Genauso ist es mit 20 Punkten nach 16 Spieltagen in der Fußball-Bundesliga. Für die einen wäre das wie mit den drei Haaren auf dem Kopf, nicht zum Aushalten, eher zum Rausreißen und Grund dafür, den Trainer zu feuern. Für andere jedoch ist das – vom Geschmack einmal abgesehen – wie mit den drei Haaren in der Suppe, eine durchaus satte Portion.
Zu den Letzteren, denke ich, sollte sich auch der 1. FC Union zugehörig fühlen.
Dabei, ja, es soll sie durchaus geben, diese Pferde, die vor der Apotheke das sprichwörtliche Kotzen bekommen haben. Auf die Bundesliga gemünzt heißt es, dass Mannschaften, obwohl lange alles im tiefgrünen Bereich liegt, bei der Abrechnung dann tatsächlich mehr als nur einen Kopfstand machen oder ganz und gar einen Bauchklatscher hinlegen.
Es hat Teams gegeben, die sind nach den ersten 90 Minuten als Tabellenführer in die weitere Saison gegangen, um 33 Spieltage später abzusteigen. Der Karlsruher SC hat es vor 22 Spielzeiten so erlebt und Borussia Mönchengladbach hat es vor 21 Jahren derart erwischt.
Viel böser noch hat es der 1. FC Nürnberg in Erinnerung, weil die Franken 1994 drei Runden vor Schluss ein Polster von vier Punkten, und es gab pro Sieg damals nur zwei, auf den Abstiegsplatz hatten und es sie trotzdem noch hinausgekegelt hat. Aber der Club ist nun mal ein Depp, wie sie am Valznerweiher selbst sagen.
Vierte Heimpleite kein Malheur
Spitzenreiter? Absteiger? Das hat doch nichts mit dem 1. FC Union zu tun, oder? Naja, nach dem 0:2 gegen die TSG Hoffenheim, nach dem Ende der stolzen und nie erwarteten Serie von vier Zu-Null-Heimsiegen in Folge und vor dem Abschlussspiel der ersten eisernen Bundesliga-Hinrunde am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf ist so etwas wie leichte Ernüchterung eingezogen in der Alten Försterei, auch weil ein Totgesagter wie der 1. FC Köln plötzlich wieder lebt. Da kratzt so eine Niederlage, man kennt es inzwischen ja anders, schon mal ein klein wenig das rot-weiße Weltbild.
Darauf hätte jeder verzichten können.
© Matthias Koch
Dabei ist, außer dass die Eisernen ein Heimspiel verloren haben, allerdings das vierte schon, kein sonderliches Malheur geschehen. Es geht nur, in Zahlen steht dafür ein Punkt aus den beiden jüngsten Spielen, nicht mehr so steil nach oben wie zuletzt. Das ist, ganz menschlich, so etwas wie der Fluch der guten Tat. Zu schnell mag man sich an Dinge gewöhnen, die kürzlich noch außerhalb jeglicher Reichweite lagen und die nur im Traum existierten, nun aber zum Greifen nahe sind. Wie der sechste Heimsieg eben, den es dann doch nicht gegeben hat.
Was wäre denn anders gewesen, hätte es die Niederlage gegen Mönchengladbach gegeben, dafür gegen Hoffenheim den Sieg? Nichts. 20 Punkte sind 20 Punkte. Na gut, der Trend würde nach oben zeigen, aber der ist schnelllebig und kehrt sich womöglich übermorgen schon um. Andererseits schärft das die Sinne.
Kämpfende Arbeiterklasse
All das ist, wie immer eigentlich, eine Sache des Blickwinkels und der Begehrlichkeiten. Dass es keinen schönen Fußball geben wird in der Alten Försterei mit Zunge schnalzen und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, das wissen sie von der ersten Minute an. Das erwarten sie in Köpenick auch nicht, das ist nicht ihr Ding und das war es noch nie. Sie erwarten Maloche, Draufgängertum und erst recht Kämpferherz. Oder wie sie sich selbst verstehen: Arbeiterklasse. So etwas bekommen sie reichlich.
Natürlich hat es bessere Aufsteiger gegeben zu diesem Saisonzeitpunkt als den 1. FC Union, schlechtere aber ebenso, zumal deren Zahl höher ist als die der besseren. Also: 20 Punkte und ein ziemlich dickes Polster auf die Abstiegsränge sind es durchaus wert, als schnuckeliges Weihnachtspräsent durchzugehen, wobei Luft nach oben immer besteht.
Andere, vor allem auch Bundesliga-Inventar Werder Bremen, wären froh, auch nur annähernd so dazustehen. Deshalb, um bei meiner Relativitätstheorie zu bleiben und die auf den 1. FC Union zu stülpen: Für mich sind 20 Punkte wie drei Haare in der Suppe, nämlich viel.
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