Wieder fallen im Osten Deutschlands Industriearbeitsplätze weg. Diesmal trifft Ueckermünde. Hier gehen zum Jahresende die Öfen der Eisengießerei aus. Die Breyden-Gruppe, die das Werk im Landkreis Vorpommern-Greifswald betreibt, hat das Aus angekündigt.
Wut und Pfiffe vor dem Werkstor
290 Menschen verlieren dadurch ihre Stelle, für die strukturschwache Region am Stettiner Haff ein schwerer Rückschlag. Die Belegschaft erfuhr am Freitag von den Plänen. Die Firmenleitung will nun mit der Arbeitnehmervertretung über einen Sozialplan verhandeln. Bürgermeister Tino Spiegelberg will einen Krisenstab bilden.
Rund 300 Menschen protestierten am Sonnabend bei einer Mahnwache gegen die Entscheidung. Viele empörte vor allem die Art und Weise, wie das Aus verkündet wurde. Den Mitarbeitern soll ohne großen Vorlauf mitgeteilt worden sein, dass das Werk angesichts der Konkurrenz aus Asien und des Niedergangs der Branche in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig sei.
Auch Betriebsrat und IG Metall zeigten sich überrumpelt. Ein Gewerkschafter nannte es einen schwarzen Tag für die Stadt. Betriebsratsvorsitzender Clemens Schröder sprach gegenüber dem NDR von einem „Schlag für die Familien“. Das Gremium hat bereits einen Anwalt, einen Wirtschaftsprüfer und einen weiteren Sachverständigen hinzugezogen. Gemeinsam mit der Gewerkschaft will es zeitnah mit der Geschäftsführung sprechen. Was dabei herauskommen könnte, ist offen.
Hohe Kosten, weniger Aufträge
Das Werk fertigte hauptsächlich Gussteile für Fahrzeugbremsen. Schon zu Jahresbeginn hatte die Standortleitung über zu wenige Aufträge geklagt, Pläne für neue Kunden und eine modernere Fertigung gingen nicht auf. Laut Geschäftsführer Simon gaben teure Energie, hohe Personalkosten und sinkende Nachfrage den Ausschlag. Statt früher 50.000 Tonnen Eisen jährlich verarbeite das Werk inzwischen nur noch 35.000 Tonnen. Konkurrenten in China und Indien zahlten für Strom 6 bis 8 Cent pro Kilowattstunde, in Deutschland seien es 20 bis 25 Cent. Schon jetzt hänge der Standort am Tropf des Konzerns, auch Investitionen würden daran nichts ändern.
Breyden hatte das Werk erst im Vorjahr übernommen. Die Gruppe ist zudem mit Werken in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen vertreten. Geschlossen wird aber nur Ueckermünde.
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