Sicher und flott soll es auf den Straßen der Hauptstadt zu gehen. Immer wieder lobt Klaus Wowereit die Verkehrspolitik seines Senats, die ein mobiles Berlin verspricht. Doch nun bekam der Regierende Bürgermeister Post. Autofahrer Markus Tampfel (45) aus Lankwitz schrieb ihm einen wütenden Brief. „Sehr geehrter Regierender Bürgermeister Wowereit, ich schreibe an Sie, weil mich die Verkehrssituation in Berlin täglich zum Weinen, Schreien und Toben bringt.“
Als Taxifahrer kennt Tampfel den täglichen Verkehrswahnsinn ganz genau. Seit 16 Jahren fährt er beruflich quer durch die Stadt. Am meisten wurmen ihn die langen Rot-Phasen der Ampeln, die den Autoverkehr auf den Hauptverkehrsstrecken zum Erliegen bringen. Wütend rechnet der Taxifahrer Wowereit vor, was die Staus jeden der 1,3 Millionen Berliner Autofahrer an Lebenszeit kostet: „Ihre Verkehrspolitik der roten Ampeln schadet unserer Stadt und den Menschen die sich täglich darin bewegen müssen. Wenn 1,3 Millionen Fahrzeuge jeden Tag nur 15 Minuten im Stau stehen, dann werden pro Tag 37 Jahre an Zeit vernichtet!“
Tampfel erklärt: „Seit zwei, drei Jahren haben sich die Ampelschaltungen massiv verändert. Es gibt Phasen mit gerade mal 15 Sekunden Grün, gefolgt von 60 bis sogar 90 Sekunden Rot. Die Staus dahinter sind einfach nur noch unglaublich. Es gibt viele Kreuzungen, da braucht man mehr als fünf Minuten, bis man als Autofahrer drüber ist.“
Tampfel könnte dem Regierenden eine Riesenliste mit Problemstellen aufschreiben. „Als Beispiel nenne ich aber nur einmal die Kantstraße“, schreibt der Taxifahrer weiter. „Speziell zum Berufsverkehr zwischen 7 bis 9.30 Uhr muss man dort an jeder Ampel alle 150 Meter stoppen. Man fährt an der grünen Ampel an, hat seine Geschwindigkeit noch gar nicht richtig erreicht, schon springt die nächste Ampel auf Rot. Es ist in der ganzen Stadt so.“ Der Taxifahrer fragt Wowereit wütend: „Haben Sie eigentlich eine Ahnung, wie viel Energie dadurch verschwendet wird? Was bringt uns denn die Umweltzone, wenn wir unseren extrem teuren Sprit so massiv im Stand an der roten Ampel verballern?“
Und der Ampel-Irrsinn stoppt nicht nur die Berliner Autofahrer. Der Taxi-Mann denkt auch an die vielen Menschen, die täglich mit den BVG-Bussen unterwegs sind. „Auch sie müssen an den roten Ampeln im Stau stehen, oder weil die Busspur oft blockiert ist“, schreibt Tampfel. „Herr Wowereit, das nenne ich Freiheitsberaubung, die Sie zu verantworten haben.“
Der Taxifahrer erinnert Wowereit daran, wie oft er immer wieder erklärt, dass der Verkehr sicherer werden muss. Aber in Wahrheit werden viele Autofahrer „dazu verleitet, Gas zu geben, um dann mit Tempo 70 die nächste Ampel bei Grün zu erwischen“.
Tampfel erklärt, wie die Verkehrspolitik auch die Berlin-Touristen verärgert, die mit dem Taxi in Berlin unterwegs sind, oft lange Umwege in Kauf nehmen müssen – wie bei der Grünen Woche.
„Wegen der City-Cube-Baustelle an der Jafféstraße wurde die Zufahrt zur Messe-Süd geändert. Jetzt müssen alle Taxen über die Ampel Messedamm – Jafféstraße. Aber die Phase für Rechtsabbieger wurde nicht dem Verkehrsstrom angepasst (15 Sekunden Grün). Wir brauchen 20 Minuten vom ICC bis zur Messe Süd.“
Übrigens: Der Taxifahrer bekam von Wowi Antwort. Eine Referentin erklärte, der Regierende sei für die Sache „fachlich“ nicht zuständig. Tampfel wurde gebeten, auf Antwort aus der Senatsverkehrsverwaltung zu warten.
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