Fischerei

Tierischer Bade-Schreck: Immer mehr Kraken erobern die Nordsee

Kraken breiten sich in der Nordsee aus. Wärmeres Wasser hilft den Tieren und für deutsche Fischer werden sie immer wichtiger.

Foto von Autor/Autorin: Mariella Mandurino
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Immer mehr Tintenfische kommen in der Nordsee vor.

Immer mehr Tintenfische kommen in der Nordsee vor.

© Martin Bertrand/Imago

Wer an der Nordsee sein Fischbrötchen bestellt, denkt vermutlich an Matjes, Krabben oder Backfisch. Tintenfisch mit Knoblauch und Zitrone klingt dagegen eher nach Urlaub in Bella Italia. Doch die Nordsee arbeitet offenbar fleißig an einem mediterranen Image: Kraken und Kalmare fühlen sich dort zunehmend wohl.

Deutsche Fischer verdienen plötzlich mit Tintenfischen

Das macht sich inzwischen sogar wirtschaftlich bemerkbar. Tintenfische waren früher zwar schon als Beifang in den Netzen zu finden, eine gezielte Fischerei lohnte sich aber kaum. Das hat sich inzwischen deutlich verändert.

Badegästen könnten jetzt immer mehr Tintenfische im Wasser begegnen.

Badegästen könnten jetzt immer mehr Tintenfische im Wasser begegnen.

© Rolf Vennenbernd/dpa

Wie groß der Wandel ist, zeigen Zahlen aus der deutschen Fischerei. Patrick Oesterwind vom Thünen-Institut für Ostseefischerei erklärte der „taz“, dass die bodennahe deutsche Schleppnetzfischerei 2024 bereits rund 20 bis 21 Prozent ihres gesamten Umsatzes mit Tintenfischen erzielte.

Nur vier Jahre zuvor sah das noch völlig anders aus. 2020 lag deren Anteil am Umsatz gerade einmal bei einem Prozent. Auch an der belgischen Nordseeküste hat sich der Fang verändert. Wo Fischer traditionell unter anderem Krabben und Kabeljau aus dem Wasser holten, landen inzwischen große Mengen Kopffüßer in den Netzen. Aber warum wird ausgerechnet die Nordsee zum neuen Tintenfisch-Paradies?

Die Nordsee wird immer wärmer

Eine wichtige Rolle spielen die steigenden Wassertemperaturen. 2025 war die Nordsee so warm wie nie seit Beginn der Messreihe im Jahr 1969. Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie lag die Temperatur an der Wasseroberfläche im Jahresmittel bei 11,6 Grad. Damit war das Wasser 0,9 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1997 bis 2021.

Davon profitieren die Kopffüßer. Besonders für ihren Nachwuchs sind höhere Temperaturen von Vorteil: Eier und Jungtiere haben unter den veränderten Bedingungen bessere Chancen.

Durch die erhöhten Temperaturen sind Tintenfische in der Nordsee lebens- und paarungsfähig.

Durch die erhöhten Temperaturen sind Tintenfische in der Nordsee lebens- und paarungsfähig.

© Imago

Der wissenschaftliche Direktor des flämischen Instituts für Landwirtschafts- und Fischereiforschung, Hans Polet, erklärte gegenüber dem Schweizer Rundfunk SRF, dass sich insbesondere der relativ flache südliche Teil der Nordsee innerhalb von rund 100 Jahren stark erwärmt habe. Dadurch könnten die Eier der Tiere wesentlich besser überleben.

Kabeljau verliert, Tintenfisch gewinnt

Hinzu kommt eine weitere Veränderung im Ökosystem. Während Tintenfische von höheren Temperaturen profitieren können, haben andere Bewohner damit Probleme. Dazu gehört beispielsweise der Kabeljau, dessen Bestände seit Jahren unter Druck stehen.

Gehen solche Raubfische zurück, können sich für andere Arten neue Möglichkeiten ergeben. Oesterwind geht deshalb davon aus, dass die Entwicklung bei den Tintenfischen nicht einfach nach einer Saison wieder vorbei ist.

Wer an der Küste spazieren geht, kann die neuen Bewohner sogar entdecken, ohne selbst ins Wasser zu müssen. Immer häufiger werden dort die hellen, kalkartigen Schalen von Tintenfischen angespült. Aus Krabbenbrötchen wird deshalb zwar noch lange kein Calamari-Teller. Doch die Nordsee verändert sich und ihre neuen achtarmigen Bewohner scheinen gekommen zu sein, um zu bleiben.

Hätten Sie gedacht, dass sich Tintenfische in der Nordsee derart ausbreiten? Und würden Sie ihn essen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com

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