„Die Natur bräuchte ergiebigen Landregen“, so Norbert Becker-Flügel (Wetterdienst Meteogroup). Zwar gab es am Wochenende in Berlin – vor allem gestern Abend – und in Brandenburg teils heftige Unwetter. Doch die sind laut dem Experten nur ein Tropfen auf die Dürrewüste. Die sandigen Böden sind so durchgetrocknet, dass sie das Wasser bei Unwettern gar nicht aufnehmen können.
Um das Niederschlagsdefizit der vergangenen Monate auszugleichen, müsste es etliche Tage fünf bis zehn Liter Regen pro Quadratmeter geben. Niederschlag in diesen Mengen ist aber nicht in Sicht, zumindest nicht in den kommenden Tagen. „Wir erwarten für die kommende Woche trockenes Wetter bei sommerlichen Temperaturen, in Berlin zwischen 25 und 30 Grad“, so die Prognose von Becker-Flügel.
Auf der nächsten Seite: zurück bleibt stinkender Schlamm
Für die Anwohner des Weißen Sees in Pankow eine harte (Nasen-)Prüfung. Sie können ihrem Naherholungsgebiet derzeit täglich beim Schrumpfen zusehen, Zentimeter um Zentimeter weicht das Wasser. Zurück bleibt stinkender Schlamm. Was in Pankow „nur“ für die Wasserratten zum Problem wird, bremst andernorts die Schifffahrt aus.
Die Oder beispielsweise war in Frankfurt zuletzt nur noch 97 Zentimeter tief. Das sind um 26 Zentimeter weniger als sonst bei Niedrigwasser. Erschreckend niedrig auch der Pegel der Elbe: in Wittenberge nur noch 87 Zentimeter (37 weniger als sonst bei Niedrigwasser).
Neben Wasserwegen ist auch der Wald in Gefahr. In fast ganz Brandenburg gilt die höchste Warnstufe (5). Nur in den zwei Landkreisen Prignitz und Oder-Spree gilt lediglich die zweithöchste Warnstufe. 253 Mal musste die Feuerwehr schon ausrücken, doppelt so oft wie im gesamten vergangenen Jahr (120 Waldbrände). 311 Hektar Wald verbrannten bisher, das entspricht einer Fläche von 435 Fußballfeldern. Und: Die Waldbrandsaison geht offiziell noch bis Ende September.
Auf der nächsten Seite: Ernte verdorrt, Äpfel teurer
Auch Stadtbäume leiden unter der extremen Dürre. So rief der Bezirk Pankow die Bürger auf, zur Gießkanne zu greifen. Die Stadt kommt mit dem Gießen nicht nach, vor allem junge Bäume an den Straßen Berlins sind in Gefahr.
Gießen, gießen, gießen lautet auch die Devise in den Kleingarten-Siedlungen der Hauptstadt. Aber immerhin können die Kleingärtner dem Wassermangel auf ihren überschaubaren Grünflächen Einhalt gebieten. Viel härter trifft es da so manchen Bauern. Gießen hilft nichts mehr, die Böden sind zu trocken dafür. Die Herbst-Ernte verdorrt vielerorts vor den Augen der Landwirte.
Besonders betroffen neben Mais, Zuckerrüben und Spätkartoffeln sind Äpfel. Der Deutsche Bauernverband rechnet mit acht Prozent Ernteeinbuße gegenüber dem Schnitt der letzten drei Jahre. Das spürt auch der Berliner: Äpfel werden teurer.
Ändern können wir das Wetter ja leider nicht. Zum Trost hier zumindest eine positive Auswirkung der Dürre: Ohne Wasser keine Mücken! Im Gegensatz zu den lästigen Wespen brauchen es die Larven der Stechmücken nämlich feucht, um zu wachsen.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com