Umwelt- und Naturschutzgebiet?

Der Müggelsee macht dicht

Wenn der Müggelsee zum Naturschutzgebiet wird, wird viel Freizeitspaß verboten.

Bernd Friedel (Fotos)
Lesezeit 3 Min
Der Müggelsee... Touristenattraktion, Erholungsort und bald Naturschutzgebiet?

Der Müggelsee... Touristenattraktion, Erholungsort und bald Naturschutzgebiet?

© Bernd Friedel

Bereits im Januar 2015 berichtete der KURIER über die Pläne. „Panikmache“ hieß es nach dem Bericht damals. Viele in Treptow-Köpenick wollten vor anderthalb Jahren nicht  wahrhaben, dass aus solchen Gedankenspielen eben doch reale Pläne werden könnten. Nun ist es jedoch so weit.

Seit einigen Tagen liegt in den Räumen der  Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt der Entwurf der Rechtsverordnung für die Schutzgebiete inklusive Begründung aus – und jetzt ist die Aufregung groß. „Bei aller Liebe für die Natur, die im Übrigen in unserem Bezirk schon immer pfleglich behandelt wird: Das geht zu weit“, empört sich der Treptow-Köpenicker SPD-Abgeordnete Robert Schaddach gegenüber dem KURIER. Er schrieb einen Protestbrief und  fordert von seinem Parteikollegen,  Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel: „Das ganze Verfahren der Unterschutzstellung weiter Teile des Müggelsees  muss sofort gestoppt werden!“.#

Macht der Müggelsee bald dicht?

Inge und Gerhard Bechtoldt erhielten bereits ein Behördenschreiben, das sie zum Abbau ihres Steges auffordert.

Inge und Gerhard Bechtoldt erhielten bereits ein Behördenschreiben, das sie zum Abbau ihres Steges auffordert.

© Bernd Friedel

Jenny, Ralf, Sven und Angelique (v.l.n.r.) wollen auch weiter an wilden Badestellen rund um den See entspannen dürfen.

Jenny, Ralf, Sven und Angelique (v.l.n.r.) wollen auch weiter an wilden Badestellen rund um den See entspannen dürfen.

© Bernd Friedel

„Es wäre wirklich schade, wenn ich mit meiner Nele einige Gebiete nicht mehr betreten dürfte“ so Helga Günther aus Friedrichshagen.

„Es wäre wirklich schade, wenn ich mit meiner Nele einige Gebiete nicht mehr betreten dürfte“ so Helga Günther aus Friedrichshagen.

© Bernd Friedel

Die Paddel-Fans Daniel und Daniela aus Friedrichshain wünschen sich statt Sperrgebieten ein Verbot von Motorbooten.

Die Paddel-Fans Daniel und Daniela aus Friedrichshain wünschen sich statt Sperrgebieten ein Verbot von Motorbooten.

© Bernd Friedel

Martina Schöneich (40) fährt jeden Tag Fahrrad am Müggelsee. „Der Umweltschutz wird hier schon sehr groß geschrieben. Mehr ist nicht nötig.“

Martina Schöneich (40) fährt jeden Tag Fahrrad am Müggelsee. „Der Umweltschutz wird hier schon sehr groß geschrieben. Mehr ist nicht nötig.“

© Bernd Friedel

Der SPD-Politiker Robert Schaddach sieht in den EU-Vorschriften  eine enorme Gefahr für den Tourismus im Bezirk.

Der SPD-Politiker Robert Schaddach sieht in den EU-Vorschriften  eine enorme Gefahr für den Tourismus im Bezirk.

© Bernd Friedel

Peter Ebert, Vorsitzender der Seglergemeinschaft am Müggelsee, nennt die Pläne eine „Katastrophe“. Denn Training wäre damit unmöglich.

Peter Ebert, Vorsitzender der Seglergemeinschaft am Müggelsee, nennt die Pläne eine „Katastrophe“. Denn Training wäre damit unmöglich.

© Volkmar Otto

Anwohner und Gewerbetreibende rund um den Müggelsee sehen das genauso. Denn das künftige Landschafts- und Naturschutzgebiet, ausgelegt nach EU-Richtlinien, umfasst den Großen Müggelsee einschließlich „Die Bänke“ und des Fredersdorfer Mühlenfließes. Es wird im Norden begrenzt vom Stadtforst, der Straße nach Fichtenau und dem Siedlungsbereich von Schöneiche, im Osten von  Rahnsdorf und Müggelhort, im Süden und im Westen vom Berliner Stadtforst.
Dies wäre dann, würden die Pläne umgesetzt, verboten:

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Vor allem der Sport und der Tourismus in der Region wären hart getroffen.

Geschützt würden hingegen u.a.:

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Heidolf Baumann, stellvertretender Vorsitzender des Bezirkssportbundes Treptow Köpenick ist in Rage: „Ein paar Enten, Fische und Frösche sind nun wohl  doch scheinbar wichtiger als Tausende Bürger, die den See als Naherholungsgebiet, touristischen Raum, vor allem aber als Sportstätte nutzen“. Er befürchtet, dass Traditionsveranstaltungen wie der Nebelpokal, die 20-Stundenwettfahrt, der Behindertencup oder auch mehrere Kinder- und Jugendregatten nicht mehr durchgeführt werden könnten.

Die Sportler der Seglergemeinschaft am Müggelsee könnten  nicht mehr zum Training von ihrem Stützpunkt hinauf aufs Wasser fahren. Es wäre der Untergang des Vereins. Die Zeichen stehen schlecht, die Pläne noch abwenden zu können. Noch aber sind diese nicht durchgewunken. Bis zum 16. September liegen sie noch öffentlich aus, eine Teilnahme am Widerspruchsverfahren ist für die Berliner noch möglich.

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