Fallen die Pläne für Günstigwohnraum durch, wäre das Signal: Notorische Blockierer können in Berlin jede Stadtplanung vereiteln.
Gewinnen die Bebauungsgegner, verliert die Stadt – in vielerlei Hinsicht. Verhindert würden bis zu 4.700 neue Wohnungen plus Kitas und Schule. Sie braucht Berlin aber dringend in seinem Kampf gegen Wohnungsnot und explodierende Mieten.
Bausenator Michael Müller (SPD) plant im ersten Schritt 1.700 Wohnungen, davon die Hälfte mit Mieten zwischen fünf und acht Euro/m2. Völlig unangetastet blieben 230 von etwa 355 Hektar Grünfläche.
Die Gegner der Randbebauung würden bei einem Sieg auch verhindern, dass bis zu 8.000 Jobs entstehen. Denn in den vier bis zum Jahr 2025 geplanten Wohn-Quartieren soll es Flächen für Gewerbe und Dienstleistungen geben.
Nicht vergessen darf man dabei die Mitarbeiter von Bau-Unternehmen, Wohnungsbau-Gesellschaften und Architektur-Büros, die teils schon Aufträge für das Feld bekommen haben.
Der Ex-Flughafen Tempelhof kann aber nicht nur Jobmotor und Garant für soziales Wohnen sein – an ihm beweist sich die Handlungsfähigkeit der Berliner Politik.
Vermag es die Regierung überhaupt noch, Großprojekte zu verwirklichen? Oder können die Unterschriften-Sammler mit ihrer „Gegen alles“-Mentalität in Berlin jeden Plan blockieren? Es spricht ja nichts Grundsätzliches gegen Volksentscheide.
Aber ob es die A 100 ist oder nur ein Bau-Projekt im Kiez: An jeder Ecke blüht die Protest-Folklore auf. Motto: „Bloß nicht vor meiner Haustür!“ Das lässt die Berliner Debatten so provinziell wirken.
Natürlich: Das Tempelhofer Feld ist eine riesige grüne Lunge. Aber wann außer bei Super- Sonnenwetter begeistert es die Leute wirklich? Oft wirkt es wie eine große, trostlose Brache. Von der fehlenden Gastronomie für Besucher ganz zu schweigen.
Geht der Entscheid zugunsten der Protest-Initiative aus, wäre das die nächste internationale Blamage für Berlin. Der Pannen-Flughafen BER wird nie fertig – ja nicht mal ein paar Häuser auf der Wiese kriegen die hin!
Setzt sich aber die Bebauung durch, wäre das nicht nur ein Sieg für Berlin und für Klaus Wowereit. Der als SPD-Chef abgesägte Bau-Senator Michael Müller hätte sich wieder als „Kronprinz“ und möglicher Wowi-Nachfolger für 2016 in Stellung gebracht. MOW
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