U-Bahn-Treter

Steuerten Alkohol und Kokain ihren Gewalt-Ausbruch?

Benjamin W. und Erdal T. schlugen auf einen Touristen ein.

Kerstin Rebien
Lesezeit 2 Min
Ihre Gesichter verstrecken die brutalen U-Bahn-Schläger hinter Zeitungen.

Ihre Gesichter verstrecken die brutalen U-Bahn-Schläger hinter Zeitungen.

© Olaf Wagner

Fast drei Jahre musste Angelo C. (26) auf den Prozess gegen die Schläger warten. Jahre, in denen der Italiener jeden Tag an den Überfall denken musste. Sein Kopf war schwer verletzt. Neun Tage Krankenhaus. Bis heute quälen ihn Schmerzen.

Drei Jahre, in denen die Angreifer ihre Tat verdrängten: „Wir sprachen nicht darüber.“ Über die Sache wäre Gras gewachsen, dachten sie. Doch im Herbst 2016 fahndete die Polizei endlich mit Bildern aus Überwachungskameras. W.: „Mein Vater hatte mich erkannt. Ich stellte mich.“ 

"Weiß nicht, warum so viel Wut da war"

Ein Angriff, der Angst in öffentlichen Verkehrsmitteln schürt. Es war 7.40 Uhr, als W. und T. am 9. Mai 2015 im Bahnhof ankamen. Sie hatten gezecht in einer Bar, auch Koks genommen, getanzt.  Bilder zeigen: Auf einer Treppe begegnet ihnen zufällig der junge Italiener.

Kein Wort fällt. Wie aus dem Nichts schlägt W. zu. Mit der Faust ins Gesicht. Angelo C. stürzt, prallt dabei mit dem Hinterkopf auf das Geländer. Als er regungslos am Boden liegt, reagiert sich Erdal T. ab. Ein Tritt, dann noch einer. Die Anklage: „Von oben auf den Kopf.“ Ein Stampf-Tritt.

W. hat sogar ehrenamtlich Gewaltprävention gemacht

Erdal T. hörte auf, weil ihn ein Mann wegzog. Vor Gericht nuschelte der als Schläger vorbestrafte T.: „Weiß nicht, warum so viel Wut da war, ich zutrat. Vielleicht ein Ausraster, ging alles so schnell.“ 

Benjamin W. gestand ebenfalls: „Es ist meine Schuld, dass wir so explosiv gehandelt haben.“ Er habe Angelo C. zu einer Gruppe zugeordnet, die ihn und T. zuvor beklauen wollte – „irrtümlich, er hatte damit nichts zu tun“. Beide schieben es nun auf den Alk.

W. ist ohne Vorstrafen, hat sogar ehrenamtlich an Schulen Gewaltprävention gemacht! W.: „Als ich das Video bei der Polizei sah, war ich entsetzt, habe geweint.“ Fortsetzung im Prozess um gefährliche Körperverletzung: 9. März.

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