Nur mit Mühe können die Polizisten den Mann beruhigen. Dann lassen sie ihn weiterfahren – nicht ohne ihn ermahnt zu haben, nächstes Mal beim Abbiegen besser aufzupassen.
Polizisten kontrollieren Spiegel- und Schulterblick
Einsatz in Steglitz: Abbiegen ohne Blick über die Schulter kann zehn bis 85 Euro Strafe kosten.
© Thomas Lebie
Darum geht es am Dienstag gegenüber vom Rathaus Steglitz: Dort und anderswo in Berlin schauen Polizisten in diesen Tagen genau hin, ob Kraftfahrer in die Spiegel und über die Schulter schauen, bevor sie nach rechts abbiegen. In dieser Woche gibt es drei Dutzend solcher Kontrollen, nächste Woche geht es weiter.
Die Gründe liegen auf der Hand, sagt Andreas Tschisch, der im Stab des Polizeipräsidenten die Unfallstatistik analysiert. „Fehler beim Abbiegen können schwere Folgen haben“, sagt er. Laut Polizei wurden in Berlin allein im vergangenen Jahr fünf Radfahrer durch abbiegende Kraftfahrzeuge getötet und 744 verletzt.
Manche Autofahrer sind einsichtig, manche unbelehrbar
Gespräch mit einer Fahrerin: Polizist Christoph Holk klärt über Gefahren beim Rechtsabbiegen auf.
© Thomas Lebie
Die Polizeibeamten in Steglitz treffen auf unterschiedliche Autofahrer-Typen. Da ist die Frau im Nissan, die sich sofort einsichtig zeigt. „Normalerweise schaue ich immer über die Schulter, bevor ich abbiege“, beteuert sie. Eine andere Fahrerin erzählt, dass ihr Sohn bei einem Rechtsabbiegeunfall gestorben sei.
Er war mit dem Rad unterwegs. „So etwas zu hören – das macht schon betroffen“, sagt eine Polizistin. „Radfahrer sind Autofahrern gegenüber oft rücksichtslos“, schimpft eine Frau aus Wedding. „Die fahren, wie und wo sie wollen.“
„Der Busfahrer hätte warten müssen“
Die Papiere bitte! Auch wer beim Fahren telefoniert, wird angehalten. Der Tarif: 60 Euro und ein Punkt.
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Polizeioberkommissar Sacha Weinert geht dem Vorwurf des Busfahrers nach. An der Straßenecke, an der das große gelbe Fahrzeug rechts abgebogen ist, schaut er sich die Ampeln für Kraft- und Radfahrer an. Beide springen exakt zur selben Zeit auf Rot.
Weil der Bus bei Grün abbog, ist klar, dass der Radler ebenfalls grünes Licht hatte. „Der Busfahrer hätte warten müssen“, sagt Weinert. Aber der ist längst auf und davon.
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