Heroin, Alkohol und Tabletten – diese Mischung kann tödlich sein. Seit sechs Jahren steigt die Zahl der Drogentoten in Berlin. Im vergangenen Jahr sind 167 Menschen an übermäßigem Drogenkonsum gestorben. Es waren 150 Männer, die meisten knapp 40 Jahre alt, und 17 Frauen. So starben im vergangenen Jahr 13 Drogentote mehr als im Jahr 2015.
„Die Ursachen sind unterschiedlich“, sagt Ralf Köhnlein, Sozialarbeiter bei Fixpunkt, einem Hilfeverein für Menschen, die abhängig sind von illegalen Drogen. In den häufigsten Fällen führe ein Mischkonsum verschiedener Substanzen zum Tod. „Es herrscht auch viel Unwissen über Drogen“, sagt Köhnlein. Vor allem bei Suchtabhängigen, die aus Osteuropa oder als Geflüchtete nach Berlin kommen.
War früher der Bahnhof Zoo das Zentrum der Drogenabhängigen, verteilt sich die Szene heute auf die ganze Stadt, die größten Treffpunkte sind der Stuttgarter Platz, das Kottbusser Tor, der S-Bahnhof Neukölln und der Kleine Tiergarten. Gehandelt wird oft rund um U-Bahnhöfe. Junge Menschen nehmen psychoaktive Substanzen und Cannabis. „Auf der Straße spielen diese Drogen keine Rolle, eher in Clubs und im Privaten“, sagt Köhnlein.
Die Berliner Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara bewertet die aktuellen Zahlen aus Berlin als „besorgniserregend“. Ihre Reaktion: „Wir bauen die niedrigschwelligen Hilfen aus“, sagte Köhler-Azara dem KURIER. Dazu gehörten Drogenkonsumräume. Dort können Abhängige illegale Drogen unter hygienisch sauberen Bedingungen und medizinischer Betreuung einnehmen.
Bisher verfügt Berlin über drei solcher Drogenkonsumräume, zwei gibt es stationär in Kreuzberg und Moabit, ein weiterer befindet sich in einem umgebauten Bus. In der Nähe des S-Bahnhofs Neukölln soll im Juni ein weiteres Mobil für den Drogenkonsum eingesetzt werden. 2016 hat das Land Berlin 660000 Euro für Drogenkonsumräume ausgegeben.
Auch bundesweit Zahl ist die Zahl der Drogentoten erneut gestiegen. Das steht in dem am Montag vorgestellten Bericht zur Rauschgiftlage 2016. Demnach starben im vergangenen Jahr 1333 Menschen durch illegalen Drogenkonsum. Dies entspricht einem Anstieg von neun Prozent. Die meisten Drogenopfer zählten neben Berlin auch Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.
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