21 Uhr. Schichtbeginn. Nach einer Besprechung verlassen zwei Autos den Polizeiabschnitt 51 in der Wedekindstraße. Darin: Daniel (36), René (36), Jana (33), Enrico (42). Sie erwarten einen ruhigen Abend, sagt Daniel. Sturm und Regen dürften Berlins Partyvolk in den Häusern halten.
21.40 Uhr. Streifenfahrt. Der Schwerpunkt liegt auf den Partymeilen, Clubs und Bars. „Wir haben hier viele Touristen“, sagt Daniel. „Die kennen sich nicht aus, werden schnell zu Opfern.“ Mit Leuten, die unter Alkohol über die Stränge schlagen, eine explosive Mischung. Nicht umsonst ist der Bezirk ein Spitzenreiter der Statistik – 52647 Straftaten gab es 2013 in ganz Friedrichshain-Kreuzberg.
22.36 Uhr. Die Zentrale meldet eine Ruhestörung in der Petersburger Straße. Eine verzweifelte Nachbarin beschwert sich. Klopfen an der Wohnungstür. Erst mit der Faust, dann mit dem Schlagstock. Die Geräusche verstummen, aber niemand öffnet. „Sollten wir wiederkommen müssen, werden wir die Tür gewaltsam öffnen“, ruft Enrico.
Solche Einsätze sind Routine. Daniel: „Hier gibt’s viele WGs. Die Leute finden immer Gründe zum Feiern. Auch der toleranteste Nachbar hat mal die Nase voll.“ Und sonst? Körperverletzung, Raub, Unfälle, Drogendelikte. „Wir haben hier alles.“ Das Funkgerät steht nicht still: Streifen werden zu einem Brand gerufen, zu Sprayern und einem Auto mit kaputten Scheiben.
23.30 Uhr. In der Landsberger Allee hat ein Passant gemeldet, dass ein Weihnachtsbaum auf der Straße liegt. Daniel beseitigt ihn mit einem Lächeln. Skurrile Einsätze gibt es immer wieder. Einmal rief ein Mann die Polizei wegen häuslicher Gewalt – doch was er in der Nachbarwohnung hörte, war Sex.
23.44 Uhr. Randale vor einer Pizzeria in der Frankfurter Allee. Schnell! Mit Blaulicht und Sirene geht es zum Lokal. Ein Betrunkener sitzt auf der Straße. Zivilkräfte haben ihn dingfest gemacht. Ausweis? Zu Hause vergessen. „Er hat einen Elektroschocker dabei, als Taschenlampe getarnt“, sagt René. „Den müssen wir wegnehmen.“ Der Mann schimpft. „Möchte wissen, wer dich bezahlt, du Wichser!“ Ein Passant kommt. „Verstehe nicht, was die Menschen so aggressiv macht.“ Alltag für die Polizei. Daniel: „Man will helfen, wird übel beschimpft. Da spielt Alkohol eine Rolle.“ Auch Verletzungen gibt es: mal gebrochene Finger, mal Abschürfungen, Angriffe mit Steinen und Flaschen. „Damit muss man umgehen können.“
00.19 Uhr. Pause. Kaffee und Stulle. Auch das muss sein.
00.50 Uhr. Zwischendurch eine Party-Gesellschaft in der Mainzer Straße beruhigt – einzige Antwort des betrunkenen Mieters: „Der Lärm kommt aus dem Mädchenzimmer.“ Jetzt wieder RAW-Gelände, Drogenkontrolle. Das größte Problem im Party-Kiez. Die Dealer stehen überall. Als der Streifenwagen hält, beginnt das Rennen. „Wir versuchen, auf Streife unser Möglichstes zu tun, aber die haben ihre Warnsysteme.“ Was bleibt, ist die Suche nach versteckten Tütchen.
01.02 Uhr. Gefunden. Heute sind es zwei Röhrchen mit weißem Pulver. „Vielleicht Kokain oder Speed“, sagt Jana. Ein kleiner Erfolg im Drogen-Kampf. Vier Stunden sind inzwischen vergangen, manche Berliner erwachen erst jetzt. Schichtende? Noch lange nicht. Der Streifenwagen fährt davon – als er um die Hausecke biegt, geht plötzlich das Blaulicht an.
Die Nacht ist noch jung.
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