Berliner KURIER: Woran denken Sie bei Organspende zuerst, Herr Raacke?
Dominic Raacke:
An den Tod.
Warum nur?
Weil der Tod bei dem Thema naheliegend ist und im besten Fall vermieden werden kann.
Aber als Komödienstoff: Wäre Ihnen das je in den Sinn gekommen?
Komödienstoffe sind prinzipiell dramatisch. Aber die Gretchenfrage zu stellen: „Würdest du für mein Überleben einen Teil deines Körpers hergeben?“, ist schon ziemlich originell, da wäre ich selber nicht draufgekommen. Es geht ja plötzlich um viel mehr, denn die Frage meint ja auch: Liebst du mich wirklich? Bei unserem Stück geht es also um Herz und Nieren.
Trotzdem: Das Lachen bleibt einem im Halse stecken.
Da bin ich mal gespannt. Die Situationen und Dialoge sind witzig, es darf gelacht werden! Aber auf dem Heimweg wird man dann doch noch mal nachdenken. Und vor allem wird man fragen: Schatz, wie hättest du dich verhalten?
Lachen wir noch zu wenig über Dinge, die mit dem Tod zusammenhängen?
Im Theater geht es seit Jahrhunderten um den Tod, dafür ist die Kunst doch da. Wir scheuen uns davor und gleichzeitig lieben wir Geschichten, die sich genau damit beschäftigen. Über den Tod zu lachen, ist eine Form der Annäherung. Und wenn es gutgemacht ist, finden wir es sogar zum Totlachen!
Warum ist Organspende so ein Tabu?
Weil man wie beim Tod auch nicht so recht weiß, was genau passiert.
Also können Sie Arnold verstehen, der sich zunächst drückt ...
Natürlich. Ein Opfer bringen, braucht immer Überwindung. Selbst unser Bundespräsident hat bei seiner Frau nicht einfach nur Ja gesagt, als sie eine Nierenspende brauchte. Wenn ich es richtig gelesen habe, gab es da auch erst einmal Diskussionen und ein gemeinsames Abwägen. Aber er hat es getan und das war sehr großzügig. Steinmeier war während der Theaterproben quasi unser Maskottchen – wenn man das über einen Bundespräsidenten überhaupt sagen darf. Meine Figur ist dagegen weniger großzügig. Er ist ja auch nicht Bundespräsident, sondern ein narzisstischer Stararchitekt.
Wie steht’s um Ihre eigene Spendenbereitschaft?
Ich habe einen Spenderausweis mit dem Vermerk: Nein. Vielleicht ändere ich das auch wieder. Aber noch habe ich das Gefühl, ich möchte auch über meinen Tod hinaus in Ruhe und im Ganzen gelassen werden.
Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Lassen Sie uns noch mal drüber reden, wenn ich tot bin.
4.3. - 15.4.2018, Komödie am Kurfürstendamm. Karten ab 13 Euro unter Tel. 030/88 59 11 88.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com