„Anwesen“ unter der Erde
Die beiden Freundinnen stehen vor ihrem Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhofsgelände. Mit 24 Quadratmetern hat es etwa die Größe einer Einzimmerwohnung. „Es ist Platz für vier Särge und acht Urnen“, sagt Traude. Unser „Anwesen“ nennen sie ihre 2014 erworbene Ruhestätte. „Sobald die Erste eingezogen ist, wird das Geld für 20 Nutzungsjahre überwiesen“, ergänzt Barbara. 7000 Euro müssen sie für die Wohnung unter der Erde bezahlen.
Traude und Barbara und zehn weitere befreundete lesbische Frauen wollen sich nach ihrem Tod ein Grab teilen. Auf dem 162 Jahre alten historischen Friedhof an der Großgörschenstraße gibt es bereits zwei private Gemeinschaftsgräber für Schwule.
Die Frauen würden sich über weitere Lesben-WGs auf dem Friedhof freuen.
© camcop media / Andreas Klug
Die älteste der künftigen zwölf Bewohnerinnen ist 77, die Jüngste 59 Jahre. „Es ist nicht so einfach, dem Tod ins Auge zu blicken, da ist unsere Grab-WG eine Erleichterung, dem Ende praktisch zu begegnen“, erklärt Bührmann.
Auch ein politisches Denkmal
Die lesbischen Frauen planen nicht nur gemeinsam ihr Begräbnis, sondern klären ebenso rechtliche Angelegenheiten wie Patientenverfügungen und Testamente. „Wir reden nicht pausenlos über den Tod. Wir machen auch gemeinsame Unternehmungen “, so Bührmann. Ihre Mitbewohnerin berät mit bei der planerischen Gestaltung. Das Grab hat gerade ein neues Zinkdach erhalten.
Bald soll es bepflanzt werden. „Erinnern wird sich manch eine an uns“ (Sappho) soll auf der Grabwand stehen. Die Frauen-WG will über ihren Tod hinaus auch ein politisches Denkmal hinterlassen: „Uns ist wichtig, ein Zeichen für eine lesbische Existenz in der Gesellschaft zu setzen“, sagt Bührmann.
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