden. Die Eltern des kleinen Fritz, Tonja und Wolodja, stammen zwar beide aus dem Zoo in Moskau, kommen aber aus unterschiedlichen Zuchtgruppen.
Macht Eisbären das mitteleuropäische Klima zu schaffen?
„Auch bei Hitze im Sommer fühlen sich Eisbären wohl“, versichert Heike Kück vom Zoo am Meer in Bremerhaven. „Unsere Eisbären legen sich sogar gerne mal direkt in die Sonne.“
Warum ist es so schwierig, Eisbären zu züchten?
Die Jungtiersterblichkeit bei dieser Tierart ist sehr hoch und liegt bei 50 Prozent. Besonders kritisch sind die ersten zehn Tage. Die hatte Fritz schon lange überstanden, er war ja bereits vier Monate alt. Dennoch sterben auch in diesem Alter noch viele Jungtiere. Einer US-amerikanischen Untersuchung zufolge starben von knapp 600 in Zoos geborenen Eisbären 30 Prozent im ersten Lebensmonat und 13 Prozent bis zum vierten Lebensjahr. Darüber hinaus wurde 26 Prozent Totgeburten ermitteln. Insgesamt wurde also nicht mal ein Drittel der Jungtiere älter als vier Jahre und damit auch geschlechtsreif. Eine wichtige Rolle fürs Überleben spielt dabei offenbar die Erfahrung des Muttertieres. Nachwuchs von Eisbärinnen, die früher schon mal geworfen hatten, hatte größere Überlebenschancen. Tonja, die Mutter von Fritz, war Erstgebärende.
Sein kurzes Leben in Bildern
Fritz wurde nur 4 Monate alt.
© Tierpark Berlin
Der kleine Fritz hat's leider nicht geschafft. Er starb am 7. März 2017
© Tierpark Berlin
Hallo, ich bin Fritz!
© dpa
Fritz raufte nur allzu gerne mit seiner Mutter Tonja.
© dpa
Eisbärchen Fritz geht es nicht gut.
© Tierpark Berlin
Fritz und Mama Tonja.
© Tierpark Berlin
Süß und frech: Fritz steckt die Zunge heraus.
© Tierpark Berlin
Das Eisbärchen begeistert mit Bildern wie diesem, als er Mama Tonja ihr Steak wegschnappt.
© Tierpark Berlin
Doch nach einer Untersuchung Anfang März stellten die Tierärzte eine schwere Leberentzündung bei dem Tier fest. Fritz starb am 6. März 2017.
© dpa
Woran ist Fritz gestorben?
An akutem Multiorganversagen, das sich sehr rasch binnen 24 Stunden entwickelt hat. Vor allem die Leber des kleinen Eisbären war stark entzündet und vergrößert. Was diese Entzündung, auch Hepatitis genannt, ausgelöst hat, ist zurzeit noch unklar. Vermutet wird derzeit eine Virusinfektion der Leber. Grundsätzlich können außer Viren auch Bakterien, Giftstoffe sowie Autoimmunerkrankungen die Leber krankmachen. Forscher des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung untersuchen nun das Gewebe der Organe genauer, um die Ursache zu finden. Bis eine Diagnose feststeht kann es jedoch noch dauern, vielleicht sogar einige Wochen.
Was geschieht im Körper bei einer Leberentzündung?
Durch die Entzündung, mit der der Körper zum Beispiel ein eingedrungenes Virus abzuwehren versucht, werden Zellen der Leber geschädigt und können ihre normale Funktion nicht mehr erfüllen. Die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan und zum Beispiel bei der Versorgung des Körpers mit Kohlenhydraten und Eiweiß wichtig. Entsprechend lebensbedrohlich wird es, wenn sie versagt.
Wie kann sich Fritz infiziert haben?
Darüber lässt sich nur spekulieren. Falls es ein Virus war, könnte der Krankheitserreger durch Menschen eingeschleppt worden sein, aber auch durch Tiere. Mäuse zum Beispiel können über ihren Urin Viren oder Bakterien übertragen, ohne selbst zu erkranken. Auch Hunde kommen als Überträger infrage.
Hätte man früher eingreifen müssen?
Bereits am Sonntagmorgen war Fritz nach Angaben des Tierparks deutlich ruhiger als sonst. Der Tierarzt verabreichte ihm daraufhin vorsorglich ein Antibiotikum und ein Mittel gegen Parasiten. Am Sonntagabend hatte sich sein Zustand zwischenzeitlich wieder verbessert, sodass erst am Montag wieder Anlass zum Handeln bestand. „Grundsätzlich ist es richtig, Jungtiere und ihre Mutter so viel wie möglich in Ruhe zu lassen“, bestätigt Heike Kück, Direktorin des Zoo am Meer in Bremerhaven, dem vor zwei und vor vier Jahren die Aufzucht von jungen Eisbären geglückt ist. Bei Wildtieren sei es ohnehin schwierig, Krankheiten früh zu erkennen. „Das hat mit dem Überlebensinstinkt in der Natur zu tun. Die Tiere zeigen erst sehr spät, dass sie krank sind, um ihre Feinde nicht auf den Plan zu rufen“, sagt die Biologin Kück.
Sind Zootiere anfälliger für Krankheiten?
Eigentlich sind sie sogar gesünder. „Das sieht man schon daran, dass Zootiere viel älter werden als ihre Artgenossen in der Wildbahn“, sagt die Bremerhavener Zoo-Direktorin Kück. Schließlich müssen Zootiere nicht um Futter oder Paarungspartner kämpfen. Sie werden ständig medizinisch überwacht, optimal gefüttert und erhalten Schutzimpfungen. Auch Jungtiere haben demzufolge gute Startbedingungen. „Es ist nun mal so, dass Jungtiere sterben können. Das will man nur nicht wahrhaben. Vor allem, wenn es um eine süßes Eisbärjunges geht“, sagt Heike Kück.
Spielt der eingeschränkte Genpool eine Rolle für die Gesundheit der Tiere?
Gerade bei Eisbären ist die Zucht in Zoos gut geregelt – und zwar im Rahmen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Eisbären. Koordiniert wird es vom Amsterdamer Zoo. Die Experten helfen bei Entscheidungen darüber, welche Eisbären verpaart werden sollen. Auf diese Weise wird Inzucht vermieden. Die Eltern des kleinen Fritz, Tonja und Wolodja, stammen zwar beide aus dem Zoo in Moskau, kommen aber aus unterschiedlichen Zuchtgruppen.
Macht Eisbären das mitteleuropäische Klima zu schaffen?
„Auch bei Hitze im Sommer fühlen sich Eisbären wohl“, versichert Heike Kück vom Zoo am Meer in Bremerhaven. „Unsere Eisbären legen sich sogar gerne mal direkt in die Sonne.“
Warum ist es so schwierig, Eisbären zu züchten?
Die Jungtiersterblichkeit bei dieser Tierart ist sehr hoch und liegt bei 50 Prozent. Besonders kritisch sind die ersten zehn Tage. Die hatte Fritz schon lange überstanden, er war ja bereits vier Monate alt. Dennoch sterben auch in diesem Alter noch viele Jungtiere. Einer US-amerikanischen Untersuchung zufolge starben von knapp 600 in Zoos geborenen Eisbären 30 Prozent im ersten Lebensmonat und 13 Prozent bis zum vierten Lebensjahr. Darüber hinaus wurde 26 Prozent Totgeburten ermitteln. Insgesamt wurde also nicht mal ein Drittel der Jungtiere älter als vier Jahre und damit auch geschlechtsreif. Eine wichtige Rolle fürs Überleben spielt dabei offenbar die Erfahrung des Muttertieres. Nachwuchs von Eisbärinnen, die früher schon mal geworfen hatten, hatte größere Überlebenschancen. Tonja, die Mutter von Fritz, war Erstgebärende.
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