Thälmann-Park

Erste Platte unter Denkmalschutz

Das Grau der Fassaden bleibt jetzt für immer. Die Bewohner hoffen, dass damit Luxussanierungen verhindert werden.

MARCUS BÖTTCHER
Lesezeit 3 Min
Das Grau der Fassaden bleibt jetzt für immer.

Das Grau der Fassaden bleibt jetzt für immer.

© Gudath Lizenz

Es war nicht alles schlecht in der DDR. Diesen Grundsatz verteidigt Gabriela Bialkowski energisch. „Man darf doch nicht alles abreißen oder umgestalten, nur weil es vor der Wende gebaut wurde. Wir sollten uns ebenso an die guten Seiten des Sozialismus erinnern – und dazu gehört dieser Kiez.“

Die 54-jährige Gastronomin spricht vielen Kiez-Bewohnern im Ernst-Thälmann-Park aus dem Herzen. Hier, hinter dem gewaltigen Bronze-Torso des 1944 ermordeten Chefs der Kommunistischen Partei Deutschlands, leben gut 4000 Berliner in einem DDR-Prestigeobjekt. Und auch ihre Kinder und Kindeskinder werden den Ost-Charme erliegen können – denn das Landesdenkmalamt stellte die Siedlung jetzt unter Schutz.

Das heißt: Die Grün- und Parkflächen, das Thälmann-Denkmal selbst und die Fassaden der Plattenbauten (unter anderem vier 18-Geschosser) dürfen optisch nicht verändert werden. Grauer grobkörniger Waschbeton, braune Balkone, die Dreiecksform der Loggien und eloxierte Fenster – für die nächsten Jahrzehnte wird der Thälmann-Park trotz möglicher Sanierungen aussehen wie zu DDR-Zeiten.

Gastronomin Gabriela Bialkowski (54): „Ich arbeite hier im Kiez, lebe derzeit in Hohenschönhausen. Noch. Denn ich will unbedingt in den Ernst-Thälmann-Park ziehen, auch wenn hier die Mieten schon ganz schön hoch sind. Aber hier sieht und atmet man DDR-Charme.“

Gastronomin Gabriela Bialkowski (54): „Ich arbeite hier im Kiez, lebe derzeit in Hohenschönhausen. Noch. Denn ich will unbedingt in den Ernst-Thälmann-Park ziehen, auch wenn hier die Mieten schon ganz schön hoch sind. Aber hier sieht und atmet man DDR-Charme.“

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Fitnesstrainerin Anne Klemke (37) mit Sohn Jonas (9):„Wir leben seit 2004 in der Siedlung. Auch wenn die Hochhäuser von außen nicht jedermanns Geschmack sind, ist die Atmosphäre hier überragend. Schön, dass jetzt alles so bleibt wie es war und ist.“

Fitnesstrainerin Anne Klemke (37) mit Sohn Jonas (9):„Wir leben seit 2004 in der Siedlung. Auch wenn die Hochhäuser von außen nicht jedermanns Geschmack sind, ist die Atmosphäre hier überragend. Schön, dass jetzt alles so bleibt wie es war und ist.“

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Historiker Hartmut Kühn (66): Seit fast 15 Jahren lebe ich hier, bin aus Pankow hergezogen. Der Denkmalschutz gibt uns die Sicherheit, dass wir nicht zugebaut oder luxussaniert werden. Ein gutes Gefühl. Um uns herum lauern ja schon die Investoren.“

Historiker Hartmut Kühn (66): Seit fast 15 Jahren lebe ich hier, bin aus Pankow hergezogen. Der Denkmalschutz gibt uns die Sicherheit, dass wir nicht zugebaut oder luxussaniert werden. Ein gutes Gefühl. Um uns herum lauern ja schon die Investoren.“

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Krankenpfleger Jan Berthold (39): „Ich bin Prenzlberger. Ich habe nie woanders gewohnt und will das auch nicht. In meiner Wohnung hängt sogar noch ein Schild der Dimitroffstraße, der heutigen Danziger Straße, abgebaut 1995. Ich habe mich für den Denkmalschutz eingesetzt.“

Krankenpfleger Jan Berthold (39): „Ich bin Prenzlberger. Ich habe nie woanders gewohnt und will das auch nicht. In meiner Wohnung hängt sogar noch ein Schild der Dimitroffstraße, der heutigen Danziger Straße, abgebaut 1995. Ich habe mich für den Denkmalschutz eingesetzt.“

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Wie aber kam es zum Denkmalschutz? Rund um das Areal planen Investoren im In-Bezirk Pankow neue Bauvorhaben. In der angrenzenden Ella-Kay-Straße entstehen für 22 Millionen Euro 77 Wohnungen plus Tiefgarage, auf dem nahen Güterbahnhof-Gelände könnten schicke Townhouses mit 400 Wohnungen gebaut werden. Aus Angst vor anrückenden Investoren gründeten Anwohner eine Bürgerinitiative, den „Begehrlichkeiten“ an ihrem Kiez sollte Einhalt geboten werden. Unterstützung gab’s vom Denkmalschutzamt: mit einer dem KURIER vorliegenden mehrseitigen Begründung, die klingt, als wäre sie schon in den 80ern geschrieben worden. Das Amt sind der Ernst-Thälmann-Park mit seinen Wohnhochhäusern „in der Berliner Architekturlandschaft Spitzenprodukte des industriellen Bauens.“

Außerdem wurde der zum 100. Geburtstag von Ernst Thälmann (am 16. April 1986) eingeweihte Kiez in „einer außergewöhnlichen Vielfalt und in vorbildlicher Qualität umgesetzt“. Einmal in Jubel-Laune schreiben die Denkmalschützer weiter: „Die Anlage ist gleichzeitig eine Leistungsschau des real existierenden Sozialismus.“

Pankows Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner von den Grünen, obwohl als Eigentümer von drei Vierteln der Fläche erst spät vom Landesdenkmalamt über den Schutz informiert, sieht den Denkmalschutz positiv. Für den Bezirk wird es nun leichter, Gelder zur Sanierung des Kulturareals – zum Beispiel der maroden Wabe – zu erhalten.

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