Es war der 19. März 2011. An diesem herrlichen Sonnabend begann Knut plötzlich in der Zoo-Eisbäranlage merkwürdig zu tänzeln, stürzte nach einem epileptischen Anfall in den Wassergraben und ertrank. Als Auslöser stellte das Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) eine Hirnhautentzündung bei dem Eisbären fest, der nur vier Jahre alt wurde. Man glaubte, Viren oder Bakterien hätten ihn getötet. Doch Erreger konnten nie nachgewiesen werden. Die genaue Todesursache blieb damit bisher rätselhaft.
Jetzt sickerte durch, dass Prof. Alex Greenwood vom IZW mit einem Charité-Neurologen herausfand, dass Knut wohl an einer Menschenkrankheit starb, die die Hirnhautentzündung auslöste. Danach könnte es sich um die sogenannte Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis handeln.
Diese Autoimmun-Krankheit wurde bei Menschen 2007 entdeckt, ist nicht ansteckend, kann geheilt werden. Sie führt bei Patienten mit Hirnhautentzündungen zu einer Überreaktion des Immunsystems. Produzierte Antikörper killen dabei wichtige Nervenzellen. Symptome sind u.a. epileptische Anfälle.
Dass es Greenwood und der Charité-Experten waren, die darauf stießen, ist wahrscheinlich. Laut Internet-Wissenschaftsportal „phys.org“ hatte der IZW-Forscher 2013 mit Prof. Jens Mayer (Uni Saarland) anhand von Gehirnproben von Knut herausgefunden, dass Eisbären DNA-Sequenzen haben, „die eine große Rolle bei der Entstehung von ... Autoimmunerkrankungen spielen“.
Der Nachweis dieser Menschenkrankheit erstmals bei einem Tier: Der Tod von Zoo-Star Knut würde damit noch für eine weltweite wissenschaftliche Sensation sorgen. NKK
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com