Durch umgestürzte Bäume sind in Brandenburg vier Menschen schwer verletzt worden. Ein 56-Jähriger sei weiter in kritischem Zustand, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die Feuerwehr beseitigte am Vormittag weiter die Schäden durch den Sturm „Felix“, der am Samstag über das Land hinweggefegt war. Vor allem umgestürzte Bäume würden noch weggeräumt. Nach Angaben von örtlichen Feuerwehren hielten sich die Schäden in Grenzen. Der Bahnverkehr laufe wieder problemlos, sagte eine Bahnsprecherin am Sonntag.
Der 56-Jährige, der in Kleinmachnow von einem herabstürzenden Baum getroffen wurde, schwebte laut Polizei weiter in Lebensgefahr. Der Mann war am Samstagnachmittag mit seinem Hund trotz des Sturms unterwegs.
Im Landkreis Mittelmark krachte zwischen Werder und Petzow ein Baum auf ein Auto. Die zwei Insassen wurden schwer verletzt. Einer von ihnen war zunächst eingeklemmt, konnte aber befreit werden.
Weiter Probleme bei der S-Bahn
Nach dem heftigen Sturm rollt der S-Bahn-Verkehr in Berlin am Sonntag noch etwas holprig. Die S7 fahre nach einem Unfall nahe der Avus-Ausfahrt Hüttenweg nur im 20-Minuten-Takt, hieß es auf der Website der S-Bahn. Auf der Ringbahn müssen die Fahrgäste umsteigen - am Südkreuz ist wegen Reparaturarbeiten nach einem Unfall ein Bahnsteigwechsel nötig, um weiterfahren zu können. Auch auf den Linien S45, S46 und S47 kam es zunächst noch zu Problemen. Das Sturmtief „Felix“ hatte am Samstag nahezu den kompletten S-Bahn-Verkehr im gesamten Berliner Stadtgebiet lahmgelegt. Bäume waren auf Gleise gestürzt.
Weitere Infos zur aktuellen Lage bei der S-Bahn im Mobilitätsportal der S-Bahn Berlin.
S-Bahn-Crashs glimpflich verlaufen
Am Samstagabend war eine S-Bahn in Tempelhof gegen einen umgestürzten Baum gekracht und aus den Gleisen gesprungen. Die Fahrgäste wurden am Samstagabend aus dem Zug herausgebracht untersucht, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Es wurde jedoch niemand verletzt. Orkantief „Felix“ hatte den Baum umgerissen, der Zug der Linie S45 kam nicht mehr rechtzeitig zum Stehen.
In Wedding fuhr eine andere S-Bahn auf Gerüstteile auf.
Das Schlimmste ist überstanden
Das Orkantief „Felix“ ist schnell über Berlin hinweggezogen. „Das Schlimmste ist vorbei“, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam am Samstagabend. Auch in der Hauptstadt hätten die Experten orkanartige Böen - also etwa Windstärke 11 - registriert. Die Kaltfront sei nun Richtung Südosten abgezogen. „Es bleibt stürmisch, aber so schlimm wird es nicht mehr“, sagte die Meteorologin.
Dennoch raten Wetterexperten weiter zu Vorsicht. Bei den Windgeschwindigkeiten können „Äste runterkommen, Bäume umfallen und Dächer abgedeckt werden“. Der ADAC hatte zuvor Berliner und Brandenburger gar davor gewarnt, am Wochenende ins Auto zu steigen.
In der Nacht zum Sonntag hat sich der Wind gelegt. Nach dem Sturm ist aber vor der Kälte: Am Sonntag erwartet uns in Berlin ein Temperatursturz um bis zu zehn Grad. Breits am Mittag ist es deutlich kälter. Aus dem Ein-Tages-Frühling wird wieder Winter. Meteorologen erwarten, dass der Regen dann als Schnee- und Graupelschauer runterkommt.
Sturm stoppt Fahrstühle im Fernsehturm
Nach der Schließung wegen des Sturms hat der Berliner Fernsehturm wieder geöffnet. Allerdings fahre zunächst nur einer der beiden Fahrstühle wieder, sagte Sprecher Dietmar Jeserich am Samstag. Am Freitagabend hatten die Aufzüge automatisch gestoppt, weil der 368 Meter hohe Turm im Sturm schwankte. Für den Abend gebe es eine Menge Reservierungen im Restaurant des Fernsehturms - die würden alle eingehalten.
„Ob wir zusätzliche Touristen hochbringen können, ist aber noch ungewiss. Zumindest müsse man sich wohl auf Wartezeiten einstellen. Der Fahrstuhl fahre wegen des Windes langsamer - statt sechs Meter pro Sekunde fahre er derzeit je Sekunde nur drei Meter nach oben. Der zweite Aufzug wird repariert und soll dann wieder fahren.
Hunderte Feuerwehreinsätze
Die Berliner Feuerwehr musste am Freitag wegen heftiger Sturmböen zu rund 170 Einsätzen innerhalb von drei Stunden ausrücken. Vor allem umgestürzte Bäume und Bauteile wurden beiseite geräumt, wie ein Sprecher des Lagedienstes am Abend sagte. Verletzt wurde niemand. „Wir sind bisher glimpflich davon gekommen“, hieß es. Am Potsdamer Platz löste sich bei heftigem Wind eine riesige Plane von einem Gerüst. Ein Gehweg musste laut Polizei gesperrt werden. Bei der Feuerwehr war gegen 14 Uhr der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Er wurde inzwischen wieder aufgehoben. Windböen mit Geschwindigkeiten um 100 Stundenkilometer fegten über die Hauptstadt hinweg. Stürmisch und nass soll es laut Wetterdienst auch am Samstag zugehen.
Supermarktdach bricht ein
Und auch in Brandenburg sorgt der heftige Wind für Chaos. In einem Supermarkt in Beeskow (Oder-Spree) ist ein Deckenteil heruntergestürzt. Dabei sei eine Person verletzt worden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg am Freitag. Das genaue Ausmaß des Unglücks war zunächst nicht bekannt. Die Anfahrt der Polizei werde durch umgestürzte Bäume behindert, sagte der Sprecher.
In Fürstenwalde setzte ein Blitz den Dachstuhl eines Wohnhauses in Brand. Da die Bewohner nicht zu Hause waren, sei niemand verletzt worden, sagte der Sprecher. Die Feuerwehr konnte den Brand löschen.
Schuldach beschädigt - Grundschüler evakuiert
Schon am Freitagmittag laufen die ersten Schadensmeldungen ein: In der Uckermark hat der Sturm das Dach einer Grundschule schwer beschädigt. Die Schule in Prenzlau musste am Freitag deshalb evakuiert werden, wie die Polizei mitteilte. Eine Polizeisprecherin sagte: „Alle Schüler sind unverletzt aus dem Gebäude gebracht worden.“ Feuerwehr, Polizei und das Ordnungsamt seien im Einsatz.
Auf den Autobahnen gerieten bei dem starken Wind vor allem Laster und Anhänger häufig ins Schlingern. Auf Streckenabschnitten mit Brücken, Waldschneisen, Autobahnviadukten und Bergkuppen sei bei Sturmböen grundsätzlich Vorsicht geboten: Der Wind könne Autos und Laster dort seitlich abdrängen. Autos sollten vorsichtshalber nicht unter Bäumen geparkt werden.
Vollsperrung der Autobahn 11 - Bäume auf Fahrbahn gestürzt
Der heftige Sturm über Brandenburg hat am Freitag für eine Vollsperrung der Autobahn 11 zwischen den Anschlussstellen Pfingstberg und Joachimsthal (Barnim) gesorgt. Mehrere Bäume seien dort auf die Fahrbahnen gestürzt, berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg. Es bildeten sich mehrere Kilometer lange Staus in beiden Richtungen. Die Feuerwehr sei zu Räumarbeiten im Einsatz, sagte der Sprecher.
(mit dpa)
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