Josef S. spricht. Es ist an diesem Freitag das erste Mal, dass sich der 56-Jährige vor Gericht zu den schweren Vorwürfen äußert. Der Trödelhändler soll um die Jahreswende 2006/2007 seinen einstige Nachbarn erschossen, dessen Leiche zerstückelt und zehn Jahre lang in einer Tiefkühltruhe versteckt haben. "Ich habe Heinz N. nicht getötet", heißt es in der Erklärung, die sein Verteidiger Martin Rubbert für ihn verliest. Vielmehr habe er den toten 80-jährigen Heinz N. in dessen Wohnung gefunden. Mit einer Schusswunde in der Stirn, eine kleine Pistole lag neben ihm.
Josef S. sagt, er habe sich eigentlich schon früher einlassen wollen, doch die Berichte in der Presse hätten ihn davon abgehalten. Er sei ein Mensch, der sich in schwierigen Situationen in sein Schneckenhaus zurückziehe, so der Angeklagte. Josef S. erzählt, wie er damals Liesel und Heinz N. kennengelernt habe. Das Ehepaar wohnte in der Nachbarwohnung in der Hosemannstraße in Prenzlauer Berg. Man sei schnell per Du gewesen, und das Verhältnis wurde wegen seines Hundes Lara noch inniger, weil das alte Ehepaare einst auch einen Hund hatte.
Später hätte das Ehepaar ihm ein Gartengrundstück angeboten. Er und seine Lebensgefährtin hätten es sich angeschaut, und seine Lebensgefährtin habe den Garten für 10.000 Euro gekauft. Kurz darauf kam Liesel N. in ein Krankenhaus, sie hatte Krebs, starb im Frühjahr 2006. "Heinz hat sich nach Liesels Tod stark verändert", erklärt der Angeklagte. So habe in seiner Wohnung Alkohol auf dem Tisch gestanden, es habe keine Blumen, kein Gebäck mehr gegeben und eine gewissen Unordnung geherrscht. Josef S. hatte das Gefühl, der 80-Jährige würde wegen seiner Einsamkeit mehr Kontakt suchen.
Josef S. und die Spielsucht
Josef S. erklärt, damals habe bei ihm der Wunsch und der Druck, wieder zu spielen, stetig zugenommen. Er habe es vor seiner Freundin geheim gehalten, dass er wieder in Spielhallen geht. Die Angst war groß, sie könnte ihn fallen lassen. Er verlor mehr Geld, als er gewann. Die Verluste waren mit seinen Einkünften aus seinem Trödelhandel nicht mehr auszugleichen. Er habe, so erklärt es der Angeklagte, auf die Hilfe von Heinz N. gesetzt. Ihm von Spielschulden erzählt und von gefährlichen Menschen, die deswegen hinter ihm her seien. Heinz N. habe ihm daraufhin deutlich unwillig Geld geliehen.
Im Sommer 2006 will Heinz N. den Angeklagten gefragt haben, ob dieser ein paar Tage auf seine Wohnung aufpassen und den Briefkasten leeren könne. Josef S. konnte. Im November fragte ihn Heinz N. erneut, ob er über Weihnachten und Silvester noch einmal in der Wohnung nach dem Rechten schauen könne. Er habe damals nicht gesagt, wo er hinwolle. Laut Josef S. bekam er von Heinz N. die Schlüssel zwei, drei Tage vor Weihnachten.
Am 28. Dezember 2006 ging Josef S. angeblich erstmals in die Wohnung des Rentners. Er sah nach seinen Worten einen Lichtschein im Wohnzimmer und das Radio lief. Er glaubte, Heinz N. wäre früher zurückgekehrt. Der Senior habe im Sessel gesessen und an die Decke geblickt. "Ich griff nach seiner Hand, sie war kalt, er war tot", sagt Josef S. Er wisse, dass er die Polizei hätte rufen müssen. Doch er sei nicht angemeldet gewesen, und für die Polizei hätte er wie der Täter ausgesehen.
Angeklagter zerstückelte den Rentner
Josef S. berichtet von der Geldbörse auf dem Küchentisch mit den Geldkarten von Heinz N. und 500 Euro. Er verließ die Wohnung und kehrte am nächsten Tag wieder - weil er den Toten nicht so liegen lassen konnte. Jetzt erst will der Angeklagte neben dem Toten eine kleine Pistole gesehen haben. Einen Abschiedsbrief fand er nicht. Ihm sei, so erklärt Josef S., die Idee gekommen, dass es noch mehr Geld in der Wohnung geben könnte. Er fand die Bankkarten von Liesel und Heinz N. mit den Pin-Nummern. Und ihm kam der Gedanke: "Was wäre, wenn niemand von Heinz Tod erfahren würde"? Er habe sich entschlossen, die Situation auszunutzen.
Er kaufte eine Tiefkühltruhe. Doch weil der Körper nicht hineinpasste, entschloss er sich, den Toten zu zerteilen. Später versuchte er, alles zu verdrängen: er spielte noch mehr. Und er sagt, dass er nie erwartet hätte, dass das so lange als schneller Ausweg zur Finanzierung seiner Spielsucht gut gehen würde.
Josef S. erklärt, dass er wegen der Wohnung von Heinz N. den Kontakt zur Hausverwaltung gehalten und auch unter der Steuererklärung des alten Mannes die Unterschrift gefälscht habe. "Es war irgendwie alles sehr einfach." Bis ein misstrauisch gewordener Nachbar einen Nagel in das Schloss der Wohnungstür trieb. Da habe er erwartet, dass die Leiche von Heinz N. bald gefunden werden würde.
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