Tatort Kotti

Der Stundenplan des Verbrechens

Polizei zählte, wie die Kriminalität im Kiez tickt.

Claudia Keikus-Wilms
Lesezeit 2 Min
Das Kottbusser wäre ein geeigneter Standort, um mit zusätzlichem Personal dauerhaft mehr Polizeipräsenz zu zeigen.

Das Kottbusser wäre ein geeigneter Standort, um mit zusätzlichem Personal dauerhaft mehr Polizeipräsenz zu zeigen.

© dpa

Weggeworfene Spritzen – so sehen die Dreckecken dort aus.

Weggeworfene Spritzen – so sehen die Dreckecken dort aus.

© Berlin Press

Die Polizei kommt am Kotti einfach nicht zur Ruhe. Innerhalb von drei Jahren zählte sie hier 4008 (!) Straftaten. Besonders sonnabends zwischen 1 und 2 Uhr nachts sollte man als braver Bürger das Gebiet meiden.

Es wird ohne Pause geraubt und eingebrochen – 72 Taten wurden innerhalb von drei Jahren registriert.

Der Kotti ist Hochburg der Taschendiebe – schon 486 Taten 2015.

Der Kotti ist Hochburg der Taschendiebe – schon 486 Taten 2015.

© Bernd Friedel

Im Wochenvergleich ist es zwischen 22 und 23 Uhr am schlimmsten – 258 Delikte wurden hier in den letzten drei Jahren gezählt. Auch an Sonntagen wird gerne geprügelt, gestochen oder geschossen – besonders zwischen 2 und 3 Uhr. In der wöchentlichen Betrachtung sticht auch die Stunde nach Mitternacht mit Gewaltattacken hervor. Der schlimmste Tag sind die Sonnabende mit über 1000 Verbrechen von 2013 bis 2015.

Der Handel mit Cannabis und Co. brummt und wird sich in diesem Jahr gut und gerne gegenüber dem Vorjahr verdoppeln. Bis 16. November hat die Polizei 242 Taten gezählt.

Das geht aus einer Kleinen Anfrage des Grünen-Politiker Benedikt Lux an den Senat vor, die dem KURIER vorliegt. Demnach stieg die Zahl der Körperverletzungen in dem Zeitraum auf 272 Fälle, im Vorjahr waren es „nur“ 227. Es gab mit 591 auch rund 200 Ladendiebstähle mehr als 2014.

Aber auch böse Buben machen mal Pause: Dienstags zwischen 6 und 7 Uhr und jeden Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr werden kaum Straftaten registriert. Der Kiez hat drei Kontaktbereichsbeamte. Diese sind fast täglich am Kottbusser Tor im Rahmen von Fußstreifen im Einsatz. Eine Beamtin ist zusätzlich mit dem Rad unterwegs. „In den nächsten Wochen ist ein Schwerpunkteinsatz am Kottbusser Tor geplant“, kündigt Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) an.

Die Drogenszene vom nahen Görli hat sich trotz der dort häufigen Razzien bisher noch nicht bis zum Kotti verlagert.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema