Taktik-Tüftler Widmayer

Hertha ist mein Traumjob!

Genau vor 36 Monaten begann die Trainer-Ära von Dardai und seinem Assistenten.

Wolfgang Heise
Lesezeit 3 Min
Schon drei Jahre ein starkes Trainerteam bei Hertha BSC. Chef Pal Dardai und sein Assistent Rainer Widmayer. 

Schon drei Jahre ein starkes Trainerteam bei Hertha BSC. Chef Pal Dardai und sein Assistent Rainer Widmayer. 

© City-Press GbR

„Da muss man doch nicht drumherum reden: In der Bundesliga als Trainer zu arbeiten, ist ein Riesenprivileg“, sagt der Schwabe. Ein typischer Satz von Widmayer. Er ist einfach ein ziemlich normaler, bodenständiger Typ, der immer ehrlich und geradeaus redet.

„Das hat mich stolz gemacht“

Alle im Verein schätzen das. Für Widmayer ist es die zweite Amtszeit. Seine erste endete unglücklich. Da war er noch Assistent von Markus Babbel und dessen Abgang gehörte im Dezember 2011 zur Abteilung „Schmierenkomödie“. Widmayer war ein Opfer zwischen den Stühlen. Jeder schätzte schon damals den Fleißarbeiter. Vor etwas mehr als drei Jahren bekam Widmayer den Anruf von Michael Preetz.

„Ich dachte, er wollte sich nur eine Meinung bei mir über einen Trainer einholen, weil Hertha gerade einen suchte. Ich war total überrascht, dass mich Hertha zum zweiten Mal wieder als Co-Trainer haben wollte. Das ist selten in der Bundesliga. Das hat mich stolz gemacht“, erklärt Widmayer.
Das Duo Dardai/Widmayer funktioniert: 2015 die Blau-Weißen vor dem Abstieg gerettet, 2016 rasante Aufbauarbeit und am Ende Siebter, 2017 sogar Platz 6 und nach acht Jahren zum ersten Mal wieder in der Europa League.

Der Schwabe war vor seiner Karriere als Fußballlehrer bei Daimler als Mechaniker im Versuchslabor tätig.

Der Schwabe war vor seiner Karriere als Fußballlehrer bei Daimler als Mechaniker im Versuchslabor tätig.

© City-Press GbR

„Für Hertha waren die Platzierungen der vergangenen zwei Jahre super. Wir haben diese wieder neuen Erfahrungen in Europa gesammelt. Natürlich kann ich die Kritik einiger Fans verstehen. Aber Bundesliga ist etwa wie der Aktienmarkt. Es geht nicht immer nur steil nach oben. Das Wichtigste ist, dass man stabil bleibt. Und das sind wir“, sagt er – auch nach dem 1:1 gegen Hoffenheim.

Widmayer gilt als Taktikgenie. Pläne aushecken, den Gegner genau analysieren und dann mit Dardai diskutieren, welcher der beste Weg ist. „Da geht es zwischen uns manchmal heiß er. Aber wo Reibung ist, entsteht Energie. Wichtig ist der gemeinsame Nenner. Alle müssen am Ende zu hundert Prozent hinter der Entscheidung stehen“, umschreibt er die Arbeit mit dem Cheftrainer.

Möglichst viele Punkte holen

Widmayer war vor seinem Job als Trainer Versuchsmechaniker in der Entwicklung bei Daimler in Stuttgart, dann überzeugte ihn 2001 der damalige VfB-Trainer Felix Magath, dass er lieber als Coach arbeiten sollte. Tüfteln, neues ausprobieren, genau das ist Widmayers Ding. „Probleme auch in schwierigsten Situationen zu lösen mit neuen Ideen.

Ja, das ist irgendwie mein Charakter. Das war früher so als Mechaniker im Versuchslabor und so ist es auch im Fußball. Bei Daimler ging es darum, Lösungen zu finden, um preiswerter Autos bauen zu können. Bei Hertha geht es darum, möglichst viele Punkte zu holen.“

Das versucht er seit drei Jahren mit Chef Dardai. Wann folgen die nächsten drei? Widmayer: „Solche Prognosen kann man im Fußball nie machen.“

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