Gedenken am Breitscheidplatz

Eine Minute steht alles still

Berlin erinnert an die Opfer des Anschlags vor zwei Jahren.

Julia Haak
Lesezeit 3 Min
Die Stufen zur Gedächtniskirche sind ein Mahnmal zum Gedenken an den Anschlag von 2016. 

Die Stufen zur Gedächtniskirche sind ein Mahnmal zum Gedenken an den Anschlag von 2016. 

© Odd Andersen/AFP

Schwarz, rot, gold vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Nationalfarben auch vom Regierenden Bürgermeister und von der Bundesregierung, grün, weiß, rot aus Italien, weiß und blau aus Israel so wie Rami Elyakim. Er will die Blumen, die er mitgebracht hat, auf jene Stufe legen, die den Namen seiner Frau trägt. Aber es ist gar nicht so einfach für jemanden, der vor unter einen Lastwagen geraten ist.

Die Wunde, die die brutale Tat des Terroristen ins Leben gerissen hat

Rami Elyakim war schon einmal auf dem Breitscheidplatz. Der 62 Jahre alte Mann gehört zu den Opfern des Terroristen Anis Amri, der vor zwei Jahren zwölf Menschen tötete und über 70 zum Teil schwer verletzte. Rami Elyakim hat den Anschlag überlebt, verletzt zwar – er wurde operiert wieder und wieder, lange war er auf einen Rollstuhl angewiesen, immer noch braucht er einen Krückstock, er hat ihn dabei am Mittwoch – aber immerhin, er hat überlebt. Anders als seine Frau Dalia.

Zwei Jahre ist der Anschlag jetzt her. Am Mittwochmorgen um 10 Uhr haben sich viele Menschen vor den Stufen der Gedächtniskirche versammelt. An diesem Ort geht seit einiger Zeit ein goldener Riss durch den Steinfußboden. Er symbolisiert jene Wunde, die die brutale Tat des Terroristen ins Leben gerissen hat. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist gekommen, ebenso Senatoren und Abgeordnete, Händler, Passanten und zahlreiche Menschen, die selbst verletzt wurden oder einen Angehörigen verloren haben.

Eine Minute, in der niemand spricht

In diesem Jahr übernimmt Martin Germer, der Pfarrer der Gedächtniskirche es, ein paar Worte zu sprechen. „Wir sind hier, um gemeinsam der zwölf Menschen zu gedenken, die an diesem Abend jäh aus dem Leben gerissen wurden“, sagt Germer.

Blumen, Kränze, Gebete: Am Breitscheidplatz wird am Mittwoch der Toten und Verletzten gedacht

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© Odd Andersen/AFP

Er steht oben auf dem Podest, das sich rund um die berühmteste Kirche in der City West erstreckt und zählt die Namen der zwölf Menschen auf, die an diesem Ort vor zwei Jahren gestorben sind. Dann richtet Michael Müller die Schleife seines Kranzes so wie auch die anderen staatlichen Vertreter. Eine Minute steht alles still, eine Minute, in der niemand spricht. Dann geht das Leben weiter. Am Abend hat eine Andacht in der Gedächtniskirche stattgefunden.

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