Der KURIER trifft Daniela Schulte aus Dortmund auf dem Breitscheidplatz. Gut gelaunt feiert sie dort mit hunderten Schwarz-Gelben vor dem großen Spiel, singt, tanz, lacht. Lebensfreude pur. Seit Jahrzehnten ist die 50-Jährige BVB-Fan, geht seit den 1980ern ins Stadion. Damals war es als Frau nicht einfach, wenn man sich zum Fußball bekannte, berichtet die Dauerkarteninhaberin.
„Das ist heute anders. Ich sage offen, dass ich Fußball gut finde, kann mich auch mit meiner Kleidung zum Fan-Dasein bekennen. Die Gleichstellung macht es möglich.“
Es gibt mehr Fanartikel für Frauen
Schulte hat die schlimmen Bundesliga-Jahre mitgemacht, in denen Schlägereien, Ausschreitungen und Pöbeleien selbst im Stadion gang und gäbe waren. Das ist vorbei. Auch dank der Frauen. Der Leipziger Fanforscher Professor Henning Zülch erklärt die Entwicklung: „Gerade nach der WM 2006 ist Fußball zu einem Gemeinschaftserlebnis geworden.“
Weiblich Fans beim DFB-Pokalfinale in Berlin
Nicht jeder in ihrem Umfeld fand es gut, als sich Alex (46) für den Fußball entschied. Zusammen mit ihrem Freund geht sie seit vielen Jahren ins Stadion. Im Ruhrgebiet sei man halt fußballbekloppt, erzählt sie. „Besonders die Emotionen faszinieren mich.“
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Daniela Schulte kennt noch die Dortmunder Fanszene, als man sich in den Kneipen rund ums Westfalenstadion traf. Es war eine reine Männerszene. Doch mittlerweile zählen immer mehr Frauen zu den Anhängern der Schwarz-Gelben.
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Maria Freud (27) ist aus dem Ruhrpott mit ihrem Vater in die Hauptstadt gekommen. „Schon im Kindergarten war ich Fan“, sagt sie. Ein bisschen doof findet sie den Frauen-Trend im Fußball aber doch. „Viele Mädels gehen gerne ins Stadion, haben aber nicht immer Ahnung.“
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Cornelia Schöpf (42, li.) und Svende Schäfer (33) kommen aus Wiesbaden, feierten auf dem Alex. Männer sind offener gegenüber Frauen im Fußball geworden, berichten sie.
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Heike Zille (55) kommt ursprünglich aus Berlin. Wegen der Liebe zog sie nach Hanau (Hessen). Ihr Lebensgefährte brachte sie zum Fußball. Gemeinsam reden sie über Taktik und Aufstellung. Die Liebe zur Eintracht Frankfurt hält auch ihre Beziehung zusammen.
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Trikots für Mädchen, Armbänder, Schmuck und Schuhe, Stefanie Schulze (30), Janine Funke (29) und Nadine Martin (40) aus Willingen zeigen sich gerne als Dortmund-Fans.
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Tina (30) und Marcel (29) sind von Aachen nach Berlin gereist. Dass der Fußball ihre Liebe verbindet, zeigt dieses Foto. Fanforscher sagen, dass der Sport nach der Weltmeisterschaft 2006 mehr weibliche Fans und Paare anzieht.
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Trainer-Typen wie der charismatische Jürgen Klopp oder der schicke Joachim Löw kommen beim weiblichen Publikum gut an. Die Folge: Es gibt mehr Fanartikel für Frauen: Pullover, Tops, Armbänder, Ringe oder Schuhe. Die Vereine haben sich darauf eingestellt – und die Frauen nehmen es an.
Wie Janine Funke (29), Stefanie Schulze (30) und Nadine Martin (40). Sie sind aus Willingen (Hessen) angereist. „Der BVB hat viele Sachen, die man außerhalb des Stadions tragen kann. Ich ziehe die Klamotten auch im Büro an und mein Chef sagt nichts“, so Stefanie. Die 30-Jährige spielte früher selbst Fußball, wurde von den Nachbarjungs akzeptiert. Ihre Freundin Nadine hat sich gerade ein schickes Armband in den BVB-Farben gekauft.
Familienblock mit Sandkasten und eine Rutsche
Statistiken belegen den Frauenboom beim Fußball. Gingen 1991 noch 5,9 Millionen weibliche Fans in die Stadien sind es jetzt bereits 13,7 Millionen pro Jahr. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schätzt, dass mittlerweile 25 bis 30 Prozent der Stadionbesucher weiblich sind, Tendenz steigend.
Ein Grund: Die Stadien sind moderner, es gibt eigene Kinderbereiche und ausreichend Toiletten. Wo sich früher Männer auf rustikalen Bänken drängelten, gibt es jetzt bequeme Stühle. Der VfL Wolfsburg hat im Familienblock einen Sandkasten und eine Rutsche. Viele Clubs haben eigene Familienprogramme, auch wenn solche Neuheiten einem Teil der hartgesottenen Fans überhaupt nicht passen.
"Ich bin in die Gemeinschaft hineingewachsen"
Oft wird unter dem Slogan „Gegen den modernen Fußball“ dagegen demonstriert und protestiert. Als störende Anhängsel werden Frauen jedoch nicht mehr gesehen.
Wie bei Alexandra Seidel und ihr Freund Michael. Auch sie sind für das Endspiel nach Berlin gekommen. „Ich bin in die Gemeinschaft hineingewachsen, die Männer akzeptieren uns, beziehen uns mit ein“, so die 26-Jährige.
Eine weitere Folge der vielen Frauen ist die Deeskalation. Als sich in der englischen Premier League Hooligans immer öfter in den Fanblocks prügelten, schickte man gezielt Frauen in die Stadien. Die Gewalt ging zurück, berichtet der renommierte Fanforscher Prof. Dr. Gunter A. Pilz. „Bei uns gibt es viel zu viele Kinder bei den Spielen. Zu Auseinandersetzungen kommt es deswegen fast nie“, berichtet Frankfurt-Fan Heike Zille (55) aus Hanau. Sie feierte auf dem Alex mit über 1500 Eintracht-Anhängern – es blieb, natürlich, friedlich.
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