Die blauen Augen strahlen wie eh und je: Kino-Legende Terence Hill kehrt topfit auf die Leinwand zurück. Seinen neuen Film „Mein Name ist Somebody“ stellt der 79-Jährige persönlich auf einer Deutschland-Tour vor.
Die Satteltasche ist wieder gepackt, die Eisenpfanne, wahlweise zum Bohnenessen oder Schurken verprügeln, stets griffbereit. Doch 24 Jahre nach dem letzten Kinoritt mit seinem legendären Filmpartner Bud Spencer schwingt sich der Kult-Schauspieler diesmal nicht auf ein Pferd, sondern auf eine Harley-Davidson.
In „Mein Name ist Somebody“ gibt Terence Hill einen Mönch, der zum Easy Rider wird. Der sich mit seinem Motorrad auf einsame Sinnsuche begibt, aber schon bald eine rätselhafte junge Frau und viel Ärger im Schlepptau hat. Zentrale Szenen sollten zunächst in Afrika spielen. Dann erreicht Hill im Juni 2016 die Nachricht vom Tod Bud Spencers: „Ich habe daraufhin alles umgeworfen.“
Der Mann mit den eisblauen Augen
Es gibt im Film eine Szene, in der Thomas (Terence Hill) eine verlassene Hütte betritt, während er sich durch eine Staubwolke kämpft. Gedreht wurde in der südspanischen Provinz Almeria. „Der Ort hat so eine große Bedeutung für mich, und hier habe ich Carlo zum ersten Mal getroffen.“
Als sich beide Männer 1967 vor den Bergen der Sierra Nevada kennenlernen, tragen sie noch ihre Geburtsnamen: Mario Girotti und Carlo Pedersoli. Ein Unglück führt sie zusammen: Am Set zum Italo-Western „Gott vergibt, Django nie!“ bricht sich der Hauptdarsteller im Streit mit seiner Freundin den Fuß. Der Regisseur bekommt einen Ersatz empfohlen: einen jungen Mann, der bislang in deutschen Karl-May-Filmen am Marterpfahl stand, einen, der Halb-Italiener ist, gut reiten kann und markantere Augen als Franco Nero besitzt.
„Zwei wie Pech und Schwefel“ (1974) waren Terence Hill und Bud Spencer auch im wahren Leben.
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Girotti, der in Venedig und in Lommatzsch nahe Meißen in Sachsen aufwuchs, erhält die Rolle des „Cat“: ein Glücksspieler, geschmeidig wie eine Katze, der mit einem brummigen Muskelpaket namens „Dan“ ein Duo bildet.
Ab Mitte der 80er ruhen die vier Fäuste
Pedersoli, gebürtiger Neapolitaner, hatte als Schwimmer an den Olympischen Spielen 1952 und 1956 teilgenommen.
Um den Film weltweit vermarkten zu können, werden englische Künstlernamen verlangt. Pedersoli erweist seinem Idol Spencer Tracy die Ehre und wird zu Bud Spencer. Girotti leitet aus dem Namen seiner Mutter Hildegard Thieme Terence Hill ab. Die zwei höchst unterschiedlichen Männer verstehen sich vom ersten Tag an prächtig. Hier der Asket, dort der Genussmensch; beide liebenswerte Typen, die vor und hinter der Kamera alles mit einem Augenzwinkern tun.
Bei ihrer Premiere sollen sie sich prügeln. Spencer: „Lass uns das abwandeln: Ich gebe dir einen Faustschlag auf den Kopf.“ Hill: „Ja, und weißt du, was ich dann mache? Ich werde kurz in die Höhe springen, um dann wie eine Taube, die von einer Schrotflinte getroffen wurde, auf eine Seite zu fallen.“
Die lustige Szene in dem brutalen, von Leichen gepflasterten Italo-Western-Werk kommt beim Publikum bestens an. Ein eigenes Genre ist geboren: die Bud-Spencer-Terence-Hill-Komödie.
Mit dem Film „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1971) steigen die zwei auch hierzulande zu Superstars auf. Es entstehen 17 Erfolgsfilme, in denen Spencer und Hill den Taubenschlag oder die Hochgeschwindigkeits-Backpfeife, den Furz-Witz oder das Fress- und Raufgelage zur Klamauk-Kunstform ausbauen. Fröhlich und subversiv, ganz ohne Blut und Gewalt. Nach Ausweitung der Lachzone auf Dschungelpfade und Motor-Highways („Zwei wie Pech und Schwefel“) ist das Kult-Genre allerdings Mitte der 80er-Jahre ausgereizt. Die vier Fäuste ruhen.
Hill meidet die Öffentlichkeit
In den USA kommt es 1994 zu einer letzten Kino-Wiedervereinigung. Mittlerweile lebt Terence Hill mit seiner Ehefrau Lori, Einwanderer-Tochter aus Bayern, auf einer Farm in Massachusetts. Sein Sohn Jess hat das Drehbuch für „Die Troublemaker“ geschrieben, die Geschichte über zwei alternde Western-Haudegen. Die Berliner Schauspielerin Anna Kasprik („Polizeiruf 110“) erhält die weibliche Hauptrolle und reist aufgeregt nach New Mexiko: „Ich war dann überrascht, dass Terence Hill vollkommen anders ist, als ich dachte: Er spricht leise und ist sehr still – ein ganz sensibler Mensch.“
In einer Szene kämpft ein Junge nach einem Schlangenbiss um sein Leben. Hier bemerkt Anna Kasprik, wie sich die Augen von Hill mit Tränen füllen. Sie erfährt, dass der Schauspieler seinen jüngsten Sohn Ross vier Jahre zuvor verloren hat: „Er ist da ganz ernst geworden“, schildert Kasprik in dem Buch des Terence-Hill-Biografen Ulf Lüdecke. Ross war mit 16 mit dem Auto verunglückt, während sein Vater nicht in den USA weilte.
Seine bekannteste Rolle: Terence Hill in dem 1973 veröffentlichten Kinofilm „Mein Name ist Nobody“.
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Das tragische Ereignis und die Selbstvorwürfe sind wohl ausschlaggebend, dass der introvertierte Schauspieler die Öffentlichkeit noch mehr meidet. Er verbringt viel Zeit mit seinen Pferden. Einladungen zu Fan-Treffen, wo sein Freund Bud Spencer gerne mit seinem redseligen Temperament erscheint, schlägt er genauso aus wie lukrative Buchangebote. Allerdings reist er regelmäßig nach Italien, wo er seit 2000 für den TV-Dauerbrenner „Don Matteo“ als Pfarrer und Hobby-Detektiv vor der Kamera steht. Dann besucht er immer seinen Freund in Rom. Auch wegen der „fantastischen üppigen Pasta-Gerichte“, wie der gesundheitsbewusste Schauspieler verrät.
Genug Pistazieneis für alle
Beim Begräbnis von Bud Spencer 2016 hält Terence Hill eine bewegende Rede: „Wenn ich dich irgendwann wiedertreffe, bin ich sicher, dass du zu mir kommst, um mir zu sagen: Aber wir haben uns niemals gestritten.“
Kurz danach beginnen die Dreharbeiten zum Film „Mein Name ist Somebody“. Hill versteht sein Projekt (Hauptrolle und Regie) als Hommage an den „besten Freund, den ich je hatte“.
Außerdem hat er seine Zurückhaltung aufgegeben. „Ich freue mich sehr, nach so langer Zeit wieder nach Deutschland zu kommen, in das Land meiner Mutter.“ Vor wenigen Tagen war er im Berliner Zoopalast.
„Ich verdanke meinen deutschen Fans sehr viel“, schickt Terence Hill seiner Kino-Tour voraus, „ihr habt mir auch immer Bier, Schokolade und andere Köstlichkeiten mitgebracht, wenn ihr Tausende Kilometer gefahren seid, um mich in Italien am Set zu besuchen.“ Und er fügt an: „Nun ist es Zeit für mich, Danke zu sagen. Ich hoffe, ihr habt genug Pistazieneis.“
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