Er heißt Lise, benannt nach der berühmten Kernphysikerin Lise Meitner (1878–1968), und schafft 16 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde. Damit ist Lise sechsmal schneller als ihr Vorgänger Konrad und landet auf Platz 40 unter den 500 schnellsten Supercomputern der Welt. Die Leistungen des Computers stehen der Spitzenforschung in sieben norddeutschen Ländern zur Verfügung.
Konrad Zuse baute einst den weltweit ersten Digitalrechner
Gast bei der Einweihung des Supercomputers war auch Horst Zuse, der Sohn des Computererfinders Konrad Zuse. Dieser baute einst in der Wohnung seiner Eltern den weltweit ersten funktionsfähigen, frei programmierbaren Digitalrechner der Welt.
Konrad Zuse präsentierte ihn im Mai 1941. Der Z3 wurde unter anderem in den Henschel-Werken bei der Flugzeugentwicklung eingesetzt. „Ein Nachbau des Z3 von mir steht im Deutschen Technikmuseum“, sagt sein Sohn Horst Zuse am Freitag beim Rundgang durch das Dahlemer Zuse-Institut. Der 74-jährige ist selbst Ingenieur, studierte einst an der TU Berlin und wurde Professor an der Hochschule Lausitz.
Konrad Zuse, der Erfinder des ersten funktionsfähigen Digitalrechners der Welt im Jahre 1984.
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In dem halbrunden Gebäude des ZIB geht es über eine lange Treppe hinunter in den Rechnerraum, wo die heutige Spitzentechnik steht. In dem großen Raum ist es warm und laut – das unablässig dröhnende Geräusch stammt von den Lüftern. Zwei übermannshohe Schrankreihen bilden eine Gasse. Grüne Lichter blinken, andere leuchten in Rot und Blau.
Insgesamt sind es zwölf Computerschränke mit 110 000 sogenannten Rechnerkernen. Jeder entspricht etwa dem Prozessor eines Handys, nur mit wesentlich höherer Leistung. Verbunden sind sie über ein Kommunikationsnetzwerk. Gekühlt wird das System mit einem geschlossenen Wasserkreislauf.
10-Gigabit-Datenleitung mit einer zweiten Rechnerkomponente
Installiert hat das 30 Millionen Euro teure System die französische Firma Atos. Finanziert wird es zur Hälfte vom Bund und zur anderen Hälfte von den Ländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Deren Wissenschaftsminister und ihre Vertreter drückten am Freitagmittag im ZIB gemeinsam auf einen großen roten Knopf, um den Superrechner offiziell in Betrieb zu nehmen. Die sieben Länder sind zusammengeschlossen im Norddeutschen Verbund für Hoch- und Höchstleistungsrechnen (HLRN), der 2001 gegründet wurde. Lise ist bereits das vierte Rechnersystem dieses Verbunds und heißt deshalb offiziell HLRN-IV.
Sieben Länder im Verbund
In Berlin ist am Freitag ein neuer Supercomputer in Betrieb genommen worden. Er dient der Spitzenforschung in sieben norddeutschen Bundesländern, die sich in einem Verbund zusammengeschlossen haben. Das Computersystem schafft im Zusammenwirken mit einem Rechner-Zwilling in Göttingen 16 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde.
Die großen Rechnerleistungen sind möglich, weil Lise über eine 10-Gigabit-Datenleitung mit einer zweiten Rechnerkomponente verbunden ist. Diese heißt Emmy, benannt nach der deutschen Mathematikerin Emmy Noether (1882–1935), und steht an der Universität Göttingen. Der Vorgängerrechner hier hieß übrigens Gottfried.
Der Supercomputer kann von Forschern der mehr als 120 Hochschulen und 170 Forschungseinrichtungen der sieben beteiligten Bundesländer auf Antrag genutzt werden. Andere Anwendergruppen können das System auf Antrag und gegen Gebühr nutzen.
Die Wissenschaftsminister und ihre Vertreter von Bund und Ländern drücken auf den Startknopf.
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Superrechner unter anderem zur Entwicklung von Medikamenten
Doch wozu braucht man solch eine gigantische Rechnerleistung? Ein Beispiel wird im sogenannten Studio da Vinci des ZIB vorgestellt, einer Art Kinosaal mit Leinwand. Hier ist gerade die dreidimensionale Molekülstruktur eines Opiats zu sehen, eines starken Schmerzmittels, das vom ZIB gemeinsam mit der Charité entwickelt wurde. Auf der Grundlage mathematischer Modelle und aufwendiger Simulationen auf dem Supercomputer konnte ein Wirkstoff entwickelt werden, der keine dramatischen Nebenwirkungen hat.
Neben der Entwicklung von Medikamenten geht es auch um viele andere Bereiche, etwa die Triebwerksentwicklung im Flugzeugbau, die Optimierung von Windenergieanlagen, die Meeres- und die Klimaforschung. Forscher simulieren neue Verkehrsmodelle, Wirbelstürme, Meeresströmungen, neue Werkstoffe und vieles andere.
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