Kinder stürzen aus einem Riesenrad, ein Dreijähriger fällt aus einer Holzachterbahn, ein Zehnjähriger stirbt in einer Wasserrutsche – Berichte über schwere, gar tödliche Unfälle in US-Vergnügungsparks haben sich gerade jetzt in der Hochsaison bedrohlich gehäuft und werfen einen düsteren Schatten auf den Sommerspaß für Groß und Klein. Nur in den USA? Wie sicher sind unsere Freizeitparks?
Die Schlitterbahn „Verrückt“ in Kansas City. Mit 50 Metern die angeblich höchste Wasserrutsche der Welt. Wie Projektile schießen die blauen Schlauchboote durch eine Halbröhre, rasen dann eine Anhöhe hinauf. An deren höchstem Punkt wird der zehnjährige Caleb Schwab aus dem Boot geschleudert, bricht sich auf grauenvolle Weise im Sicherheitsnetz das Genick. Nicht die einzige Tragödie binnen einer Woche in US-Freizeitparks: Bei Pittsburgh stürzte ein Dreijähriger von einer 78 Jahre alten Holz-Achterbahn. In Tennessee fielen drei Mädchen wegen eines mechanischen Fehlers von einem Riesenrad – eine der Gondeln klemmte.
Ein Hauptproblem: In den USA gibt es keine übergeordnete staatliche Stelle, die Standards für Parks kontrollieren könnte, die Einhaltung der Standards ist freiwillig. Es gibt auch keine unabhängige Prüforganisation wie in Deutschland den TÜV.
In Deutschland dagegen ist jeder Freizeitpark verpflichtet, seine Fahrgeschäfte genau sicherheitstechnisch untersuchen zu lassen. Vor der ersten Inbetriebnahme prüft der TÜV nicht nur, sondern schreibt auch die Sicherheits-Auflagen und erforderlichen Wartungen vor und leitet dies ans Bauamt weiter.
Das Bauamt erteilt dem Betreiber dann die Genehmigung. „Wir untersuchen das jeweilige Fahrgeschäft, können zusammen mit Technikern und Betreibern Schwachstellen aufdecken, die bei der normalen Wartung eventuell untergehen würden“, sagt Kees Bakker, der für den TÜV Nederland Risikoanalysen in deutschen Vergnügungsparks vornimmt.
Die Genehmigung wird dann nach der TÜV-Überprüfung verlängert. Die Intervalle für Prüfungen sind unterschiedlich. Achterbahnen werden einmal jährlich, große Riesenräder alle zwei Jahre, Kettenkarusselle alle drei Jahre gecheckt.
Trotz des laut TÜV „hohen Sicherheitsniveaus“ kommt es aber auch in deutschen Freizeitparks und auf Jahrmärkten immer wieder zu tragischen Unfällen: Im Juni 2015 verletzten sich vier Menschen in Oberhausen schwer, als sich plötzlich Teile eines Karussells lösen. Im August 2014 wurde ein elfjähriges Mädchen im Holiday Park Haßloch von einem Karussell mitgeschleift und getötet. Juni 2012: Auf dem Kirmes-Platz in Gevelsberg (NRW) löste sich der Waggon einer „Raupe“ aus der Verankerung – sieben Verletzte.
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