In unserer Serie stellen wir jeden Tag einen Verein vor. Heute:
Teil 3: Bremen, SV Werder Bremen
Nach einer kurzen Nacht in Fischerhude brechen wir um 7.30 Uhr auf. Nächster Halt: Weserstadion. Es ist frisch hier im hohen Norden, der Wind weht und eine graue Wolkendecke liegt über der Hansestadt. Wir erreichen die Spielstätte, die genau zwischen Osterdeich und Weser liegt, und erspähen schon von Weitem die Flutlichter.
Ground Nummer 3: Reporter Patrick Berger mit dem Wohnmobil am Osterdeich vor dem Weserstadion.
© Tobias Reetz
Die Bremer Arena zählt zu den am schönsten gelegenen der Bundesliga. „Wo die Weser einen großen Bogen macht, wo das Weserstadion strahlt in neuer Pracht, wo man trägt die allerschönsten Spiele aus, da ist Werder Bremen, da sind wir zu Haus“, heißt es in der grün-weißen Vereinshymne.
Das Weserstadion ist die einzige Spielstätte in der Bundesliga mit Flutlichtern.
© Patrick Berger
Es hat etwas Nostalgisches, etwas Mystisches und Romantisches, wenn die 61 Meter großen Flutlichtmasten auf die östliche Bremer Vorstadt und den Stadtteil Peterswerder hinabblicken. Seit 41 Jahren tun sie es schon. Bremen hat übrigens das zurzeit einzige Stadion im Oberhaus mit Leuchttürmen. Eigentlich sollten sie auch hier mit dem modernen Umbau verschwinden. Doch die Fans in der Ostkurve protestierten – mit Erfolg.
Maxi Eggestein hat in seiner Profikarriere noch nie gegen Union Berlin gespielt und freut sich deshalb ganz besonders
© Tobias Reetz
Einer, der schon etliche Male im Weserstadion saß und dem SVW die Daumen gedrückt hat, ist Farshad Morilotfi. Den 45-Jährigen kennen sie in Bremen nur unter dem Namen „Werder-Friseur“. Der Iraner ist der Mann, dem die Fußballer vertrauen. Ob die aktuellen Werderaner Davy Klaassen, Felix Möhwald, Milot Rashica, Ex-Nationalkeeper Tim Wiese oder der frühere Bremer Davie Selke (jetzt Hertha BSC) – sie alle lassen „Lotfi“ an ihre Haare ran.
Mist! Eggestein schnappt uns den Parkplatz weg
Um 8.57 Uhr fahren wir bei Morilotfi in der Bahnhofstraße vor, erspähen einen riesigen Parkplatz direkt vor dem Laden. Wie gemalt für unser Gefährt. Doch vor unseren Augen schnappt ihn ein junger Bursche in einem schwarzen Geländewagen weg. Verdammt! Es ist Maximilian Eggestein, der um 9 Uhr einen Termin hat. Im blauen Basketball-Trainingsanzug der Golden State Warriors steigt der Bundesligaprofi aus, ist noch etwas geschlaucht. Die U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino steckt dem Mittelfeldspieler noch in den Knochen. Keine 48 Stunden zuvor stand der 30-Millionen-Mann noch mit der deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaft im Endspiel in Udine gegen Spanien, das mit 1:2 verloren ging. Darauf angesprochen sagt der 22-Jährige: „Es ist schade. Wir waren in der zweiten Halbzeit besser und haben Druck nach vorne gemacht - leider kam das etwas zu spät.“ Stolz ist Eggestein dennoch auf die Leistung seiner Mannschaft bei diesem Turnier.
Hier lässt sich Eggestein frisieren
Bei Lotfis ist alles grün-weiß.
© Patrick Berger
Maxi Eggestein bei Starfriseur Farshad Morlotfi
© Tobias Reetz
Bei Lotfis hängen etliche Trikots und Fußballschuhe an der Decke.
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Eggestein im Gespräch mit Reporter Patrick Berger (r.)
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Bei Lotfis Werder-Starfriseur läuft, wie soll es anders sein, Sport. Im Hintergrund der 24-h-Sender Sky Sport News HD.
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Eggestein geht seit Jahren schon zum Werder-Friseur in der Bahnhofstraße.
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Eggestein hat einen Marktwert von 35 Millionen Euro.
© Tobias Reetz
Signierte Schuhe und Trikots hängen an der Decke
An „Lotfis“ Decke hängen Fußballschuhe und signierte Trikots von prominenten Kunden. Auch das von Eggestein. Der gebürtige Hannoveraner kam als 14-Jähriger nach Bremen, lebte lange Zeit im Werder-Internat. Zuletzt wurde er von vielen europäischen Top-Klubs umworben, entschied sich aber für eine Vertragsverlängerung bei den Grün-Weißen.
Für 22 Euro gibt es hier beim Werder-Friseur, der zwischen Spielotheken, Wettbüros, Blumenläden und Cafés liegt, sogar den Eggestein-Schnitt. Mit dem Konterfei des U21-Stars wirbt Morilotfi auf Plakaten. Was denn der Eggestein-Schnitt ist, wollen wir wissen. „Den gibt es, glaub ich, gar nicht – oder Lotfi?!“, sagt Maxi grinsend. „Doch, doch“, erwidert Morilotfi und erklärt: „Seiten etwas kürzer, oben länger.“
Während sich Eggesteins Teamkollegen bereits auf die neue Saison vorbereiten, hat er noch Sonderurlaub. Mit seinen Kumpels wird Maxi deshalb nach Mallorca reisen, um Kraft für die neue Saison zu tanken.
Das ist Werder Bremen
Gründungsjahr: 4. Februar 1899
Mitgliederzahl: 36.500 (1. Januar 2018)
Rekordspieler (Einsätze/Tore): Dieter Burdenski (Einsätze: 616), Claudio Pizarro (Tore: 151)
Stadion + Kapazität: Weserstadion (42.100)
Warum wir als Berliner eigentlich ausgerechnet hier sind, will er wissen. Wir erzählen ihm von unserer Wohnmobil-Tour. „Union? Cool, ich freue mich richtig auf die Spiele dort. Ich habe schon von vielen gehört, dass die Atmosphäre einzigartig sein soll.“ Gegen die Eisernen hat Eggestein bislang nur in der Jugend gespielt, „allerdings nie im Stadion an der Alten Försterei. Deshalb freue ich mich richtig. Das wird bestimmt gut. Ich habe die beiden Spiele gegen Stuttgart in der Relegation verfolgt. Wahnsinn, was da abging auf den Rängen. Die Mentalität der Fans überträgt sich bei Union auch auf die Spieler. Es wird sicher nicht einfach, dort zu bestehen.“
Nach 30 Minuten ist unser Besuch beim Werder-Friseur schon wieder zu Ende. Wir müssen weiter nach Ostwestfalen. Paderborn calling. 221 Kilometer sind es in die Stadt des Bundesliga-Aufsteigers. Geplante Ankunft 12.20 Uhr. Dort erwartet uns Trainer Steffen Baumgart.
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