Ein Teil der wiederentdeckten Mauer.
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„Ich würde doch nicht an die Öffentlichkeit gehen, wenn ich mir meiner Sache nicht sicher wäre“, sagte Bormann dem KURIER. Viele Jahre lang hat er recherchiert, in Archiven gewühlt und Kartenmaterial gesichtet. Seine eigentliche Entdeckung des 80 Meter langen Mauerstreifens im Wald liegt schon 18 Jahre zurück. Aber erst jetzt, weil erste Wetterschäden auftreten, gab er sein Geheimnis gegenüber den Behörden preis.
Man ist davon ausgegangen, dass keine Überreste der Art mehr existieren
Bormanns These lautet: Der entdeckte Abschnitt in der Nähe der Schützenstraße stammt aus der ersten Phase des Mauerbaus ab dem 13. August 1961, noch vor Errichtung des eigentlichen Todesstreifens an diesem Grenzabschnitt. Deshalb nennt Bormann seine Entdeckung auch „Mauer 1“. Sie besteht, so ergaben seine Erkundungen im Wald, aus Überresten von im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hausmauern, eilig ergänzt um weißliche Mauersegmente der ersten Generation.
Ingo Marquardt (CDU) wies den KURIER auf noch ein zweites altes Mauerstück hin.
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Nachdem Bormann zu dieser Sicht gekommen war, fragte er beim Landesdenkmalamt an, ob es vergleichbare Mauerstreifen gebe. Die Antwort: Nein. Man sei davon ausgegangenen, dass keine baulichen Überreste dieser Art mehr existieren. Das Mauerstück zwischen Schützenstraße und Bahntrasse war fälschlich als offiziell demontiert erfasst worden. Bormanns Schlussfolgerung lag nah: „Es ist nach allem, was ich ermitteln konnte, das letzte existierende Stück Ur-Mauer.“
Während sich die Nachricht des Mauerfunds weltweit rasant verbreitete, sammelten Kritiker schon ihre Argumente. Expertin Christina Czymay vom Landesdenkmalamt erklärte nach einer Erstbegutachtung, die Ziegelmauer sei „nicht ein Bestandteil des Grenzbereiches Antifaschistischer Schutzwall oder der Berliner Mauer“ gewesen. Bei der vermeintlichen Ur-Mauer könne es sich höchstens um eine „grenznahe Mauer“ handeln, die vermutlich als Begrenzung für Bahnanlagen und Gewerbe gedient habe. Also war die Aufregung umsonst?
Der EU-Abgeordnete Arne Gericke wertet den Fund der „Ur-Mauer“ als Sensation.
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Souvenirjäger müssen jetzt draußen bleiben
Nein, heißt es bei der Stiftung Berliner Mauer. Das negative Urteil müsse revidiert werden. Korrekt sei vielmehr, dass es sich um einen echten Teil der DDR-Grenzanlagen und um einen Teil der „Berliner Mauer in ihrer frühen Form“ handelt. Gesine Beutin, Sprecherin der Berliner Mauer-Stiftung, versicherte wörtlich: „Das ist echt und nicht fraglich.“ Nicht zustimmen könne sie aber der Formulierung, dass Bormanns Mauerstreifen das älteste noch stehende Stück Mauer sei.
Dennoch fühlt sich Bormann durch die nachdrückliche Klarstellung der Mauer-Stiftung im Kern bestätigt. Er sagt: „Der Mauerstreifen war Teil der Berliner Mauer in ihrer Frühform – aber keiner hat sich damit beschäftigt und keiner hat ihn geschützt.“ Erst am Donnerstag, als die Kritik an Bormann schon auf dem Rückzug war, setzte sich das Grünflächenamt in Bewegung. Die Mauer wurde mit einem Bauzaun abgesperrt. Souvenirjäger müssen nun draußen bleiben.
Dr. Manfred Wichmann bezweifelt, dass der Mauerstreifen aus der ersten Bauphase ist.
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Eine abschließende Klärung wird es erst in einigen Wochen geben
Gleichwohl sind noch viele Fragen zu klären. So ist etwa der Historiker Dr. Manfred Wichmann (Mauer-Stiftung) der Ansicht, dass das Mauerstück erst 1962/63 und nicht bereits 1961 als Grenzanlage genutzt wurde. Zudem gebe es noch andere Reste der Mauer und der Grenzanlagen, die nicht als solche gekennzeichnet seien. Der CDU-Politiker Ingo Marquardt wies den KURIER auf ein altes Mauerteil an der Gutsstraße bei Spandau hin.
Eine abschließende Klärung wird es erst in einigen Wochen geben: Dann will das Denkmalamt die Ergebnisse des offiziellen Prüfungsverfahrens zu Bormanns Mauerstück vorstellen. Als unstrittig kann inzwischen gelten, dass Bormann wirklicheinen alten Teil der Berliner Mauer wiederentdeckt hat. Der EU-Abgeordnete Arne Gericke (Freie Wähler) regt an, den Mauerstreifen als europäisches Kulturerbe auszuzeichnen und entsprechend zu schützen. Er hat den Berliner Behörden bereits geschrieben.
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