Berlin - In der Halbzeitpause des Derbys wird das Olympiastadion heute zur neuen Hertha-Hymne "Immer dabei" rocken. Dazu laufen Fotos von Fans, die diese über Facebook an Hertha geschickt haben. Einer von ihnen steht dann mit Gänsehaut in der Ostkurve. Er hat das Lied geschrieben. Mit Daniel Rimkus sprachKURIER-Reporter Sebastian Fiebrig, erzählt die Geschichte anhand von Liedzeilen."Drei Punkte und gut. Arrogant waren wir immer, das liegt uns im Blut."Immer wieder muss sich der 26jährige TU-Student der Umwelttechnik dafür rechtfertigen, Hertha-Fan zu sein. Und das in Berlin! Darum schrieb er im letzten Sommer das Lied. Sein Lied. "Mich hat es gestört, dass Hertha als gesichtsloser Verein gesehen wird. Dabei finde ich die Haltung der Stadt großartig: Arrogant und nichts dahinter!""Und ich weiß nicht wieso, doch ich bin immer dabei. Mein Herz schlägt blau-weiß, und das wird ewig so sein."Daniel ist Berliner, in Moabit aufgewachsen. Er hat mit Minerva 93 im Poststadion gespielt. Dort, wo Hertha in den 80ern die schlimmste Zeit in der Regionalliga erlebte. Sein erstes richtiges Hertha-Heimspiel war - fast logisch damals - eine Niederlage gegen Carl Zeiss Jena. Es folgten Regenspiele wie gegen den VfB Leipzig, als die Fans unter die allein überdachte Haupttribüne flüchteten. Später aber gab's die Europapokal-Jahre. Daniel lacht: "Manchmal komme ich mir vor wie Opa, wenn ich von früher erzähle.""Egal, ob 13 Uhr morgens oder viertel nach acht."Absteiger Hertha und die Zweite Liga. Die Angst vor der Tristesse ging um. Eine Wiederkehr der schlimmen 90er? Nee, sondern Fanscharen im Olympiastadion und auswärts. Selbst am Montagabend in Oberhausen. "Natürlich habe ich am Dienstag früh Uni. Völlig egal. 3:1 und wir waren dabei!", freut sich Daniel, der nebenbei in einem Kino arbeitet. Der Dienstplan wird dem Spieltag angepasst, die Stimmung steigt mit jedem Schritt zum Wiederaufstieg. "Ich habe noch nie so viele Hertha-Trikots in Berlin gesehen wie jetzt in Liga zwei.""Du kommst aus Stuttgart, Du tust mir leid. Wohnst am Hackeschen, findest Union ein bisschen geil. Und Pauli ist für Dich kultig, Du trinkst nur Astra-Bier."Hertha ist nicht kultig. Aber das braucht Daniel auch nicht. "Mich ärgert es, wenn Leute mir sagen, Hertha sei langweilig. Dabei waren die noch nie da. Aber cool mit einem Retter-T-Shirt von St. Pauli herumrennen." Dem Heiligenschein der angeblichen Kultvereine stellt er den blau-weißenAtzenstyle entgegen. Bier heißt dann einfach Schulle (wie Schultheiss). Das Derby freut ihn, ansonsten ist ihm Union egal: "Wir spielen halt gerade in einer Liga." Neidisch ist er nicht mal auf die Alte Försterei: "Mit dem Olympiastadion ist es wie mit in einer langen Beziehung. Man verliebt sich auch in die Fehler.""Egal, wie sehr sich mein Leben auch dreht. Ich brauch Hertha, Schulle, mein Berlin und die Spree."Das Lied hat das Leben von Daniel Rimkus verändert. Einfach so. "Ich zucke immer zusammen, wenn ich den Song im Stadion höre. Das war nie geplant. Die Aufnahme hat mein Kumpel Rouven bei Youtube hochgeladen. Mit Unterstützung vom Fanklub International wurde es dann als Rocksong produziert. Alleine hätte ich mich das nicht getraut." Trotzdem werden ihm die Kumpels in der Ostkurve heute auf die Schulter hauen, wenn das Lied aus den Lautsprechern knallt. Und daran denken, wie sie Herthas Fahne überall hochhalten.Denn sie wissen ganz genau warum und sind immer dabei!------------------------------BU: Ob in Kopenhagen eine gegnerische Fanbotschaft kommentieren (l.), oder mit dem Bus nach Cottbus fahren (o.) - Herthas Fans sind immer dabei. Gerne auch im Atzenstyle, zusammen mit Rouven und Dana auf dem Weg nach Karlsruhe (r.).
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