45 Tote bereits in diesem Jahr
Die Schreckensbilanz der Polizei für Berlins Straßen gibt keinerlei Grund zur Entwarnung. Im vergangenen Jahr wurden bei über 144.000 Verkehrsunfällen mehr als 18.000 Menschen verletzt, 45 starben.
Allein in den vergangenen zwei Tagen kamen zwei Menschen zu Tode: In Reinickendorf fuhr ein 54-jähriger Autofahrer gegen einen Baum. Nach Angaben der Polizei war er am Dienstag, gegen 11.20 Uhr, mit seinem Kia auf der Straße Alt-Heiligensee von der Straße abgekommen.
74-Jährige durch die Luft geschleudert
In Fennpfuhl starb am selben Tag ein 74-jähriger Fußgänger. Laut Polizei überquerte er gegen 16.30 Uhr außerhalb einer Ampelanlage vom Mittelstreifen aus die Fahrbahn der Landsberger Allee. Dort wurde er vom einem Mercedes Coupé erfasst, mit dem ein 70-Jähriger Fahrer stadtauswärts unterwegs war.
Ein Schuh und eine Mütze – markiert vom Verkehrsunfalldienst: Auf der Landsberger Allee starb ein Fußgänger.
© Morris Pudwell
„Durch den Aufprall wurde der 74-Jährige mehrere Meter durch die Luft geschleudert und schlug auf der Fahrbahn auf“, sagt ein Polizeisprecher. Der Mercedes geriet nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte in mehrere geparkte Fahrzeuge. Erst etwa 70 Meter weiter kam das Auto zum Stillstand.
Der Mercedesfahrer erlitt einen Schock und wurde zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Die Fahrbahnen der Landsberger Allee stadtauswärts waren während der Unfallaufnahme bis 20.40 Uhr gesperrt. Dadurch kam es in der Umgebung zu langen Staus.
Rasen, Alkoholeinfluss, Missachtung der Verkehrsregelungen
Wie die aktuelle Verkehrsunfallstatistik der Polizei zeigt, kamen in diesem Jahr bereits 40 Menschen bei Unfällen auf Berliner Straßen ums Leben (KURIER berichtete). Insgesamt sank die Zahl der Verkehrstoten im Vergleich zum Vorjahr etwas.
Von Entwarnung kann für die Polizei dennoch keine Rede sein. Hauptunfallursachen sind die selben wie im vergangenen Jahr: Fehler beim Abbiegen, Nichtbeachten der Vorfahrt, Rasen, Alkoholeinfluss, Missachtung der Verkehrsregelungen.
Irrsinn auf Berlins Straßen
Der Irrsinn auf Berlins Straßen: Schon wieder hat der Straßenverkehr in der Hauptstadt zwei Todesopfer gefordert. Und das innerhalb von nur zwei Tagen. Im vergangenen Jahr wurden 15.630 Menschen leicht und 2542 schwer verletzt. 45 Verkehrsteilnehmer wurden getötet. In diesem Jahr dürfte die Zahl der Toten leicht darunter liegen. Ein Trost ist das nicht.
Die gefährdeste Gruppe sind Fußgänger, die im Gegensatz zu Autos keine Knautschzone haben. Allein 24 Fußgänger wurden in diesem Jahr von Autos angefahren und getötet. Der Anteil der Fußgänger an der Gesamtzahl der Verkehrstoten stieg im Vergleich zum Vorjahr auf 60 Prozent. Im Vorjahr starben „nur“ 19 Menschen, die zu Fuß unterwegs waren.
Bereits am Sonnabend war eine 76 Jahre alte Frau, die am 6. Dezember bei einem Verkehrsunfall in Lankwitz schwer verletzt worden war, in einem Krankenhaus gestorben.
In der darauffolgenden Nacht starb ein 51-jähriger Mann in Lichtenberg, als ihn ein 32-Jähriger mit seinem Opel angefahren hatte und vom Tatort flüchtete. Der 51-jährige hatte gerade die Landsberger Allee auf einer Fußgängerfurt überqueren wollen.
Fußgänger in Neukölln angefahren
Rücksichtslosigkeit und Egoismus haben sich auf den Straßen der Hauptstadt längst Bahn gebrochen: Auf der Kreuzung Pannier-, Pflügerstraße in Neukölln erfasste am späten Dienstagabend, gegen 23 Uhr, ein Taxi einen Fußgänger. Der Mann soll hinter einem parkenden Opel plötzlich auf die Fahrbahn getreten sein.
In Neukölln wurde ein Mann von einem Taxi erfasst und dabei schwer verletzt. Die Frontscheibe des Autos wurde eingedrückt.
© Morris Pudwell
Doch der Opel hätte dort überhaupt nicht stehen dürfen. Er parkte auf dem Fahrradstreifen. Rettungskräfte brachten den Mann in ein Krankenhaus. Am selben Abend erfasste in Treptow ein Auto einen Radfahrer auf der Südostallee. Der Radfahrer prallte auf die Frontscheibe und wurde schwer verletzt. Er wurde im Krankenhaus ambulant behandelt. Der Autofahrer sagte, dass der Radler ohne Licht gefahren sei, was dieser wiederum bestritt.
Sanitäter leisten erste Hilfe.
© Morris Pudwell
Wie rücksichtslos es auf unseren Straßen zugeht, zeigt ein weiterer Fall: Der Verkehrsermittlungsdienst fahndet nach einem unbekannten Fahrer eines weißen Lieferwagens. Am Morgen des 12. Dezember hatte er in Neukölln einen Fußgänger erfasst und schwer verletzt. Der 21-Jährige hatte bei Grün die Kreuzung Stubenrauschstraße/Seidelbastweg/Kanalstraße überquert. Nach dem Unfall gab der Autofahrer Gas und flüchtete.
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