Unklar ist, ob der sanierte Radweg die Bauarbeiten 2022 überlebt
Auf rund 1,3 Kilometern wird der kombinierte Rad- und Fußweg bis Ende August für rund 200.000 Euro aufgemöbelt, wie Radler-Initiativen fordern. Deshalb ist das Parken auf der Ostseite der Straße verboten, die Stämme der Linden sind zum Schutz holzverkleidet.
Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg weist zurück, dass mit den Arbeiten am Radweg Geld zum Fenster herausgeworfen werde, weil die Straße ohnehin neu gemacht wird: Man müsse die Verkehrssicherheit gewährleisten.
Allerdings ist ungewiss, ob der sanierte Weg die 2022 beginnenden Arbeiten überlebt. Es sei unklar, ob er für Leitungsbauarbeiten „aufgegraben“ werden muss. Die Straße wird bis 2025 zwischen Platz der Luftbrücke und Stadtring voll gesperrt. Unter anderem werden über 100 Jahre alte Abwasserrohre zum Klärwerk Waßmannsdorf erneuert.
In Berlin herrscht seit 2014 „Aufgrabeverbot“ - doch bei Radwegen gibt es eine andere Regelung
Die Wasserbetriebe hatten 2017 mit Strom- und Gasleitungsbetreibern ein koordiniertes Bauen am T-Damm vereinbart. Zu häufig hatten nicht nur Autofahrer, dass Straßen aufgebuddelt, zugemacht und kurz darauf wieder aufgegraben werden. Besonders war das auf der Invalidenstraße aufgefallen, einem Ost-West-Nadelöhr: Nach jahrelangen Arbeiten an der neuen Tram-Strecke sowie an Leitungen taten sich 2017 wieder Löcher auf. Allerdings ungeplant: Die Wasserbetriebe mussten kaputte Rohre flicken.
Noch ist der Weg frei: Eine Frau radelt an der am Bahnhof Paradestraße bereitgestellten Absperrung auf dem maroden Fuß- und Radweg entlang.
© volkmar otto
Nun herrscht in Berlin seit Anfang 2014 „Aufgrabeverbot“. Eine neu gemachte Straße darf fünf Jahre lang nur bei Havarien oder anderen schwerwiegenden Gründen aufgerissen werden. Das soll die Leitungsbetreiber zwingen, sich abzustimmen. Was Radwege angeht, greift jedoch eine andere Regelung: Hier gilt eine Drei-Jahres-Frist. Und die läuft nach gegenwärtigem Stand etwa dann aus, wenn der T-Damm aufgerissen wird.
Radfahrer freuen sich über die Sanierung der Radwege
Radfahrer werden sich dennoch über die Sanierung freuen. Auch wenn der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC insgesamt miese Radwege beklagt. ADFC-Sprecher Nikolas Linck nennt Beispiele: „Auf dem Mehringdamm von der Bergmann- bis zur Gneisenaustraße werden Radfahrende auf eine schmale und vollkommen kaputte Holperpiste geschickt, die ständig verschwenkt wird. Auf der Görlitzer Straße sind Wurzelaufbrüche so schlimm, dass Sturzgefahr besteht. “ Allerdings sollten derlei unzeitgemäße Wege nicht saniert werden. Linck: „Vor Kreuzungen, wo die meisten Unfälle passieren, verlaufen sie oft versteckt hinter parkenden Autos, Bäumen oder anderen Hindernissen.“ Es müssten sichere Radstreifen zum Beispiel auf der Fahrbahn eingerichtet werden, Platz für Autos dem Platz für Radfahrer weichen.
Berlin verfügt unter anderem über gut 1400 Kilometer „Radverkehrsanlagen“ an Hauptstraßen, darunter rund 1000 Kilometer Radwege und 255 Kilometer Sonderstreifen.
Fragen an die Senatsverkehrsverwaltung, wie groß der Sanierungsbedarf an Berlins Radwegen insgesamt ist und ob das Aufgrabeverbot schon einmal wirkte, blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
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