Heute wohnt Familie P. nicht mehr in einer der 44 Sozialwohnungen in der Schöneberger Straße 5, im Kreuzberger Fanny-Hensel-Kiez. „Wir konnten uns die Miete im Sommer 2010 nicht mehr leisten“, so Müfti P. zum KURIER. Innerhalb kürzester Zeit wurde ihnen die Miete vom neuen Besitzer „Elfte emc asset management“ zwei Mal erhöht. Zunächst von 5,33 Euro auf 7,04 Euro, jeweils nettokalt, ein paar Wochen später auf 9,62 Euro. Auffällig: Die zweite Steigerung betraf ausschließlich Familie P. sowie zwei weitere Familien aus der Türkei und dem Libanon.
Müfti P.: „Dagegen wollten wir uns wehren.“ Sie klagten. Erfolgreich. Weil das Gericht die Extra-Mieterhöhung im Urteil (AZ: 25 C 357/14) als verbotene ethnische Diskriminierung ansieht. Vor allem, weil es eine weitere Auffälligkeit gab. Bis September 2011 zogen in die Anlage im Kiez 28 neue Mietparteien ein – angeblich keine mit arabischer oder türkischer Herkunft.
„Aus der Zusammensetzung der Bevölkerung Berlins, insbesondere des Bezirks Kreuzberg, ergibt sich eine gewisse Wahrscheinlichkeit für Wohnungsbewerber nichteuropäischer Herkunft“, heißt es vom Gericht. Es schlussfolgert, „dass Mieter türkischer oder arabischer Abstammung durch die Beklagte zukünftig nicht gewünscht sind“.
Die beiden anderen Familien blieben trotz der drastischen Erhöhung im Kiez, ihre Diskriminierungsverfahren laufen noch. Sie haben Glück, dass das Jobcenter ihre Wohnungen noch unterstützt. Eine Betroffene aus dem Libanon: „Ich habe fünf Kinder, durch meine geistig und körperlich behinderte Tochter brauchen wir die 5-Zimmer-Wohnung.“ Auch, wenn sie im Monat über 1380 Euro kostet.
Und was sagt der Vermieter? Geschäftsführer Frank Fitzke zum KURIER: „Wir distanzieren uns auf das Schärfste gegen den Vorwurf der Diskriminierung, insbesondere da in diesem Haus weiterhin alte und neue Mieter mit Migrationshintergrund und verschiedener ethnischer Herkunft wohnen.“
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