Auch Kapuzineräffchen werden eingesetzt.
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„Mein Vater war Biologieprofessor und brachte den Schimpansen aus beruflichen Gründen mit nach Hause“, sagt Mario Ludwig. „Ich erinnere mich noch daran, dass er gern und oft auf die Hupe drückte.“ Nicht der Vater, sondern der Affe. Affen. Auch in Ludwigs Buch „Tierische Jobs“ (wbg Theiss Verlag, 18 Euro) spielen sie eine Rolle. Es ist sein 29. Buch. Da-rin schildert der Biologe, was Tiere so alles können.
Äffchen als Haushaltshilfen
Kapuzineräffchen zum Beispiel. In den USA bildet die gemeinnützige Organisation „Helping Hands“ die Tiere zu Haushaltshilfen für Querschnittsgelähmte aus. Auf dem „Monkey College“ in Boston lernen sie dreißig Handreichungen, um das Leben eines Gelähmten zu erleichtern.
„Die Äffchen können Brille aufsetzen, Zeitung umblättern, das Telefon holen oder am Rücken kratzen, sie können auch eine Flasche öffnen und sogar den Müll wegbringen“, sagt Mario Ludwig. „Haben sie einen neuen Befehl gelernt, werden sie mit Erdnussbutter belohnt.“ 40.000 US-Dollar kostet die Ausbildung.
Die „Spanische Fliege“ – ihr Blut (Cantharidin) ist Basis für ein Potenzmittel. Die wirksame und die tödliche Dosis liegen dicht beieinander.
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„Helping Hands“ findet nicht nur Beifall. Tierschützer bemängeln, dass ein Haus oder eine Wohnung nicht die richtige Umgebung für Kapuzineräffchen ist, verbringen doch die putzigen Tiere ihr Leben normalerweise auf Bäumen. Alles andere als putzig, aber ungeheuer nützlich sind Ratten, genauer gesagt: Gambia-Riesenhamsterratten.
Tuberkulose ist dritthäufigste Todesursache
Weltweit sterben täglich 4500 Menschen an Tuberkulose (TB), jährlich erkranken zehn Millionen Menschen. Ohne Medikamente breitet sich der Erreger über das Blut in alle Organe aus. In Tansania ist TB nach Malaria und Aids die dritthäufigste Todesursache. Die meisten Infizierten sterben, weil ihre Infektion nicht rechtzeitig erkannt wird.
Rund zwei Drittel aller Patienten in Tansania wissen nicht einmal, dass sie infiziert sind. Und genau hier liegt das Problem: Moderne Tests, die in Industrieländern Standard sind, sind in armen Länder wie Tansania unerschwinglich. Deshalb werden in vielen tansanischen Krankenhäusern nur simple Lichtmikroskope auf der Suche nach TBC-Erreger benutzt.
Die Methode ist deutlich billiger, aber auch viel ungenauer. Mindestens 50 Prozent der Proben werden im Labor falsch beurteilt.
Ein Steinadler – die französischen Luftstreitkräfte setzen vier Jungtiere zur Abwehr von Drohnen ein, die den Flugverkehr gefährden.
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Jetzt kommen die Gambia-Riesenhamsterratten ins Spiel. Mit einer Länge von 40 Zentimetern sind sie die größten Ratten der Welt. Für Tuberkulose-Kranke in Afrika sind sie ein Segen: Sie erschnüffeln die Erreger sicherer und schneller als jeder Spezialist mit einem Mikroskop. Braucht ein Mensch für hundert Proben zwei Tage, schafft die Ratte es in zwanzig Minuten.
In Tansania haben die Ratten bisher 350000 Speichelproben untersucht und dabei über 9000 fälschlicherweise als gesund eingestufte Patienten identifiziert. Das Ergebnis wird dem jeweiligen Krankenhaus gemeldet und der Patient kann gerettet werden.
Für jeden richtigen Riecher werden die Tiere mit Bananenbrei belohnt.
Nach dem gleichen Belohnungsprinzip gehen Ratten auch auf Minensuche. Mit ihrem Gewicht von vier Kilogramm sind sie leicht genug, um über Minenfelder zu laufen, ohne eine Detonation auszulösen. Haben sie Sprengstoff gerochen, bleiben sie stehen und scharren die Mine frei, die dann entschärft wird.
In Mosambik wurden auf diese Weise 2000 Landminen, 1000 Blindgänger und 12000 Handfeuerwaffen und Munition unschädlich gemacht.
Lehrreich, unterhaltsam und auch witzig sind Mario Ludwigs verblüffende Geschichten aus der Tierwelt. Doc Mario, wie ihn seine Freunde nennen, wollte eigentlich nie Biologe werden. „Beide Eltern waren vom Fach und verpassten mir schon beim Frühstück meine tägliche Fachdosis.
Ludwig erzählt im neuen Buch auch von Brieftauben
Zum Abendessen das gleiche dann noch mal. Als ich in die Oberstufe kam, wählte ich das Fach sofort ab. Nach der Bundeswehr wollte ich Sport studieren und musste als zweites Fach Geschichte oder Biologie wählen. Ich mochte beides nicht und warf eine Münze. Und heute bin ich Doktor der Biologie.“
In seinem neuen Buch erzählt Ludwig auch von Brieftauben, die, mit Kameras ausgerüstet, im Ersten Weltkrieg als „Aufklärer“ eingesetzt wurden, allerdings mit mäßigem Erfolg. Die Fotos waren unscharf und verwackelt. Erfolgreicher sind die Tauben, die Pathologen bei der Erkennung von Krebszellen helfen – sie können krankes Gewebe von gesundem unterscheiden.
Auch Hunde können Krebs erschnüffeln. Und sogar Diabetikern beim Überleben helfen: Die „Diabetikerwarnhunde“ sind darauf trainiert, beim Patienten Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu wittern und den Kranken darauf aufmerksam zu machen.
Bienen arbeiten als „Umweltpolizisten“
Ludwig schreibt über Bienen, die am Hamburger Flughafen als „Umweltpolizisten“ arbeiten. Die Verwaltung schickt jedes Jahr 70000 Insekten „auf Streife“. Der Honig, den sie produzieren, wird im Labor nach Schwermetallen untersucht, die bei der Verbrennung von Flugbenzin entstehen.
Ludwig schreibt über Frösche. Früher wurden sie als Schwangerschaftstester eingesetzt, nach der Entwicklung chemischer Tests wurden sie „arbeitslos“. Das Verfahren war recht simpel: Spritzte man einem weiblichen Frosch den Urin einer vermutlich Schwangeren unter die Haut oder setzte das Tier in eine Schale mit deren Urin, löste das innerhalb von zwei Tagen eine Eiablage aus – die betreffende Dame war in guter Hoffnung.
Er schreibt über Steinadler im Dienst der französischen Luftstreitkräfte: Vier Jungtiere wurden zu Drohnenabwehrjägern ausgebildet. Die Tiere mit einer Flügelspannweite von zwei Metern und einem Kampfgewicht von fünf Kilogramm holen Drohnen vom Himmel, die den Flugverkehr gefährden.
Er schreibt über „Acoustic Kitty“, einer Katze der CIA: „Man operierte der armen Katze Mikrofone in die Ohren, einen Sender in den Kopf und eine Antenne in den Schwanz. Dann sollte sie im Park der russischen Botschaft geheime Nachrichten auffangen. Doch schon beim ersten Einsatz wurde die Mieze von einem Taxi überfahren. Es war alles für die Katz.“
Unterwasserspionage mithilfe von Delfinen und Seelöwen
Erfolgreicher dagegen ist die Unterwasserspionage mithilfe von Delfinen und Seelöwen. In geheimen Trainingszentren, zum Beispiel in den USA und Russland, werden die Tiere ausgebildet und mit hochauflösenden Kameras ausgerüstet. Die Meeressäuger sollen Informationen aus feindlichen Hafenbecken beschaffen, Kampfschwimmer und Minen aufspüren.
Die gruseligsten Experimente machen zurzeit die Wissenschaftler des US-Verteidigungsministeriums. Spionage-Spezialisten arbeiten daran, die Gehirne von Fluginsekten so zu manipulieren, dass die Tierchen steuerbar werden. Bereits 2009 wurde der erste Käfer präsentiert, der sich kabellos in jede gewünschte Richtung bewegen ließ.
Probleme macht noch das Gewicht der Batterie für die Kamera. Doch auch dafür ist eine Lösung in Sicht. Japanische Wissenschaftler haben einer Kakerlake eine Bio-Brennstoffzelle auf den Rücken montiert und per Bohrung eine Verbindung zur Körperflüssigkeit des Insekts hergestellt. Der Zucker der Lymphflüssigkeit wurde in der Brennstoffzelle dann in Strom umgewandelt.
In der Tierwelt fühlt sich Ludwig pudelwohl. Er schreckt weder vor Vogelspinnen noch Schlangen zurück. In Thailand hat er seinen Elefantenführerschein gemacht, in Afrika die Demutsgesten der Berggorillas gelernt und mit seiner Frau in der Wildnis von Afrika gezeltet. „Meine Frau ist von Tieren genauso begeistert wie ich und macht alles mit. Als ich ihr eine Würgeschlange um den Hals legte, meinte sie nur: Die passt aber farblich nicht zu meinem Kleid.“
Wirksame und tödliche Dosis liegen dicht beieinander
Nach einem seiner Vorträge stellte ihm eine rundliche Frau die Frage, ob eine Bandwurmdiät zum Abnehmen geeignet sei. Sie liebe nun mal Konfekt und Sahnetorte und wolle darauf nicht verzichten. Das Sportstudio sei ihr zu anstrengend. „Natürlich nicht!“, riet er ihr. „Auch wenn Bandwürmer der berühmten Callas geholfen haben sollen, wäre das keine gute Idee. Wer Bandwurmeier zu sich nimmt, spielt mit seiner Gesundheit. Die Larven wandern zum Teil bis ins Gehirn und können Sehstörungen, Lähmungen und Entzündungen verursachen, die zum Tod führen können. Dann ist aus die Maus.“
Neulich fragte ihn ein Mann um die sechzig nach einem Potenzrezept, sprich nach der „Spanischen Fliege“. Seine Partnerin sei noch nicht mal halb so alt wie er...
„Korrekt gesagt, ist die Fliege ein Käfer mit dem Namen Lytta vesicatoria“, doziert Ludwig. „Sein amouröses Geheimnis liegt in seinem Blut und heißt Cantharidin. Nimmt man eine ausreichende Menge zu Pulver geriebenem Cantharidin zu sich, kommt es bei einem Mann zu einer imposanten Erektion, die aber sehr schmerzhaft sein kann.“
Aber es sei auch ein Spiel mit dem Feuer, denn „die wirksame und die tödliche Dosis liegen dicht beieinander“. So hat mancher Liebhaber seine Lust mit dem Leben bezahlt.
Nicht so tödlich wie die „Spanische Fliege“, aber sehr viel teurer und angeblich wirkungsvoller, ist der Sommergras-Winterwurm, den Tibeter im Frühling im Himalaya suchen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt er als Wundermittel: Er soll nicht nur aus müden Männern muntere Liebhaber machen, sondern auch bei Hepatitis, Depressionen, Rückenleiden und Herzrhythmusstörungen helfen. Der Preis: Das Kilogramm kostet 40.000 Euro.
Einige europäische Wissenschaftler arbeiten an einer Variante, doch bisher ohne Erfolg.
Umso erfolgreicher hat sich in Deutschland der Blutegel für medizinische Zwecke durchgesetzt. Lange Zeit vergessen, ist er wieder bei vielen Krankheiten im Einsatz.
„Betrachtet man es von der biologischen Seite, ist der Blutegel ein ,Miniaturvampir‘, der uns Menschen schon seit über 5000 Jahren wertvolle Dienste leistet“, sagt Ludwig. Heute wird er in der Handchirurgie und beim Annähen abgetrennter Finger eingesetzt.
Auch bei Angina pectoris, Brustdrüsen- und Gallenblasenentzündungen wird der Blutegel eingesetzt. Er hilft außerdem bei Furunkeln, Hypertonie, Krampfadern, vereiterten Nebenhöhlen, Rheuma, Thrombosen oder Tinnitus.
Man weiß heute, dass es sich bei Blutegeln um „Mini-Apotheken“ handelt: Untersuchungen haben ergeben, dass ein Egel bei seinem Biss mehr als 20 gerinnungs- und entzündungshemmende, entkrampfende und sogar schmerzlindernde Wirkstoffe in die Wunde abgibt – und das ohne jegliche Nebenwirkungen.
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