Niemand kümmerte sich um August und Alfred - bis sie nach Falkenberg kamen
Dass es Therapie-Hunde gibt, ist bekannt, aber haben Sie schon mal von Therapie-Eseln gehört? Alfred und August hätten sicher auch nicht gedacht, dass sie auf diesem Fachgebiet irgendwann Pionierarbeit leisten würden, aber ab und zu bietet das Leben auch bei Tieren spannende Überraschungen.
Die Esel wohnten noch vor Monaten in einem kleinen Vogelpark in Westdeutschland – dort kümmerte sich aber niemand ausreichend um sie. „Als sie entdeckt wurden, waren sie nur noch Haut und Knochen, fast verhungert, sie vegetierten vor sich hin“, sagt Tierheim-Mitarbeiterin Julia Sassenberg. Die Esel zogen auf die Keller-Ranch, einen Bauernhof, betrieben von einem Tierschutzverein in Hessen. Dort wurden die Esel aufgepäppelt. „Mit den Kollegen von der Ranch tauschen wir uns regelmäßig aus, da Tiere in anderen Regionen manchmal bessere Vermittlungschancen haben.“ Die Esel zogen ins Berliner Tierheim – hier hofft man, im ländlichen Brandenburg schneller ein neues Zuhause für sie zu finden.
Die beiden Esel werden in Therapiestunden eingebunden
Bis dahin haben Alfred und August aber noch eine spannende Aufgabe: Sie gehören nun zu einem neuen Projekt, das sich um tiergestützte Therapien dreht. „Wir arbeiten mit zwei Vereinen zusammen, die sich um Kinder mit Adipositas kümmern“, sagt Tierheim-Mitarbeiterin Magdalena Artowitz-Fehrmann, die das Projekt betreut. „Die Kinder können zu uns kommen, mit den Tieren arbeiten – und bekommen dabei verschiedene Dinge vermittelt.“ Zum einen gehe es darum, zu lernen, dass jedes Lebewesen Grenzen hat – und darum, mit Enttäuschungen und Frust umzugehen. Wichtig sei auch das Bekämpfen von Vorurteilen. So sollen die Kinder lernen, dass die angebliche „dumme Gans“ gar nicht dumm ist, das Schwein nicht dreckig und der Esel nicht störrisch, wenn man richtig mit ihnen umgeht. „Und natürlich geht es auch darum, die Kinder zu motivieren, überhaupt draußen zu sein“, sagt Artowitz-Fehrmann. „Bei den ersten Terminen waren Kinder dabei, die ihre Ferien komplett vor dem PC verbringen.“ Generell sei die Arbeit der Kinder mit den Tierheim-Tieren bereichernd, weil sie sich verstehen. „Die Kinder fühlen sich oft verstoßen, erkennen sich in den Geschichten der Tiere wieder. Und die Tiere berühren die Kinder auf einer völlig anderen Ebene“, sagt sie.
Solange für die Esel kein neues Zuhause gefunden ist, werden sie in die Therapiestunden eingebunden. Und das wird sich lohnen. „Denn die beiden sind wirklich sehr lieb, zutraulich und mögen Streicheleinheiten“, sagt Tierpflegerin Denise Börst (22). Sie kümmert sich derzeit um August und Alfred, füttert und bürstet sie, geht mit ihnen auf dem Gelände des Tierheims spazieren. „Die beiden sind besonders faszinierend, weil sie so schlau sind.“
Auch hier zeigt sich das Problem bei Vorurteilen wie jenem des „dummen Esel“: Sie stimmen oft überhaupt nicht.
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