Talbot

Häuptling Tolle Rückhand

Eisbären-Stürmer vom Stamm der Algonquins-Indianer begeistert als Kunsttorschütze.

Manfred Hönel
Lesezeit 2 Min
Kam im Sommer 2011 nach Berlin zu den Eisbären: Julian Talbot.

Kam im Sommer 2011 nach Berlin zu den Eisbären: Julian Talbot.

© City-Press GbR

Richtig gelesen, drei Tore! Zunächst stand Talbot in Straubing nur mit einem Treffer in der Statistik, Barry Tallackson wurde das 2:0 gutgeschrieben. Nach dem Match korrigierte das Kampfgericht den Fehler, die DEL führt jetzt offiziell Talbot als Torschützen.

Gut so, denn Rückhand-Tore haben im Eishockey eher Seltenheitswert. In Straubing versenkte Talbot die Scheibe zweimal rechts, in Krefeld links oben. Und: Offenbar gehen solche Kunststücke Indianern besonders gut von der Hand.

Nach mehreren Jahren Papierkram wurde Talbot nämlich im vorigen Jahre als Indianer anerkannt. „Ich gehöre ganz offiziell zum Stamm der Algonquins of Pikwakanagan. Das Siedlungsgebiet befindet sich etwa anderthalb Autostunden westlich von Quebec in der Provinz Ontario.“ Die Heimat des 30-Jährigen heißt Mattawa. Julian: „Es ist eine sehr schöne Gegend mit Wasser und Wald so weit das Auge reicht.“

Warum der Puck-Held so lange um seine Anerkennung als Angehöriger eines Stammes kanadischer Ureinwohner kämpfen musste, ist ihm bis heute nicht klar: „Unsere Identität war verloren gegangen. Meine Oma hat Druck gemacht und konnte einwandfrei unsere Abstammung nachweisen. Mein Urgroßvater war sogar Häuptling unseres Stammes der Algonquins.“

In ein Wigwam will der Torjäger nicht ziehen. Aber wer darauf geachtet hat, der sieht schon, dass Talbot die Haare jetzt etwas länger nach Art der Indianer trägt. Im Sommer darf er nun in einem besonderen Gebiet fischen und hat zudem Anspruch auf Land.

Das ist ein Problem für später. Heute will Julian mithelfen, die Freezers ins Tiefkühlfach zu schieben. Vor den Körperattacken der Hamburg-Verteidiger fürchtet er sich nicht: „Indianer kennen keinen Schmerz.“

Talbot ist übrigens nicht der erste Indianer bei den Bären. Vor ihm stürmte mit John Chabot schon ein Algonquin im „Welli“. Bis 2011 mischte bei den Eisbären auch Branden Smith mit, der zum Stamme der Gitax-Indianer gehört, die zwischen den kanadischen Rocky Mountains und Vancouver leben. M. H. 

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