Berlin Am Tag nach der als Befreiungsschlag gedachten Rede von Karl-Theodor zu Guttenberg streiten Koalition und Opposition: Kann der in der "Schummelaffäre" unter Druck geratene Minister trotz seines Verzichts auf den Doktor im Amt bleiben?Er gab sich kämpferisch, ein wenig demütig, vor allem aber uneinsichtig. Und für seine Kritiker stand fest, dass Guttenbergs Rede am Montagabend vor Parteifreunden im hessischen Kelkheim nur etwas fehlte: die Aufrichtigkeit. Der in der Schummelaffäre um seine abgekupferte Doktorarbeit unter Druck geratene CSU-Hoffnungsträger beließ es wieder einmal bei Minimalzugeständnissen ("gravierende Fehler"), bei Verniedlichungen ("ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich da geschrieben habe") und einem Verzicht, zu dem er gar nicht berechtigt ist: Er habe "festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde (...) Die Entscheidung schmerzt".Doch schnell musste Guttenberg erfahren, dass die Hoffnung, mit dem endgültigen Verzicht auf den Titel auch das Problem los zu sein, trog. Denn es gibt gar kein "Rückgaberecht" für akademische Titel. Darüber darf einzig und allein die Universität befinden, die ihn verliehen hat. Und die Uni Bayreuth untersucht die Vorwürfe weiter mit dem gebotenen Nachdruck. Uni-Präsident Rüdiger Bormann erklärte gestern, Guttenbergs Verzicht erleichtere zwar das Urteil über ein mögliches Fehlverhalten. Das entbinde die Hochschule aber nicht vom vorgeschriebenen Prüfungsverfahren.Selbst in Guttenbergs politischer Heimat regt sich Unmut. Zwar skandierte die Union Durchhalteparolen: "Geschlossen, einmütig und wie ein Mann" stehe man hinter Guttenberg, so CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Doch hinter der Fassade brodelt es. Etwas verklausuliert äußerte sich Wolfgang Bosbach (CDU) vor der Fraktionssitzung zum KURIER: "Der Umgang mit den Vorwürfen ist ja oft das größere Problem als die Vorwürfe selbst." Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) deutlicher: Die Presseerklärung vom Freitag "war jedenfalls kein überzeugender Beitrag zur Problembewältigung". Zur Erinnerung: Nachdem er die Vorwürfe "abstrus" genannt hatte, äußerte Guttenberg am Freitag: "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat." Krista Sager (Grüne) ist bedient: "Erst wurde gelogen, dann die Aufdecker der Lügen beschimpft und jetzt werden die unlauteren Methoden von Guttenberg bei der Erstellung seiner Doktorarbeit verniedlicht." SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier: "Zu Guttenberg wird nicht zu halten sein. Und am Ende wird ihn die Kanzlerin nicht halten können."Heute soll Guttenberg in einer Fragestunde auf Antrag der Grünen Rede und Antwort stehen. Doch der Minister kneift - und schickt seinen Staatssekretär vor.------------------------------
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