Polizei tappt im Dunkeln

Die ungelösten Morde von Berlin

Sie wurden brutal ermordet und die Polizei sucht bis heute nach den Tätern.

BK
Lesezeit 4 Min
Ein Weißrusse wurde in der Hasenheide ermordet. Vom Täter fehlt jede Spur.

Ein Weißrusse wurde in der Hasenheide ermordet. Vom Täter fehlt jede Spur.

© Eric Richard

Der Spanier Alejandro G. wurde ohne Grund von einem Unbekannten erstochen.

Der Spanier Alejandro G. wurde ohne Grund von einem Unbekannten erstochen.

© Polizei

Zuletzt häuften sich im Herbst Mordfälle, die die Ermittler bisher vor Rätsel stellen. In der Nacht zum 7. November erstach ein unbekannter Mann auf dem Oranienplatz in Kreuzberg den 26 Jahre alten Studenten Alejandro G. aus Spanien. Der Student war mit zwei Begleitern unterwegs, als der Täter, ein jüngerer Mann mit südländischem Aussehen, plötzlich angriff und zustach. Die Polizei fahndete mit Phantombildern und Plakaten, befragte Nachbarn und Spaziergänger - bislang vergeblich.

Zwei Tage später, am 9. November, wurde ein 28-Jähriger aus Weißrussland in der Hasenheide in Neukölln erstochen. Ein Jogger fand die Leiche in einem Gebüsch. Die Polizei geht inzwischen von Raubmord aus. Das Opfer hatte keinen festen Wohnsitz und möglicherweise etwas Geld bei sich.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Fälle die Polizei noch lösen will.

Am 20. November fanden Müllmänner der Berliner Stadtreinigung eine schon weitgehend verweste Babyleiche in Friedrichshain nahe der Oberbaumbrücke. Der tote Körper lag zwischen geparkten Autos unter einem Laubhaufen. Er war schon so alt, dass eine Obduktion nötig war, um sicher zu klären, dass es sich um einen menschlichen Körper handelte. Die Polizei fahndet seitdem nach Zeugen aus der Nachbarschaft.

Zwei Mannschaftswagen der Polizei fahren in Lehmbruckstraße vor. Sie suchten auf Spielplätzen und Hinterhöfen.

Zwei Mannschaftswagen der Polizei fahren in Lehmbruckstraße vor. Sie suchten auf Spielplätzen und Hinterhöfen.

© Richard

Dass sich Mörder auch nach vielen Jahren nicht sicher fühlen sollten, zeigt ein in diesem Jahr aufgeklärter Fall von vor 28 Jahren. Die Fortschritte in der Analyse winziger DNA-Spuren führten die Polizei zum Erfolg.

Der Fall: 1987 wurde der damals 47-jährige Emilio Benito Rica in seiner Wohnung in Berlin-Neukölln durch einen Messerstich in den Hals getötet. Der Täter stahl einen Videorekorder und verschwand spurlos. Die Polizei sicherte damals verschiedene Spuren, fand jedoch keinen Verdächtigen.

2003 wurde ein DNA-Profil erstellt. Erst 2014 meldete Interpol Prag einen Treffer bei einem Serben, der in Tschechien lebte. Im Herbst wurde der 53-jährige Mann in Tschechien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

Eine Sondereinheit ermittelt weiter. Mehr dazu auf der nächsten Seite.

Für alte Mordfälle gibt es eigene Sonderermittler im Morddezernat. Zwar werden mehr als 90 Prozent aller Tötungsdelikte aufgeklärt. Jedes Jahr bleiben aber auch Fälle offen, so dass sich in den vergangenen Jahrzehnte weit mehr als 100 solcher Fälle sammelten.

Darunter ist der rätselhafte Mord an dem 22-jährigen Burak B. in Neukölln. Der junge Mann war in der Nacht zum 5. April 2012 von einem Unbekannten erschossen worden. Der Täter hatte damals das Feuer auf eine Gruppe von fünf jungen Männern eröffnet. Hinweise auf eine ausländerfeindliche oder rechtsextremistische Tat gibt es laut Polizei nicht. Eine Initiative hält diese Motive trotzdem für möglich.

Erfolglos sind bislang auch die Ermittlungen zu dem Mord an einer Joggerin im Juni 2009 im Spandauer Forst. Es gab sogar einen kurzen Filmausschnitt aus einer Überwachungskamera, der einen verdächtigen Fahrradfahrer zeigte. Gefasst wurde der Täter trotzdem nicht.

Auch der Fall des erwürgten Säuglings, der 2005 auf einer Mülldeponie in Mahlsdorf entdeckt wurde, ist nicht aufgeklärt. Ebenso wenig wurde der Entführer und Mörder des 13-jährigen Stefan L. gefunden. Der Junge aus Kiel verschwand 1995 in Berlin, seine Leiche wurde auf einer Müllkippe in Brandenburg gefunden.

Viele Fahndungen nach Mördern listet die Polizei auf ihrer Internetseite auf, um vielleicht doch noch Hinweise von Zeugen zu erhalten. In einer eigenen Rubrik geht es zudem um vermisste Menschen. Bei vielen könnte es sich auch um Morde handeln - wie bei der 14 Jahre alten Georgine K. aus Moabit. Sie verschwand 2006 spurlos. Bis heute gibt es keine Spur zu dem Mädchen.

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