Helen M. (50) steht mitten auf der Fahrbahn, da ist schon lange wieder Rot. Die gehbehinderte Frau schafft es in der Kürze der Grünphase nicht sicher über die Kreuzung. Mit gefährlichen Folgen.
Um sie herum der Verkehr des Innsbrucker Platzes: Wutraser, Berufspendler und viel, viel Lärm. 19 schwere Verkehrsunfälle mit Senioren gab es im Jahre 2013 – allein an dieser Kreuzung. Helen M.: „Wenn es von Grün auf Rot umschaltet, ist man gerade mal losgelaufen. Wer soll das schaffen?“
Gefährliche Kreuzungen wie diese gibt es viele in Berlin. Und noch mehr Ampeln. Weit über 2.000 Stück im gesamten Stadtgebiet. Für Berlin ist festgelegt: In einer Sekunde müssen Fußgänger statistisch 1,2 Meter Strecke gehen.
Der Verband der Fußgänger „FUSS e.V.“ fordert daher jetzt: einen Meter für eine Sekunde. „Da sollte man Abstriche beim Autoverkehr machen. Fahrzeuge müssen nicht durch die Stadt rasen“, so Vereinsmitglied Bernd Herzog-Schlagk.
Für Helen M. (50) wäre das beruhigend. Denn kaum springt die Ampel auf Rot, wird sie förmlich von der Straße gehupt.
Horst Wohlfahrth von Alm aus der Senatsverwaltung für Verkehr und Stadtentwicklung gibt zu bedenken, dass es bei der Schaltung von Ampelphasen immer einen Kompromiss zwischen Fußgängern und Autofahrern geben muss.
Mittlerweile ist der Senat allerdings gesprächsbereit, die Grünphasen zu verlängern. An verschiedenen Kreuzungen werden derzeit verschiedene Strategien erprobt, die den Fußgängern das sichere Übertreten erleichtern sollen (u.a. Rot-Blinken).
Wohlfahrth von Alm dazu: „Die Erfahrung zeigt, dass Fußgänger dadurch erheblich schneller über die Straße laufen.“
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