Meisterwerk der Ingenieurs-kunst, Luxusliner für Reiche, Propaganda-Maschine von Hitler: Dafür stand die LZ 129 "Hindenburg" - größtes Luftfahrzeug der Menschheitsgeschichte (mit dem Schwesterschiff LZ 130). Vor 75 Jahren ging der Zeppelin auf Jungfernfahrt, zwei Jahre später verglühte er bei einem Lande- anflug in den USA. RTL zeigt jetzt eine Neuverfilmung in zwei Teilen und eine Dokumentation über die letzte Reise der "Titanic der Lüfte".Ein Traum hat sich für Werner Franz erfüllt. Jahrelang sammelte der 14-Jährige Bilder vom Zeppelin und bestaunte ihn im Himmel über Frankfurt, jetzt ist er Kabinenjunge an Bord der "Hindenburg", am 6. Mai 1937 schwebt er über New York. Und ist überwältigt: "Die Hochhäuser..., die Häuserschluchten, das Gewimmel da unten..." Von diesem Anblick kann er sich kaum losreißen.Seit drei Tagen ist die "Hindenburg" in der Luft, am Ende ihrer 63. Fahrt wird sie 7150 Kilometer zurückgelegt haben. Endlich liegt sie über Lakehurst. Wegen eines Gewitters musste sie ihren ersten Landeanflug abbrechen. Nun geht ein leichter, wechselhafter Wind.200 Meter bis zur Katastrophe.Die "Hindenburg" - benannt nach Reichspräsident Paul von Hindenburg, Jungfernflug am 4. März 1936 - ist die "Titanic" der Lüfte. Mit gut 246 Metern ist sie nur wenig kürzer als der Ozeanriese. Und sie bietet ihren maximal 72 Passagieren allen Komfort: Schlafkabinen mit Warmwasser, Speisesaal, Klaviermusik, Panoramadeck, Rauchersalon (die einzigen Streichhölzer hält ein Stewart unter Verschluss, ist doch das Luftschiff mit leicht entzündlichem Wasserstoff gefüllt). Das günstigste Ticket - einfache Fahrt, Zweierkabine - kostet 1500 Reichsmark (das entspricht 6000 Euro).80 Meter bis zur Katastrophe.Die "Hindenburg" lässt Gas ab, wirft Landetaue auf die Erde. An Bord sind 61 Besatzungsmitglieder, mehr als üblich, aber nur 36 Passagiere. Viele verfolgen das Landemanöver vom Panoramadeck aus. Von unten beobachten Angehörige, Schaulustige und Journalisten das Geschehen.60 Meter - die Katastrophe.Plötzlich geht ein Ruck durchs Luftschiff. Werner Franz wird gegen einen Schrank geschleudert. Nachdem er sich aufgerappelt hat, taumelt er auf den Gang - und blickt in eine Feuerwalze, die vom Heck her auf ihn zurollt. "Ich hab das ganze Leben an mir vorbeilaufen sehen, wie im Film."Das Schiff sackt in die Senkrechte. Menschen und Gegenstände fallen durcheinander. Auch Wasserfässer kippen um und ergießen sich über Werner Franz: "Nur deshalb habe ich das überstanden". Er zwängt sich durch eine Luke und springt aus etwa zweieinhalb Metern ab.Von den 97 Menschen an Bord verlieren 35 ihr Leben: 22 Besatzungsmitglieder und 13 Passagiere. Zudem stirbt ein Mitglied des Bodenpersonals.Die Ursache wird bis heute diskutiert. War es ein Anschlag? Die deutsche Botschaft in Washington soll vor dem Start eine Bombendrohung erhalten haben. War es ein Versicherungsbetrug? Das Schiff war mit sechs Millionen Reichsmark versichert.Die plausibelste Erklärung steckt hinter einem Leck und einem Lack.Das Leck: Ein Spanndraht war beim Anflug gerissen und hatte eine Gaszelle aufgeschlitzt, Wasserstoff strömte nach innen.Der Lack: Die Außenhülle war durch die nachgewittrige Atmosphäre elektrisch aufgeladen. Ihre Imprägnierung, ein mit Aluminium vermischter Harzlack (Cellon), hielt die Aufladung aufrecht. Die Landetaue aus Hanf konnten sie nicht ableiten, auch weil sie nass und damit leitfähig waren.Der Spannungsunterschied zwischen Schiffs-Gerippe und -Hülle wurde so groß, dass ein Funke übersprang...Der Traum des Werner Franz - er wurde zum Albtraum. Und der verfolgt ihn bis heute."Hindenburg", 6. und 7. Februar, RTL, je 20.15 Uhr"Die letzten Stunden der Hindenburg", 6. Februar, RTL, 22 Uhr------------------------------Die Rückkehr der RiesenMinimaler Treibstoff-Verbrauch, minimale Luft-Verschmutzung und Lärmbelästigung: Das sind die Vorteile von Luftschiffen. Und die sind wieder gefragt. Zahlreiche Premieren sind für 2011 angekündigt.Zahlreich sind auch die Einsatzmöglichkeiten: Sie reichen von Transport-Aufgaben, Kommunikations-Plattformen über Wetter-Beobachtungen bis zu Frühwarn-Systemen und Gefechtsfeld-Überwachung.Die HAV (Hybrid Air Vehicles Ltd) in Cardington, eine Luftschiff-Schmiede in Südengland, steckt schon in der Produktion: Ihre "Skycat" kann bis 20 Tonnen schleppen, 140 Stundenkilometer machen und auch in der Wüste, auf Eis und Wasser landen. Zu ihren Kunden gehört die US Army, die für einen dreistelligen Millionen-Betrag drei "Skycats" geordert hat - um in Afghanistan unsichere Gebiete permanent zu überwachen.Eines wird wohl ein Traum bleiben: Linien-Flüge über den Atlantik.------------------------------BU: "Titanic" der Lüfte: Auf dem Weg nach Lakehurst überfliegt die "Hindenburg" New York. Nur wenige Minuten später geht sie bei der Landung in Lakehurst, New Jersey, in Flammen auf. Dabei finden 35 der 97 Menschen an Bord den Tod.BU: Überlebender Werner Franz. Das Jugendbuch rechts war 1938 eines der meist-gelesenen in Deutschland.
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