Umbau für 92 Millionen

Zoo schön wird der Berliner Tierpark

Seilbahn zum Himalaya, Achterbahn-Safari durch Afrika - für die Tier-Fans eine gigantische Reise über die Kontinente ...

Norbert Koch-Klaucke und Peter Althaus
Lesezeit 4 Min
Das soll der künftige Tierpark-Plan werden.

Das soll der künftige Tierpark-Plan werden.

© Tierpark Berlin Lizenz

Was da der Tierpark-Chef vorhat, ist echt gigantisch. Zwei Stunden brauchte Knieriem im Schloss Friedrichsfelde, um den Sanierungsplan vorzustellen.

Der Tierpark, der seinen 60. Geburtstag feiert, bekommt als Geschenk ein komplett neues Aussehen. Knieriem zeigt eine Karte, in dem er das Areal in Kontinente aufgeteilt hat. „Ab in die Wildnis – Abenteuer erleben“ lautet das Motto, mit dem Knieriem die Besucherzahl (derzeit eine Million/Jahr) verdoppeln will. „Die Gäste erwartet eine Erlebnisreise rund um die Erde an einem Tag“, sagt er stolz.

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Und die soll am Bärenschaufenster in Nordamerika starten. Hirsche, Bisons werden sich dort in der Prärie tummeln. In der Taiga- und Tundra-Landschaft kann man dann Eisbären und Robben bestaunen. In dieser Welt wird auch der künftige Haupteingang mit den Kassen stehen, wo jetzt noch das Terrassen-Café ist. „Wir holen quasi schon den Besucher in den Tierpark, bevor es überhaupt ans Bezahlen geht“, sagt Knieriem.

Von Nordamerika hat man dann die Qual der Wahl. Entweder man „reist“ nach Europa (ein Märchenwald zeigt heimische Tierarten), ins australische Outback zu den Kängurus oder in die Kinder-Erlebniswelt „Kiekemal“. Dort können die Kleinen die Farmen der Welt kennen lernen, im brandenburgischen Bauernhof die Tierpark-Schule besuchen, auf dem Spielplatz mit „Wellenplansche“ herumtollen.

Dahinter geht es ab in den Dschungel. In diesen verwandelt sich das Alfred-Brehm-Haus. Dort werden neben Amur-Tigern und Leoparden auch Krokodile und Malaienbären zu Hause sein. Die Löwen ziehen in die benachbarte Afrika-Welt. Besucher können dort in eine Art Achterbahn auf Safari gehen, so die Raubkatzen, Nashörner, Zebras hautnah erleben. „Die Waggons werden auf mehreren Ebenen fahren, so dass man auch den Giraffen in die Augen schauen kann“, sagt Knieriem.

Afrikas Mittelpunkt ist das alte Dickhäuterhaus, das auch saniert wird. In den alten Heukammern kommt ein Erlebnis-Café, aus dem man die Elefanten bestaunen kann, die in dem Haus künftig die einzigen Mieter sein werden, damit mehr Platz als jetzt haben. Einziger Neubau in dem Plan ist das Amazonashaus für Jaguare, Faultiere und Seekühe. Höhepunkt in Knieriems Konzept: In der Asien-Welt führt eine Seilbahn zum Gipfel des Himalaya. Die Miniversion des gigantischen Gebirges wird aus den illegal abgelagerten Schuttbergen entstehen. Knieriem ist froh, dass er so die Altlasten seines Vorgängers Blaszkiewitz loswird.

Parkplätze, Kita und Artenschutzzentrum geplant

Neben den Attraktionen soll der Tierpark auch praktischer für Besucher werden. Im neuen Tierpark werden die Wege kürzer. Es gibt nur noch zwei Hauptstrecken. Statt der jetzigen Bimmelbahn würde Knieriem am liebsten einen echten Zug auf Schienen haben. Auch ist nicht nur ein neuer Parkplatz am Bärenschaufenster geplant (650 Stellplätze). Die ehemalige Direktorenvilla wird zur Tierpark-Kita! Die Tierparkschule zieht hingegen in den Brandenburgischen Bauernhof um. Knieriem plant zudem mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ein Artenschutzzentrum mit Science-Center und gläserner Tierklinik.

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Umsetzung wird diskutiert

Der Umbau findet in drei Phasen statt. Die erste (wie Afrika-Welt) soll 2016 beginnen, 2022 enden. Kosten: 49 Millionen Euro. Am 10. Juni will Knieriem im Hauptausschuss für seinen Plan werben. Denn ein Großteil der Kosten soll das Land zahlen. „Es wäre ein klares Bekenntnis der Politik für den Tierpark“, sagt Knieriem. Der ist derzeit noch dick in den Miesen! Der Zoo kommt ohne Zuschüsse aus. Der Tierpark, eine Tochterfirma der Zoo AG, erhält knapp 5,5 Millionen Euro aus der Landeskasse.

Die Planung war zuvor in monatelanger Arbeit entstanden. Der Tierpark war dabei unter anderem auch einem Vergleich mit anderen Zoos unterzogen worden. „Ich freue mich sehr, endlich die Öffentlichkeit und die Politiker an den monatelangen Planungen teilhaben zu lassen", so Zoo-Chef Knieriem. Er wolle den Tierpark als ganztägigen Erlebnispark etablieren. „Im Tierpark Berlin können wir große Tierherden in großzügigen Landschaften präsentieren, diese Möglichkeit gibt es europaweit in keinem anderen Zoo." Bei allen Defiziten könne der Tierpark mit der Größe seiner Gehege und der Weitläufigkeit punkten, hob Knieriem hervor. Allein das künftige Afrika-Areal mit 18 Hektar Fläche sei so groß wie der Zoo in Hannover.

Ticketpreise sollen sozial bleiben

Die Ticketpreise jedoch, müssten irgendwann angepasst werden, sollen aber „sozialkonform“ sein. Analysen zufolge kommen derzeit 71 Prozent der rund eine Million Tierpark-Besucher im Jahr aus Berlin und nur vier Prozent aus dem Ausland. Der Zoo hat weit mehr internationale Gäste.

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