Teil 10: Union-Roadtrip

Köln-Star Terodde: „Tusches Trikot kommt in meinen Keller“

Der Top-Stürmer über Karrierepläne, die 1. Liga und Duelle gegen Union

Berger Patrick RICHTIG
Lesezeit 8 Min
Torjäger Simon Terodde freut sich auf die Spiele gegen den 1. FC Union in der 1. Liga.

Torjäger Simon Terodde freut sich auf die Spiele gegen den 1. FC Union in der 1. Liga.

© Tobias Reetz

Teil 10: Köln, 1. FC Köln

Es ist Trainingsauftakt beim 1. FC Köln. Das bedeutet in erster Linie: Fan-Andrang. 800 Zuschauer sind beim ersten Training nach der Sommerpause da. Es ist heiß. Die Sonne knallt auf das Geißbockheim. 29 Grad. Für unseren Termin im Wohnmobil mit Stürmer Simon Terodde hat uns die Medienabteilung des 1. FC Köln extra zwei große Plätze direkt vor der Geschäftsstelle freigehalten, diese sogar mit Gittern und Sicherheitsband absperren lassen. Die Kölner finden die Idee unseres Roadtrips sogar so originell, dass sie uns für den klubeigenen Kanal „FC-TV“ mit einem Kameramann begleiten.

Das Interview mit Simon Terodde

Gut am Ball: Simon Terodde holte in der abgelaufenen Saison die Torjägerkrone der 2. Liga.

Gut am Ball: Simon Terodde holte in der abgelaufenen Saison die Torjägerkrone der 2. Liga.

© Tobias Reetz

Simon Terodde vor dem UNVEU-Wohnmobil in Köln.

Simon Terodde vor dem UNVEU-Wohnmobil in Köln.

© Tobias Reetz

Torjäger Simon Terodde freut sich auf die Spiele gegen den 1. FC Union in der 1. Liga.

Torjäger Simon Terodde freut sich auf die Spiele gegen den 1. FC Union in der 1. Liga.

© Tobias Reetz

Was ist da los? Stürmer Simon Terodde und Reporter Patrick Berger schauen aus dem Wohnmobil auf die wartenden Fans.

Was ist da los? Stürmer Simon Terodde und Reporter Patrick Berger schauen aus dem Wohnmobil auf die wartenden Fans.

© Tobias Reetz

Im Interview erzählt Simon Terodde, wieso er es bislang in der 1. Liga schwerer hatte, als in Liga zwei.

Im Interview erzählt Simon Terodde, wieso er es bislang in der 1. Liga schwerer hatte, als in Liga zwei.

© Tobias Reetz

Um 17.10 Uhr erscheint dann Simon Terodde im Freizeitlook. Sneaker, kurze Hose, gestreiftes Shirt. „Coole Idee!“, sagt der Torjäger, der zwischen 2011 und 2014 in 93 Pflichtspielen für den 1. FC Union 25 Tore schoss und 13 Vorlagen gab. „Was habt ihr mit mir vor?“ Der 31-Jährige nimmt eines der auf dem Tisch liegenden UNVEU-Magazine in die Hand und fängt an zu grinsen. „Ich habe die Ausgabe schon gelesen. Super Ding. Micha (Parensen; Anm. d. Red.) hat ja daran mitgearbeitet. Ich habe es mir extra von ihm schicken lassen. Gute Themen und er hat seine Texte super geschrieben. Micha hat ja Geografie studiert und wollte immer Stadtplaner werden. Journalist hätte er sicher auch machen können. Clever ist er ja.“ Terodde und Parensen sind bis heute noch gut befreundet, auch die Familien. Während ihrer gemeinsamen Zeit bei den Eisernen wohnten sie in Friedrichshain, haben oft eine Fahrgemeinschaft gebildet.

UNVEU: Während Michael Parensen früher Geografie studierte, haben Sie drei Jahre lang eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht. Wie kam’s dazu?

Simon Terodde: Nach der Realschule stand ich damals vor der Entscheidung, was ich nun mache. Ich habe zu der Zeit bereits beim MSV Duisburg in der Jugend gespielt. Ich wollte etwas in der Hand haben, falls es mit dem Fußball nicht klappt. Drei Jahre haben ganz gut gepasst, also habe ich die Ausbildung gemacht. Mit 19 habe ich dann glücklicherweise meinen ersten Profivertrag unterschrieben. Aber ich glaube, es wäre schwierig, jetzt wieder in den Job einzusteigen. Da bin ich wohl zu lange raus.

Ihr Vertrag in Köln geht zwar noch bis 2021, haben Sie aber schon Ideen für die Zeit danach?

Ich würde dem Fußball gerne erhalten bleiben. Es ist ein großes Privileg, dass man in dem Geschäft arbeiten darf. Mein großer Wunsch ist es, meinen Trainerschein zu machen. Bevor es soweit ist, will ich die letzten Jahre aber noch mal voll genießen. Ich bin fit, gesund und habe noch viel vor.


Das ist der 1. FC Köln

Gründungsjahr: 13. Februar 1948
Mitgliederzahl: 107.226 (29. Mai 2019)
Rekordspieler (Einsätze/Tore): Toni Schumacher (Einsätze: 519), Hannes Löhr (Tore: 211)
Stadion + Kapazität: Rheinenergiestadion (49.698)


Ist Köln denn Ihre letzte Station? Hier haben Sie schließlich mit Ihrer Frau Laura, einer Rheinländerin, ein Haus gekauft.

Meine Frau kommt aus Leverkusen, das darf man hier gar nicht so laut sagen (lacht). Meine Tochter ist in Bochum geboren, mein Sohn ist ein richtiger Kölner. Für uns ist klar, dass wir hier später leben wollen. Aber ich möchte schon noch viele Jahre spielen. Mal sehen, wie lange. Ein Karriereende in Köln kann ich mir vorstellen. Aber der Fußball ist zu schnelllebig, um sich darauf festzulegen.

Sie haben die Spitznamen „Torodde“ oder „Mr. 2. Liga“. Wissen Sie eigentlich, wie viele Zweitliga-Tore Sie gemacht haben?

117.

Fast. Es sind 118 in 220 Spielen. Drei fehlen noch zum ewigen Rekord von Sven Demandt, der 121 Tore in der 1981 eingeführten eingleisigen 2. Liga gemacht hat. Wie sehr reizt Sie diese Marke?

Das würde ja heißen, dass ich nochmal in der 2. Liga spielen muss. Da ich davon ausgehe, viele Jahre mit dem FC in der 1. Liga zu spielen, wird es schwierig dem Rekord (lacht). Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mich nicht reizt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dem überhaupt so nah komme. Wer weiß, vielleicht sacke ich den irgendwann ja noch ein.

Mit 29 Treffern in der Saison 2018/2019 wurde Simon Terodde zum dritten Mal nach 2016 und 2017 (jeweils mit 25 Toren) Torschützenkönig des Unterhauses. Über das Smartphone spielen wir ihm ein anderthalbminütiges Video seiner 29 Treffer vor. Was auffällt: Alle Treffer sind im Strafraum entstanden, die meisten nach Kopfbällen, Elfmetern, Abstaubern oder mit dem Rücken zum Tor aus der Drehung.

Reporter Patrick Berger zeigt Simon Terodde ein Video auf dem Handy.

Reporter Patrick Berger zeigt Simon Terodde ein Video auf dem Handy.

© Tobias Reetz

Wir wollen nicht respektlos sein, Herr Terodde, aber die schönen Treffer kann man bei Ihnen an einer Hand ablesen.

Stimmt, dafür bin ich halt effektiv. Die schönen Tore können gerne andere machen. Ich stehe oft intuitiv richtig. Das kann ich gar nicht richtig erklären. Für solche Tore braucht man aber auch gute Mitspieler, die einen so toll bedienen.

In der 1. Liga haben Sie mit Köln und Stuttgart in 35 Spielen sieben Tore gemacht. Wieso tun Sie sich da schwerer? Oder anders gefragt: Wieso liegt Ihnen die 2. Liga so?

Ich habe in der 2. Liga immer bei offensivstarken Teams gespielt. Das hilft natürlich beim Toreschießen. Mit Stuttgart und mit dem FC stand ich im Abstiegskampf, das ist für einen Stürmer nicht ganz so einfach. Und überhaupt: In der 1. Liga stehen doch häufiger Spieler von Bayern oder Dortmund ganz oben.

Welche Ziele haben Sie mit dem 1. FC Köln?

Wir wollen uns in der Bundesliga etablieren. Dabei tut uns jedes Tor gut – das ist natürlich auch ein Ziel von mir und meinen Offensivkollegen.

Mit Bochum, Stuttgart und Köln sind Sie drei Mal Torschützenkönig der 2. Liga geworden. Von Ihrer Frau gab es immer eine Kanone als Geschenk. Was hat es damit auf sich?

Leider gibt es von der Liga keine offizielle Trophäe, was ich schade finde. Also habe ich von ihr und meinem besten Freund immer ein Geschenk bekommen. Im ersten Jahr hatte ich noch zwei Pokale. Mittlerweile haben sich die beiden abgesprochen. Das sind schöne Andenken. Vielleicht kommen die nach meiner Karriere in meinen Fußball-Keller, den ich mit Bällen und Trikots schmücken will. Da ist schon cooles Zeug dabei.

Auf welches Tauschtrikot sind Sie besonders stolz?

Ich finde das Bayern-Trikot von Jérôme Boateng ganz cool. Aber auch von Torsten Mattuschka habe ich mir extra eins aufgehoben. Nach meinem letzten Spiel für Union habe ich Tusche darum gebeten. Das ist ein tolles Andenken und bekommt dann einen speziellen Platz im Keller. Jedes Trikot hat eine besondere Geschichte. Das mag ich.

Immer wieder schauen neugierige Köln-Fans während des Interviews in das Wohnmobil herein, knipsen Fotos und hören gespannt zu. Terodde lächelt kurz, lässt sich aber nicht ablenken.

Autogramme für die Kleinen: Simon Terodde unterschreibt fleißig.

Autogramme für die Kleinen: Simon Terodde unterschreibt fleißig.

© Tobias Reetz

Wie ist Ihr Draht nach Köpenick?

Ich habe mich in der 2. Liga ja oft mit Union gemessen. Ich freue mich, dass wir auch in der nächsten Saison gegeneinander spielen. Der Klub hat viel dafür getan, dass er jetzt oben ist.

Mit Union und Stuttgart haben zwei Ihrer Ex-Vereine in der Relegation gegeneinander gespielt. Wem haben Sie eigentlich die Daumen gedrückt?

Emotional war das echt komisch. Ich habe Micha in der Woche zuvor am Telefon noch gesagt, dass ich keinem die Daumen drücke. Ich habe mit beiden Vereinen tolle Momente erlebt. In Stuttgart habe ich den Aufstieg gefeiert. Als ich damals zum VfB kam, war der Klub erstmals nach 30 Jahren abgestiegen. Ich weiß, wie hart das auch für viele Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle war. Da haben, wie man so kitschig sagt, zwei Herzen in meiner Brust geschlagen. In den letzten zehn Minuten habe ich nur noch vor dem Fernseher gestanden. Letztlich ist der Aufstieg für Union verdient.

Wissen Sie eigentlich, wie Ihre Bilanz gegen Union ist?

Nicht so gut, oder?

Sieben Spiele, drei Tore, nur eins gewonnen.

Sag ich ja, das ist ausbaufähig. Union ist ein harter Gegner, der in dieser Saison noch mehr von der Euphorie getragen wird. Jeder Ballgewinn wird wie ein Tor bejubelt werden. Da wird jedes Spiel Pokalcharakter haben.

Sie halten nach Toren die flache Hand vor die Stirn. Können Sie uns erklären, was es mit diesem Jubel auf sich hat?

Wir haben damals mit Union mal gegen Duisburg gespielt und ich habe ein Tor gemacht. Daraufhin habe ich meine Eltern auf der Tribüne gesucht und eben diese Geste gemacht. Seitdem hat sich das eingebrannt.

Selfies hier, Selfies da: Simon Terodde ist am Geißbockheim ein gefragter Mann.

Selfies hier, Selfies da: Simon Terodde ist am Geißbockheim ein gefragter Mann.

© Tobias Reetz

Das Gespräch ist beendet. Dutzende Fans warten, um ein Foto von Simon Terodde zu bekommen. Nach sechs, sieben, acht Selfies und ein paar Autogrammen verabschiedet sich Terodde. „Bleibt sauber, Männer! Und grüßt mir Köpenick!“ Für uns geht es weiter ins 190 Kilometer entfernte Frankfurt am Main. Dort haben wir am nächsten Tag einen Termin mit Kult-Präsident Peter Fischer.

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