Der Aufwand hat sich also gelohnt: die zehnstündige Anreise aus Deutschland, die Fahrt von Malé, der am Montag in den Ausnahmezustand versetzten Hauptstadt der Malediven, mit viel warmen Regen und der dreißigminütige Ritt mit dem Speedtaxi durch den aufgewühlten Indischen Ozean nach Hudhuran Fushi, einer der größten Inseln des Landes. Die Wolken haben sich verzogen, der Wind hat sich gelegt.
Pfahlbauten erfreuen sich bei Touristen immer größerer Beliebtheit.
© Wolfgang Stürzbecher
Kokospalmen, Papayas, Bananenstauden und Brotfruchtbäume beschatten die 800 Meter lange und 400 Meter breite Insel.
Schon vom Strand aus zeigt sich, dass das Wasser Lebensraum vieler farbenfroher Meeresbewohner ist, die dem Menschen gegenüber kaum Scheu zeigen: Picasso-, Falter- und Halfterfisch, Feuerfisch, Barsch ... Die Inselwelt der Malediven scheint in bester Ordnung.
Malediven sind ein islamischer Staat
Der paradiesische Sehnsuchtsort der Deutschen liegt südwestlich von Indien und Sri Lanka; er streckt sich 900 Kilometer in Nord-Süd Richtung und besteht aus 1196 Inseln, von denen 223 bewohnt und 87 touristisch genutzt werden.
Die Malediven sind ein islamischer Staat. Die öffentliche Ausübung jeder anderen Religion unterliegt strafrechtlicher Verfolgung. Das Paradies hat, prozentual zu seiner Einwohnerzahl, die höchste Rate an Anhängern der Terrororganisation Islamischer Staat. Urlauber merken davon auf den meisten Inseln nichts.
In diesen Tagen hat die Generation Ü 50 die Mehrheit auf Hudhuran Fushi. Die Insel verfügt über 200 Strandbungalows und Oceanvillen für 500 Touristen. Es ist eine sehr friedliche Stimmung: keine Animation, kein Lärm, keine Alkoholexzesse. Über die Inseln verteilt bilden im Jahresdurchschnitt Chinesen den größten Besucheranteil, gefolgt von Deutschen.
Hohe Arbeitslosigkeit unter den Einheimischen
Am ersten Morgen treffe ich auf eine Spezies Deutsche, die ich hier nicht vermutet hätte. Viele haben sich den Wecker gestellt, um Strandliegen mit Badetüchern zu belegen und dann wieder ins Bett zu gehen; viele kommen im Laufe des Tages nicht zurück.
In der morgendliche Schwüle beginnen die zahlreichen Angestellten ihre Arbeit. Viele stammen aus Indien und Sri Lanka; sie arbeiten für wenig Geld, so dass unter Einheimischen trotz des Tourismusbooms eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht.
Auf einer der zahlreichen Palmen ist der Indische Koel zu entdecken, ein nächtlich lärmender Verwandter des Kuckucks, der sich ausschließlich von Früchten ernährt. Ein ständiger Begleiter ist die Blutsaugereidechse, die ihrem Namen nicht gerecht wird, dafür aber ihre Farben, wie ein Chamäleon wechseln kann.
Der schöne Schein trügt
Am Morgen sind auch die sonst eher nachtaktiven Flughunde zu bestaunen. Die auch Flying Foxes genannten Tiere – sie stellen die größte Fledermausart der Welt – haben es auf Früchte und Blüten sowie deren Pollen abgesehen; sie können auch über dem Meer lange Strecken zu Futterplätzen zurücklegen.
Die Inselwelt der Malediven ist entgegen dem schönen Schein nicht in bester Ordnung. Die Inseln liegen nur rund einen Meter über dem Wasserspiegel, und der steigt durch den Klimawandel.
Die Regierung bemüht sich, indisches und australisches Land zum Ausweichen zu kaufen und künstliche Inseln zu schaffen. Der Klimawandel führt auch dazu, dass immer mehr Korallen ab- und Fischarten aussterben. Auch die hier lebende Echte Karettschildkröte ist bedroht.
Faszinierende Flora und Fauna
Am Frühstücksbuffet spielt das alles keine Rolle. Auch später am Strand nicht, wobei ich mich bis zum Ende der Reise frage, wo die vielen Menschen sind, denen man dreimal am Tag im Restaurant begegnet. Selbst im Wasser sind selten mehr als zehn Urlauber. Viele Strandliegen sind zwar handtuchbelegt, bleiben aber ungenutzt.
Tierische Inselbewohner
Die Riesenmuschel lebt nur zwei Meter vom Ufer entfernt – und spuckt Wasser, wenn man versucht, sie aus dem Meer zu nehmen.
© Wolfgang Stürzbecher
Einsiedlerkrebse in allen Größen wandern am Strand und auf Wegen.
© Wolfgang Stürzbecher
Der Kuckuck genießt neben anderen Zugvögeln die Vorzüge der Sonneninsel.
© Wolfgang Stürzbecher
Die eher dämmerungs- und nachtaktiven Flughunde sind auf Hudhuran Fushi auch am Tag aktiv.
© Wolfgang Stürzbecher
Der Panzer der Wasserschildkröte ist wertvoll. Der Verzehr des Fleischs der Echten Karettschildkröte kann, wenn sie zuvor giftige Meerestiere gefressen hat, bei Menschen zum Tode führen.
© Wolfgang Stürzbecher
Im Wasser hingegen begegnet man bereits beim Schnorcheln zahlreichen Meeresbewohnern. Für mich gehören Feuerfische und Muränen zu den Stars des Atolls. Wenn sie nicht angefüttert werden oder man sie nicht ärgert, hat man nichts zu befürchten. Gleiches gilt für das abendliche Hailight am Hafen, den acht Riffhaien, die auf einen Meter zu beobachten sind.
Eine etwa 60 Zentimeter große und 15 Kilogramm schwere Mördermuscheln weiß auch zu faszinieren. Ihren Namen trägt die scharfkantige Muschel zu Unrecht, doch möchte man nicht mit einem Fuß oder einer Hand in sie geraten, wenn sie sich schließt.
Im Schatten der sternenklaren Nacht bilden sich wenige Stunden vor meiner Abreise zwei Silhouetten ab. Im Schweiße ihres Angesichts schleppen ein Mann, er ist Anwalt, und seine Frau zwei Liegen vom Strand auf die Terrasse ihres Strandhauses. Offenbar vertrauen sie den Handtüchern nicht.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com