Tierheim Berlin

Papagei, männlich, sucht...

Singlebörsen boomen derzeit - nicht nur beim Menschen.

BK
Lesezeit 4 Min
Rocco (l) mit seiner neuen Partnerin Rosa.

Rocco (l) mit seiner neuen Partnerin Rosa.

© picture alliance / Bernd Settnik

Tierärzte warnen davor, Papageien allein zu halten. Sie brauchen mindestens einen Partner, denn die Vögel sind Schwarmtiere. Der mittlerweile elfjährige Rocco ist da keine Ausnahme. Schon früh machten sich Halterin Fromme und ihr Mann auf die Suche nach einer Gespielin für den Graupapageien.

Graupapagei Rocco war sehr einsam.

Graupapagei Rocco war sehr einsam.

© picture alliance / Bernd Settnik

Papageien nehmen nicht jeden

Doch mehrere Vermittlungs-Versuche von einem Vogelzüchter aus dem nahen Oranienburg schlugen fehl. Immer wieder versuchte Rocco, die potenziellen Partnerinnen zu verjagen. „Das war manchmal ganz schön dramatisch“, erzählt Frommke. Rocco habe sogar versucht, den Käfig der Weibchen zu öffnen, um sie zu attackieren. Der Grund: „Papageien sind da wie Menschen, die nehmen nicht jeden“, sagt Frommke.

Dann sah sie vor anderthalb Jahren einen Fernseh-Bericht über Graupapageien im Tierheim Berlin und rief kurzerhand dort an - mit Erfolg: Sie solle doch einfach mal vorbeikommen. „Doch als mir die Pfleger dann sagten, dass ich Rocco dalassen sollte, dachte ich: Nein, das geht nicht“, sagt Frommke - zumal sie ihn erstmal nicht besuchen durfte, er sollte sich von ihr entwöhnen. Doch Rocco zur Brautschau im Tierheim zu lassen, sei die einzige Möglichkeit, erklärte man ihr. Besonders schlecht kann es ihm dort nicht ergangen sein: Er scharte einen regelrechten Harem von 20 Graupapageien-Damen um sich.

Gast-Papagei für die Partnerbörse

„Wir pflegen die Tiere, lassen sie Artgenossen beschnuppern und schauen dann, wie es passt“, sagt Kerstin Butenhoff, Pressereferentin des Tierheims. Rocco ist nicht der Einzige, der zur Partnersuche ins Berliner Tierheim kommt: Im vergangenen Jahr nahm man dort einen Graupapageien auf, 2015 waren es mit Rocco fünf. Derzeit ist ein Papagei aus Mecklenburg-Vorpommern zu Gast in der „Partnerbörse“, wie es Butenhoff nennt. Sie wünscht sich, dass sich noch mehr Vogelhalter im Tierheim melden.

Dort werden übrigens nicht nur Papageien „verpartnert“, wie das in der Fachsprache heißt. Die Singlebörse hat auch für Katzen, Meerschweinchen oder Ratten geöffnet. „Bei fast allen Tierarten kommt es auf die Chemie an“, erklärt Tierheim-Sprecherin Butenhoff. „Meist lassen wir uns vom Halter den Charakter des Tieres beschreiben. Die Pfleger kennen ihre Schützlinge sehr gut und können einschätzen, wer wohl am besten dazu passt“, sagt Butenhoff.

Bei Katzen ist die Gewöhnungsphase daheim dann recht unkompliziert, sie können sich anfangs bei Bedarf recht gut aus dem Weg gehen. Im Käfig ist das schon schwieriger. Ist ein potenzieller Meerschweinchen- oder Ratten-Partner gefunden, solle man das neue Tier erst einmal in einen separaten Käfig in Sichtweite zu den „Platzhirschen“ setzen, sagt Butenhoff. So hätten beide die Gelegenheit, sich aneinander zu gewöhnen.

Papageien brauchen viel Zeit

Papageien sind die einzigen, die länger im Tierheim bleiben, um sich kennenzulernen. Sie sind eben besonders wählerisch und brauchen dementsprechend viel Zeit zur Partnersuche. Manche von ihnen bleiben sogar über ein Jahr dort, ehe sie einen Partner finden.

Kerstin Frommke mit ihrem Graupapagei Rocco.

Kerstin Frommke mit ihrem Graupapagei Rocco.

© picture alliance / Bernd Settnik

Rocco war da schneller: Schon nach einigen Tagen funkte es zwischen ihm und der Papageiendame Rosa, damals zwei Jahre alt. Die durfte allerdings noch nicht gleich mit nach Hause: „Sie war zu jung und außerdem noch nicht geschlechtsreif“, sagt Frommke. Doch die beiden hatten sich bereits verliebt, deswegen machten die Pfleger eine Ausnahme. Nach zehn Wochen in der Auffangstation durfte das Papageien-Paar nach Hause.

Dort hatten Frommkes in der Zwischenzeit umgebaut: Der Mann opferte sein Billardzimmer, damit Rocco und Rosa eine geräumige Innen-Voliere haben. In den Garten bauten die beiden einen weiteren großen Käfig. Da fühlten sich die beiden Graupapageien sofort wohl. Rocco ist jetzt deutlich entspannter, zusammen mit Rosa pfeift er schonmal den Gefangenenchor aus der Oper „Nabucco“ oder die Titelmelodie des Tarantino-Streifens „Kill Bill“.

Doch Rosa kann auch eifersüchtig werden: Wenn sich Rocco einmal zu sehr an seine Halterin kuschelt, bekäme er schonmal eins mit dem Schnabel verpasst, erzählt Frommke. „Rosa hat definitiv die Hosen an“, sagt sie.

(Christoph Koopmann, dpa)

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