Sie waren einst das Stürmer-Traumpaar bei Bayer: Andreas Thom und Ulf Kirsten. Thom, das Angriffs-Ass des BFC Dynamo, wechselte nur wenige Wochen nach dem Mauerfall als erster Spieler aus der DDR-Oberliga auf legalem Weg in den Westen und heuerte in Leverkusen an. Ein halbes Jahr später folgte Kirsten, der Draufgänger von Dynamo Dresden. Nahezu drei Jahrzehnte später, beide sind inzwischen 53 Jahre alt, bleibt Kirsten so etwas wie Thoms „Zwilling“.
An Thom nämlich liegt es, dass der „Schwatte“, wie Kirsten unter Kennern heißt, sozusagen einen Koffer in Berlin hat. „Es ist doch klar, dass ich zu Andreas eine ganz besondere Beziehung habe“, sagt Kirsten, „er hat mir damals den Einstand in der Bundesliga erleichtert, denn er war ja kurz vor mir da.“ An ihn regelrecht angelehnt habe Kirsten sich bei seinen ersten Schritten in Leverkusen. Daraus ist so etwas wie Freundschaft geworden. „Wir halten über die Jahre Kontakt, wir telefonieren fast jede Woche miteinander“, versichert der Mann, der beim Oldie-Traditionsturnier für Bayer dabei ist.
1999: Andy Thom im Hertha-Dress mit Ulf Kirsten im Bayer-Look.
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Etwas zurückgezogen hat Kirsten sich aus dem operativen Geschäft rund um den Fußball, obwohl er nach seiner aktiven Zeit einige Jahre im Trainerstab, so auch als Co-Trainer des Bundesligateams, tätig war. Inzwischen jedoch könnte er sich eine Rückkehr durchaus vorstellen.
Weltstars zum Zungeschnalzen
Weltmeister waren schon beim Oldie-Spektakel und Europameister. Nationalspieler sowieso und Champions-League-Sieger. Jetzt könnte sich zu den Stars und Superstars ein Weltstar gesellen. Sparta Prag hat neben Stürmer-Riese Jan Koller (der 2,02-m-Hüne schoss einst Tore auch für Dortmund) und Filigran-Techniker Tomas Rosicky (ebenfalls einst Dortmunder und danach viele Jahre beim FC Arsenal) auch Pavel Nedved (46) angekündigt.
Mittelfeldmann Nedved ist für Tschechien so etwas wie für Deutschland Franz Beckenbauer und Dixie Dörner gemeinsam, er ist der Überflieger im Land der Knödel. Nedved, der 1996 von Sparta zu Lazio Rom wechselte und 2001 als Nachfolger von Zinedine Zidane zu Juventus Turin ging, wurde dort das Herz der „alten Dame“. Viermal wurde er in seiner Heimat Fußballer des Jahres, einmal in Italien und 2003 gar in Europa.
Stars zum mit der Zunge Schnalzen haben auch die anderen Teams: Gilberto und Dariusz Wosz etwa laufen für Hertha BSC auf, Torsten Mattuschka und Marco Gebhardt für den 1. FC Union, Vize-Weltmeister Bernd Schneider und Ulf Kirsten kommen mit Leverkusen sowie David Odonkor und Frank Mill mit Dortmund. Bei Tottenham steht Steffen Freund auf der Liste, der Mittelfeldmann, der einst für Stahl Brandenburg spielte und über Schalke und Dortmund auf der Insel landete.
Kirsten will Thom-Job
Das liegt, womöglich schließt sich da ein Kreis, an Thom und an Hertha BSC. Denn das Jobprofil, das die Blau-Weißen ihrem ehemaligen Angreifer geradezu auf den Leib geschneidert haben, wäre haargenau auch Kirstens Ding. „Andy trainiert die Stürmer, das, finde ich, ist nicht nur eine feine Sache, sondern damit nimmt Hertha auch eine Vorreiterrolle in der Bundesliga ein“, glaubt Kirsten. „Die Spezialisierung geht immer weiter und in Berlin ist man da einen Schritt voraus.“
Vielleicht nutzt der 100-malige Nationalspieler (49 Länderspiele für die DDR, 51 für den DFB) seinen Auftritt beim Budenzauber, um sich genauer umzuhören. „Denn wenn ich jemals in den Trainerberuf zurückkehre“, versichert Kirsten, „dann am liebsten in der Rolle, die Andreas Thom bei Hertha hat.“
Zwilling bleibt eben Zwilling.
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